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Coronavirus in Bayern:Erster Landkreis bietet digitalen Corona-Impfnachweis

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Wie lässt sich beweisen, dass man gegen Corona geimpft wurde? Der Landkreis Altötting startet ein Pilotprojekt mit einem digitalen Nachweis.

(Foto: Sven Hoppe/dpa-tmn)

Noch wird über eventuelle Vorteile für Corona-Geimpfte diskutiert - sollte es diese geben, wäre ein Nachweis die Voraussetzung dafür. In Altötting ist der schon zu haben.

Von Max Muth, Altötting

Der Landkreis Altötting bietet seit dieser Woche Menschen, die gegen das Coronavirus geimpft sind, die Möglichkeit, sich ihren Impfstatus digital zertifizieren zu lassen. Noch wird diskutiert über eventuelle Vorteile für Geimpfte, aber sollte es diese geben, wäre ein Impfnachweis die Voraussetzung dafür.

In Altötting ist der schon zu haben. Nicht nur im althergebrachten Impfpass, sondern auch digital. Jeder Geimpfte, der möchte, kann seinen Impfnachweis auf dem Handy speichern. Die Technologie dahinter kommt von der Kölner Firma Ubirch, die das digitale Zertifikat zusammen mit der Genossenschaft kommunaler Rechenzentren Govdigital anbietet.

Ende dieser Woche soll es richtig losgehen. "Eigentlich läuft das ja schon," sagt Landrat Erwin Schneider (CSU) in einem Videotelefonat. "Aber damit wir das Zertifikat ausstellen können, brauchen wir eine bestätigte Zweitimpfung. Und die gibt es am Donnerstag oder Freitag." Der Altöttinger Landrat war sich schon vor Monaten sicher, dass ein Impfnachweis bald wichtiger werden würde, sagt er. Deshalb suchte er nach Möglichkeiten, den Bürgern etwas Handfestes zu bieten. Erst sollte es eine Scheckkarte sein. Die digitale Variante habe ihm dann eher zufällig ein junger Bürgermeister empfohlen. "Der hat gesagt: Das ist ein alter Hut, was du machst. Du brauchst das digital. Dann hab ich mich auf die Suche gemacht. Und jetzt haben wir's auf der Scheckkarte und auf dem Handy dazu." Geimpfte erhalten einen gedruckten Code, der mit dem Handy auslesbar ist. Später soll er auch rein digital auf dem Handy selbst gespeichert werden können.

Bei der Impfung in einer Praxis oder im Krankenhaus wird ein digitales Zertifikat mit allen wichtigen Informationen generiert und auf fünf sogenannten Blockchains im Internet abgelegt. In solchen Datenbanken gespeicherte Informationen können nur sehr schwer verändert werden. Abgerufen werden können die Informationen nur mithilfe eines digitalen Schlüssels, auf den nur der Geimpfte Zugriff hat. Auf diese Art versiegelt die Firma Ubirch schon Corona-Tests an den meisten deutschen Flughäfen.

Das Projekt in Altötting ist das erste Projekt mit Impfnachweisen in Deutschland. Tatsächliche Vorteile haben die Landkreisbürger dadurch zunächst keine. Noch nicht. Für den Landrat steht aber schon länger fest: Länder, die die Seuche im Griff haben, wie etwa Israel,werden von Einreisenden früher oder später einen solchen Nachweis fordern. "Also selbst wenn wir in Deutschland sagen, wir wollen das nicht, dann wird das kommen, also habe ich versucht, unsere Bürger für so was zu präparieren." Ganz genau weiß es Schneider nicht, aber er geht davon aus, dass Altötting der erste Landkreis in Deutschland ist, der einen solchen Service anbietet. "Ich glaube, wir haben da ein Alleinstellungsmerkmal gerade. Ich hoffe aber, dass das nicht lange so bleibt."

Vor ein paar Tagen habe er im Radio gehört, dass die beiden Technologie-Giganten Oracle und Microsoft jetzt auch so ein Impfnachweis-Verfahren anbieten wollen. "Da habe ich mir gedacht: Mensch, wir haben's schon."

© SZ vom 21.01.2021/mmo/van
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