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Bergbahnen:Mittenwalds Dauer-Ärgernis

Karwendelbahn im Nebel

Die Schließung der Karwendelbahn wäre eine Katastrophe für den Tourismus in Mittenwald.

(Foto: Ursula Düren/dpa)

Die Marktgemeinde ist zweitgrößter Aktionär der Karwendelbahn AG. Zu ihrem Leidwesen gibt es noch einen größeren, der leider undurchsichtig und irgendwie nicht greifbar ist.

Kolumne von Matthias Köpf

Vom Rathaus in Mittenwald bis zur Talstation der Karwendelbahn ist es zu Fuß keine Viertelstunde. Und selbst wenn sich der Sitz der Karwendelbahn AG nicht an der Talstation auf 933 Metern Seehöhe befände, sondern droben auf 2244 Metern, dann hätte es Bürgermeister Enrico Corongiu zur Hauptversammlung also eigentlich gar nicht so weit haben müssen. Die Marktgemeinde ist zweitgrößter Aktionär von Deutschlands zweithöchster Bergbahn, aber zu ihrem langjährigen Leidwesen gibt es eben noch einen größeren.

Der hatte 2012 eine Firma übernommen und sich dabei die kaum je gewinnbringende Bahn mit eingehandelt. Auch sonst verfügt er über viele Gesellschaften. Bei welcher davon gewisse Werte der Karwendelbahn AG gerade liegen, ist oft genauso undurchsichtig wie das ganze Firmengestrüpp, und auf den Hauptversammlungen werden die Mittenwalder da auch kaum schlauer. Obwohl sie dafür allein seit März immerhin vier Mal bis nach Berlin fahren mussten. Sicher öfter als hinauf zum Dammkar.

Vom Rathaus bis zu jenem Berliner Hotel, in das der feindliche Vorstand geladen hatte, wären es zu Fuß laut Routenplaner übrigens 137 Stunden - ohne Pause, dafür mit Abkürzung durch Tschechien. Aber Corongiu und all die Anwälte sind ja nicht zu Fuß gegangen. Das hätte sich zeitlich kaum gelohnt, denn eine der Versammlungen war zum Beispiel noch viel kürzer als der Weg vom Rathaus zur Talstation: Verspätete Eröffnung, ein paar gegenseitige Vorwürfe, Versammlung ergebnislos geschlossen. Beim letzten Mal wurden sie gar nicht eingelassen.

Ein bisschen erinnert das an all die Gerichtsverfahren rund um die Bahn. Diese sind zwar noch zahlreicher als die Hauptversammlungen und laufen viel strukturierter ab. Ein echtes Ergebnis haben sie aber ebenfalls selten, denn es gibt ja stets noch Instanzen. Corongiu, der erst seit einem Jahr im Amt ist, will daher auf weitere Klagen möglichst verzichten, obwohl es da wohl Anlässe gäbe. Aus der Kapitalerhöhung, die der Mehrheitsaktionär per Hauptversammlung durchsetzen wollte, ist jedenfalls erst einmal nichts geworden. Zuvor wollen die Mittenwalder etwa wissen, was mit dem Geld aus der letzten Kapitalerhöhung geschehen ist. In den Hauptversammlungen hätten sie es nicht erfahren. Aber vielleicht mal vor Gericht.

© SZ vom 25.05.2021/vewo
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