Gesundheitsversorgung:Feuerwehrleute kämpfen für Klinik in Mainburg

Gesundheitsversorgung: Feuerwehrleute aus Mainburg überbringen einen Protestbrief in München.

Feuerwehrleute aus Mainburg überbringen einen Protestbrief in München.

(Foto: Martin Schöll)

Eine geplante Umstrukturierung des Krankenhauses regt ehrenamtlich engagierte Menschen auf. Sie fürchten um die Notfallversorgung und bringen einen Brief in die Staatskanzlei. Doch die Zahlen machen wenig Hoffnung.

Von Nina von Hardenberg

Vor der Staatskanzlei in München sind am Mittwoch um zehn Uhr etwa 40 Feuerwehrleute aus der Hallertau vorgefahren. Sie kamen in voller Uniform und wollten Ministerpräsident Markus Söder persönlich sprechen, so wichtig war ihnen ihr Anliegen: die Zukunft des Klinikums in Mainburg. Mit "großer Sorge" sähen sie die geplante Herabstufung des Krankenhauses zu einem regionalen medizinischen Versorgungszentrum, heißt es in einem Brief, den sie dem Ministerpräsidenten hinterließen, da sie ihn selbst nicht antrafen. "Sorgen Sie dafür, dass unser Krankenhaus als Grundversorger dauerhaft erhalten bleibt." Sollte Mainburg - wie derzeit diskutiert - seine Notaufnahme mit Schockraum und Intensivstation verlieren, wäre eine echte Notfallversorgung nicht mehr gewährleistet.

Mit ihrem Protestbrief sind die Feuerwehrleute nicht allein. Vielerorts in Bayern regt sich derzeit Unmut, wenn kleine Kliniken in Versorgungszentren umgewandelt werden sollen. Zuletzt demonstrierten in Tirschenreuth etwa 5000 Menschen für den Erhalt der Kliniken in ihrem Landkreis. Die Krankenhäuser aber haben häufig keine andere Wahl. Die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach angekündigte Klinikreform sieht strenge Vorgaben vor, was eine Klinik, die etwa eine Notaufnahme haben will, an Ärzten, Pflegekräften und Geräten vorhalten muss. Auch sind viele kleinere Kliniken schon jetzt schlecht ausgelastet und können darum auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht einfach so weitermachen.

So ist es auch in Mainburg. Die Klinik gehört zu den öffentlichen Krankenhäusern in und um Ingolstadt, die sich schon im vergangenen Jahr zusammengetan haben, um gemeinsam eine Zukunftsstrategie zu entwerfen. So wie bislang ging es nicht weiter. Zusammen hatten das Klinikum Ingolstadt und die umliegenden Krankenhäuser in Eichstätt, Kösching, Pfaffenhofen, Mainburg sowie das Kreiskrankenhaus Schrobenhausen 2023 ganze 75 Millionen Euro Verlust geschrieben.

Schon im vergangenen Jahr beauftragten die öffentlichen Kliniken der Region deshalb gemeinsam die Beratungsfirma PwC, ein Konzept zu erarbeiten. Die Berater empfahlen den Kliniken enge Kooperation. Es ist ein ambitioniertes Projekt, allein schon wegen der Zahl der Akteure, die sich hier einig werden müssten: Beteiligt sind die kreisfreie Stadt Ingolstadt, sowie die vier angrenzenden Landkreise Neuburg-Schrobenhausen, Eichstätt, Pfaffenhofen an der Ilm, Kelheim, sowie über das Klinikum Ingolstadt auch der Bezirk Oberbayern.

Für den Standort Mainburg schlagen die Gutachter ein erweitertes Gesundheitszentrum mit Fachzentrum Endoprothetik vor. Die Einschätzung sei plausibel und nachvollziehbar, sagt der Geschäftsführer der Ilmtalkliniken, Christian Degen. Er versteht den Unmut der Bürger darüber, dass sie ein vollwertiges Krankenhaus verlieren, weiß aber auch, dass Mainburg sich verändern muss. Die Vorgaben der geplanten Krankenhausreform werde das Haus nicht mehr erfüllen können.

Wer künftig eine Notaufnahme betreiben will, muss nachweisen, dass er auch eine innere Medizin, eine Chirurgie und einen Anästhesisten hat, der innerhalb von 30 Minuten zur Stelle sein kann, sowie einen ausgebildeten Notfallmediziner. Derzeit erfülle das Haus all diese Vorgaben. Aber es werde aufgrund des Personalmangels immer schwieriger, genügend Ärzte und Pfleger zu finden.

Der Geschäftsführer ist zudem überzeugt, dass die Versorgung der Menschen in der Region nicht leiden muss, solange sichergestellt ist, dass Rettungsdienste genauso schnell kommen. Schon heute würden Menschen nach schweren Autounfällen ja nicht ins nächstgelegene Krankenhaus, sondern etwa in die Unfallklinik Murnau gebracht. Schwere Verbrennungen würden in München behandelt und auch mit Kindern führe man längere Wege, um sich in die richtigen, nämlich die Kinderkliniken zu bringen. "Darum muss die Erstversorgung hundertprozentig stimmen", sagt Degen.

Auch der Kelheimer Landrat Martin Neumeier (CSU) wünscht sich, dass die Bürger die Chancen dieses Prozesses erkennen. "Ich finde gut, dass sich die Feuerwehren um ihre Heimat kümmern und dass sie sich engagieren", sagt er. Aber er als Landrat müsse auch die Kosten im Blick haben. Die Defizite der Klinik müssten über die Kreisumlage finanziert werden. Das treffe jede einzelne Kommune.

Er will mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Eine Informationsveranstaltung ist geplant. Die Feuerwehr jedenfalls konnte er bisher nicht überzeugen. Sie setzten sich Gefahren für Leib und Leben aus und erwarteten deshalb beste und schnellste medizinische Versorgung für sich selbst und auch für die Bevölkerung, heißt es in dem Protestbrief.

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