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Seniorenwohnpark in Landshut:Schwere Vorwürfe gegen Heimleitung

Seit einem großen Corona-Ausbruch steht ein Altenheim in Landshut in der Kritik. Nun wurde bekannt, dass Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln.

Seit einem großen Corona-Ausbruch im Dezember steht das Altenheim "Seniorenwohnpark" in Landshut in der Kritik. Nun wurde bekannt, dass Polizei und Staatsanwaltschaft wegen schwerer Vorwürfe gegen die Verantwortlichen im Heim ermitteln. Die Polizei gehe dem Verdacht der Nötigung, der Freiheitsberaubung und der unterlassenen Hilfeleistung nach, bestätigte ein Sprecher am Donnerstag. Möglicherweise ergebe sich auch ein Verdacht der fahrlässigen Tötung.

Die hohen Todeszahlen im "Seniorenwohnpark" lösten schon zuvor Aufregung in Landshut aus. Von insgesamt 120 Bewohnern haben sich laut Landratsamt 90 mit dem Coronavirus infiziert, 24, und damit ein Fünftel, sind gestorben. Das Gesundheitsamt teilt mit, dass es sowohl routinemäßige als auch anlassbezogene Kontrollen durchgeführt habe, auch weil Bürger sich über die Zustände in dem Heim beschwert hatten. Der "Seniorenwohnpark" gehöre zu den Häusern, mit denen das Amt häufiger als im Durchschnitt zu tun habe. Es seien "Defizite zu beklagen", die "seit Langem verbesserungswürdig" seien, etwa beim Personalschlüssel in der Pflege oder bei der Qualifikation des Pflegepersonals. Ausdrücklich in Schutz nimmt das Gesundheitsamt die Pflegerinnen und Pfleger, die "einen Berg von Überstunden" vor sich herschöben und teilweise "am Limit" arbeiteten. Nachdem Corona-Infektionen festgestellt wurden, gab es einen Aufnahme- und Besucherstopp, Reihentestungen und die Aufforderung, die Mängel zu beheben. Doch auch bei einer Begehung im Januar stellte das Amt noch Verstöße fest, etwa bei den Hygieneregeln oder der Verwendung von Schutzausrüstung. Zudem war in dem Heim eine Pflegerin beschäftigt, die als Corona-Skeptikerin gilt und sich geweigert haben soll, eine Maske zu tragen oder Tests zu machen. Sie wurde suspendiert, die Stadt leitete ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein.

Mehrere Angehörige, deren Eltern in dem Pflegeheim gestorben sind, haben Anzeige eingereicht. Eine von ihnen ist Christa Jones, 66 Jahre, deren damals 88-jähriger Vater im "Seniorenwohnpark" an Covid-19 erkrankte und später starb. Jones berichtet von Mitarbeitern ohne Maske und wirft der Heimleitung vor, dass diese den schlechten Zustand ihres Vaters früher hätte erkennen müssen. Sie wünscht sich, "dass sich viel mehr Menschen, die dort Verstorbene haben, melden". Als Erste berichtete die Landshuter Zeitung über die Vorgänge.

© SZ vom 19.03.2021 / nell
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