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Mitten in Bayern:Der schmerzbefreiteste Mann in der ganzen CSU

Zellmeier Josef, CSU, Foto: privat

Er muss ran, wenn sonst keiner mag: Josef Zellmeier ist Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU im Landtag. Der Job ist nichts für empfindsame Gemüter.

Kolumne von Wolfgang Wittl

Zu den bedauernswerten Kreaturen im Landtag zählen die Hinterbänkler. Sie fristen, wie der Name schon sagt, ein Dasein weit hinten im Parlament - dort, wo die Frischlinge sitzen, die sich erst hochdienen müssen. Ans Rednerpult dürfen diese Abgeordneten nur selten treten. Und wenn, dann zu vorgerückter Stunde oder zu einem Thema, von dem kaum jemand Notiz nimmt.

Schlimmer geht's nimmer? Nun, einer hat es noch schwerer, obwohl er in der ersten Reihe sitzt und sogar ziemlich oft reden darf. Wobei es in seinem Fall wohl besser heißt: reden muss. Gemeint ist der parlamentarische Geschäftsführer, im Fachjargon "PGF" genannt. Eigentlich fungiert der PGF als Scharnier für eine geordnete Zusammenarbeit im Parlamentsbetrieb. Zur Stellenbeschreibung gehört aber auch: Er muss immer ran, wenn sonst keiner will. Bevorzugt dann, wenn es peinlich wird.

Empfindsamen Gemütern ist von dem Job daher abzuraten, zumal in der wenig zimperlichen CSU. Ein tiefenentspannter Niederbayer wie Josef Zellmeier allerdings steht so etwas durch. Im Dezember 2015 zum Beispiel musste die CSU noch eine Minute überbrücken, um das Sitzungsende zu erreichen und rechtzeitig zu ihrer Weihnachtsfeier zu kommen.

Die Alternative war ein SPD-Antrag zur ungeliebten Startbahndebatte. Also Auftritt Zellmeier: Er schwadronierte plötzlich in einer persönlichen Erklärung darüber, dass er "mit voller Überzeugung bei der Haltung der CSU" sei. Der Sinn? Ja mei! Aber die Weihnachtsfeier konnte pünktlich beginnen.

Auch als der Bayerische Verfassungsgerichtshof das Gesetz zur Volksbefragung kippte, duckten sich alle weg. Nur einer nicht. Um Wahlen zu gewinnen, sei schon etwas mehr nötig "als gelegentliches juristisches Glück", lautete Zellmeiers freundlicher Rat an die Opposition. Diese revanchierte sich nun diese Woche, als sie der CSU genüsslich Zitate ihres Ministerpräsidenten zum Wahlrecht unter die Nase rieb.

Horst Seehofer lehnt eine Reform in bester Oppositionsmanier ab, seine CSU-Fraktion ist dafür. Ein Widerspruch? Die CSU sei halt "die vielfältigste demokratische Volkspartei, die man sich vorstellen kann", sagte Zellmeier. Kein Problem also für den PGF, den Pannengefahr-Freund der CSU.

© SZ vom 31.03.2017/bhi
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