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Linguistik:Warum Sprachen sterben

AUSSTELLUNG ÜBER DEUTSCHE SPRACHE

Die Hälfte der Weltbevölkerung spricht nur 25 Sprachen.

(Foto: DPA/DPAWEB)

Mandana Seyfeddinipur beobachtet gefährdete Sprachen. Von insgesamt geschätzten 7000 Sprachen werde die Hälfte am Ende dieses Jahrhunderts nicht mehr existieren, prophezeit die Linguistin.

"Ein Wort gibt das andere" lautet das Motto des Forum:Autoren beim diesjährigen Münchner Literaturfest. Was ist jedoch, wenn es das andere Wort nicht mehr gibt? "Von geschätzten 7000 Sprachen wird die Hälfte am Ende dieses Jahrhunderts nicht mehr existieren", prophezeit die Linguistin Mandana Seyfeddinipur; sie leitet in London das SOAS World Languages Institute, das gefährdete Sprachen dokumentiert.

"Die Hälfte der Bevölkerung der Welt spricht nur 25 Sprachen, also die großen Sprachen von Mandarin über Spanisch und Englisch bis zum Deutschen. Die anderen mehr als 6000 Sprachen werden vom Rest der Welt gesprochen", sagt die Forscherin. "Das sind alles kleine Sprachen. Und die meisten dieser Sprachen sind nie aufgeschrieben worden - das heißt, die linguistische Vielfalt verschwindet vor unseren Augen, ohne eine Spur zu hinterlassen."

Eingeladen von Kuratorin Elke Schmitter, wird Mandana Seyfeddinipur bei einem Literaturfest-Symposion über dieses Thema sprechen, das der Öffentlichkeit kaum bewusst ist. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" erklärt die Sprachwissenschaftlerin die Gründe für das Verschwinden so vieler Sprachen - und die Folgen. Und sie macht klar, dass dieses Phänomen nicht nur auf ferne Regionen wie Papua-Neuguinea oder Sibirien beschränkt ist: "In Europa ist die Vielfalt ja schon relativ stark wegradiert.

In Deutschland kann man zum Beispiel das Friesische hernehmen: Da ist nicht mehr viel übrig, was am Leben erhalten werden kann." Wenn man gefährdete Sprachen und Dialekte erhalten oder revitalisieren wolle, dürfe das übrigens nicht nur über ein paar Stunden Unterricht in der Schule geschehen, sagt Seyfeddinipur: "Wenn die Kinder die Sprache nicht draußen sprechen und keinen Grund haben, sie zu sprechen, dann wird sie das nicht überleben."

Das ausführliche Interview lesen Sie hier mit SZ Plus:
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