Landwirtschaft Biogasbauern haben eine Alternative zum Mais gefunden

Silphium perfoliatum, gelb blühend, wird bis zu drei Meter hoch.

(Foto: Wikipedia)
  • Riesige Maisäcker, die das Futter für zahlreiche Biogas-Anlagen liefern, schaden der Natur.
  • Die Landwirte suchen nach Alternativen - und sind offenbar bei einer Pflanze aus Nordamerika fündig geworden.
  • Die Durchwachsene Silphie könnte sich zu einer echten Alternative zum Mais entwickeln.
Von Christian Sebald

Seit Jahren suchen die Biogasbauern eine Alternative zum Mais-Anbau. Denn die immer gigantischeren Mais-Äcker in Bayern haben extrem viele Nachteile für die Natur und das Landschaftsbild. Jetzt ist die Alternative offenbar gefunden: Die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum), landläufig Becherpflanze genannt, bringt ähnliche Erträge wie Mais, aus ihr lässt sich fast so viel Biogas gewinnen wie aus Mais. "Vor allem auf nicht so ertragreichen Böden und im Hügelland ist die Silphie eine gute Möglichkeit", sagt die Bäuerin und Agrarberaterin Ruth Brummer. "Zumal sie uns Landwirten Erleichterungen bringt."

Die Durchwachsene Silphie, die aus Nordamerika stammt, ist eine anspruchslose, buschige Staudenpflanze mit herzförmigem, grob gezahntem Blattwerk. Sie wird beachtliche drei Meter hoch und trägt von Juni bis September schier unzählige gelbe Blüten. Den Namen Becherpflanze hat sie von einer Eigenart ihrer Wasserversorgung. Ihre Blätter wachsen paarweise um die Stängel herum. Dadurch bilden sie gleichsam kleine Becher, in denen sich Tau und Regenwasser sammeln.

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Außerdem ist die Durchwachsene Silphie eine mehrjährige Pflanze, vom zweiten Jahr an treibt sie zwölf Jahre und länger jedes Frühjahr ihre Stauden neu aus. Bislang ist sie als Zierpflanze in Gärten und vereinzelt als Futterpflanze in der Landwirtschaft bekannt.

Aus Sicht der Naturschützer hat die Durchwachsene Silphie aber gerade als Energiepflanze viele, sehr gewichtige Vorteile. "Beim intensiven Mais-Anbau brauchen die Bauern jedes Jahr aufs Neue sehr viel Pflanzenschutzmittel und Dünger, das ist eine große Gefahr für das Grundwasser", sagt die Agrar-Expertin des Bundes Naturschutz, Marion Ruppaner, "die Äcker liegen bis weit ins Frühjahr brach da, was eine massive Bodenerosion bedeutet." Der blütenlose Mais ist auch der Tod einer jeden Artenvielfalt: Bienen, Wespen und andere Insekten finden auf ihm keinerlei Nahrung.

"Das alles ist bei der Silphie anders", sagt Ruppaner. "Ab dem zweiten Jahr braucht sie keinen Pflanzenschutz, ihr bis zu zwei Meter tiefes Wurzelwerk beugt der Bodenerosion vor. Und Imker schätzen sie als Bienennahrung." Die gelb blühenden Silphie-Kulturen bringen überdies Abwechslung in monotone Agrar-Landschaften. Und die Bauern haben relativ wenig Arbeit mit ihnen. Sie müssen sie nur im März düngen und im Herbst ernten. Die jährliche Bodenbearbeitungen und Aussaaten, die beim Mais viel Zeit kosten, fallen weg.

Der Anbau steht noch am Anfang

Die Durchwachsene Silphie hat eigentlich nur zwei Nachteile: Das Anlegen einer Dauerkultur ist mit 5000 Euro je Hektar Fläche relativ teuer - gegenüber einem Maisacker rechnet sie sich erst vom sechsten oder siebten Jahr an. Und im ersten Jahr bringt sie keinen Ertrag. Denn dann bilden die Pflänzchen nur eine Bodenrosette aus, erst vom zweiten Jahr an treiben die Stauden aus. Das ist auch der Grund, warum der Anbau erst ganz am Anfang steht: Dieses Jahr beträgt die Gesamtfläche der Kulturen bayernweit lediglich 80 Hektar. Die Fläche der Energiemais-Äcker dürfte sich auf 170 000 Hektar summieren.

Dennoch herrscht Aufbruchstimmung in der Biogas-Szene. "Die Silphie ist zumindest eine perfekte Ergänzung zum Maisanbau", sagt Claudius da Costa Gomez vom Biogas-Verband. In Baden-Württemberg wachse sie bereits auf 500 Hektar Ackerland. Für die CSU-Agrarpolitikerin Gudrun Brendel-Fischer ist die Durchwachsene Silphie gar "die Energiepflanze der Zukunft". Sie fordert die massive Förderung des Anbaus.