bedeckt München 12°

Kommunalwahlen:Bayern hat gewählt - ein Überblick

Die Kommunalwahlen inmitten der Corona-Krise werden in die bayerische Geschichte eingehen: Bei den Stichwahlen war nur Briefwahl möglich. Die Ergebnisse ergeben ein buntes Bild aus Siegern und Verlierern.

Von Florian Fuchs, Matthias Köpf und Christian Sebald

Oberfranken

In Hof hat Eva Döhla (SPD) CSU-Amtsinhaber Harald Fichtner deklassiert. Mit 55,5 Prozent gewann die Tochter des legendären Hofer OB Dieter Döhla, der 1989 während der Wende zur historischen Figur wurde, war, souverän das OB-Amt. Dabei steht Hof längst sehr viel besser da als zu Wende-Zeiten. Allerdings gibt es in der Innenstadt nach wie vor viel Leerstand, den die Hofer offenbar dem bisherigen OB Fichtner anlasten. Döhla setzte im Wahlkampf auf eine Ideenwerkstatt. Außerdem sprachen sich von den Grünen und den Freien Aktiven Bürgern bis zur FDP und der Piratenpartei alle für Döhla aus. Fichtner lenkte die Stadt seit 2006.

In Bayreuth muss Brigitte Merk-Erbe nach einem ruppigen Wahlkampf ebenfalls das OB-Amt abgeben. Thomas Ebersberger von der CSU holte in der Stichwahl 53 Prozent. Ebersberger konnte sich auf eine breite Koalition stützen. Unter der Überschrift "Alle gegen Merk-Erbe" hatten außer seiner CSU auch Vertreter der FDP, der Unabhängigen, des Jungen Bayreuth und sogar der SPD kürzlich in der Lokalzeitung eine Wahlempfehlung für ihn ausgesprochen. Die Folge war eine Leserbriefe-Schlacht, in der die einen von einer "machtgeilen Herrenriege" sprachen und andere Verrat an der OB inmitten der Corona-Krise witterten.

Farbenwechsel auch in Kulmbach. Seit 2007, seit 13 Jahren also, regiert OB Henry Schramm von der CSU die Große Kreisstadt. Nun geht sie an den SPD-Kandidaten Ingo Lehmann. Der holte in der Stichwahl 50,8 Prozent. Schramm scheiterte bei 49,2 Prozent. Dabei lag Schramm im ersten Wahlgang mit 45 Prozent klar vor Lehmann. Zur Niederlage wird wohl der Verdacht beigetragen haben, dass es bei den Urnengang vor zwei Wochen zu einer Wahlfälschung gekommen ist. Angeblich haben damals zwei Personen im Rathaus "Wahlbriefe geöffnet" und "Wahlbriefe geschreddert". Inzwischen wurde deshalb Strafanzeige erstattet. OB Schramm zeigte sich von dem Verdacht "fassungslos und schockiert", ihm fehlten "einfach die Worte". Genützt hat es dem Oberbürgermeister nichts mehr, zumal es sich bei den Verdächtigen um Mitarbeiter aus dem engeren Umfeld von Schramm handeln soll, wie mehrere Quellen zu wissen glauben.

Rathaus Ludwigstrasse Hof an der Saale Oberfranken Bayern Deutschland Rathaus Hof an der Saale

Ins Hofer Rathaus zieht eine Frau ein.

(Foto: imago)

In Coburg lag von Anbeginn an SPD-Kandidat Dominik Sauerteig mit deutlichem Abstand vorne. Schlussendlich kam Sauerteig auf 57 Prozent. Sein Konkurrent Christian Meyer von der CSU lag bei 43 Prozent. Damit bleibt Coburg in der Hand der Sozialdemokraten. In Bamberg gewann Amtsinhaber Andreas Starke (SPD) mit 59,3 Prozent souverän gegen Jonas Glüsenkamp von den Grünen (40,7 Prozent).

Jüngster Bürgermeister in Bayern wird künftig Kristan von Waldenfels (CSU) in Lichtenberg im Landkreis Hof sein. Der 19 Jahre alte Student setzte sich mit 52,5 Prozent knapp gegen Jürgen Lindner (SPD und Parteifreie Bürger) durch. Auf den neuen ehrenamtlichen Bürgermeister warten große Aufgaben. Der Fall "Peggy" lässt die Kleinstadt seit Jahren nicht zur Ruhe kommen, mit zwei rekordverdächtigen Hängebrücken soll eines der großen Tourismusprojekte im nördlichen Franken verwirklicht werden.

Mittelfranken

In Ansbach gelang die Sensation: Thomas Deffner (CSU) siegte mit 62,3 Prozent klar gegen Amtsinhaberin Carda Seidel (BAP/ÖDP, 37,7 Prozent). Gegen OB Seidel hatte sich viel Unmut angestaut. Dabei nahm Seidel für sich in Anspruch, dass sich in Sachen Wirtschaftspolitik und Umweltschutz vieles verbessert habe in der Stadt. Deshalb verletze sie die Frontenbildung gegen ihre Person sehr.

Die Stadt Schwabach wird künftig wieder rot regiert. Nach dem überraschenden Rückzug von Matthias Thürauf (CSU), der nach zwei Amtszeiten mit nur 46 Jahren nicht mehr angetreten war, eroberte der in Schwabach etablierte Sozialdemokrat Peter Reiß das Rathaus mit 53,6 Prozent für die SPD zurück. Der Politimport Michael Fraas (CSU), bislang Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg, kam auf 46,4 Prozent.

Seine Wahl vor zwölf Jahren war eine Sensation: Benedikt Bisping wurde 2008 Bürgermeister von Lauf an der Pegnitz (Landkreis Nürnberger Land) - als erster Grüner in einer vergleichbar großen Kommune. Nun ist er es nicht mehr. Mit 48,15 Prozent der Stimmen wurde Bisping in der Stichwahl abgewählt, seine Nachfolge tritt Thomas Lang von den Freien Wählern an.

Oberpfalz

In Weiden, wo Amtsinhaber Kurt Seggewiß (SPD) nicht mehr zur Wiederwahl angetreten war, lieferten sich wie im ersten Wahlgang der SPD-Mann Jens Meyer und Benjamin Zeitler von der CSU ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Letztlich gewann Meyer mit 51,3 Prozent. Meyer kam auf 48,7. Damit hat die SPD ihre Vormachtstellung in der oberpfälzischen Stadt behauptet.

Niederbayern

In Landshut verteidigt Amtsinhaber Alexander Putz (FDP), der wegen der Corona-Krise seit 14 Tagen den Wahlkampf komplett eingestellt hatte, seinen Posten klar. Mit 70,4 Prozent liegt er weit vor seiner Konkurrentin, der früheren bayerischen Grünen-Chefin Sigi Hagl. Dabei sind die Grünen vor zwei Wochen die stärkste Partei im Stadtrat geworden. Ihrer Spitzenkandidatin hat dies aber nichts geholfen.

In Kollnburg im Bayerischen Wald wurde Josefa Schmid abgewählt. Mit 44,88 Prozent unterlag die langjährige FDP-Bürgermeisterin, die gerne auch als Schlagersängerin auftritt, ihrem Konkurrenten Herbert Preuß (Freie Wähler, 55,12 Prozent).

In der ältesten Gemeinde Bayerns Bad Füssing (Altersdurchschnitt der Einwohner 53 Jahre, Tendenz stark steigend) hat ausgerechnet der jüngste von fünf Bürgermeisterkandidaten nun auch die Stichwahl gewonnen: Tobias Kurz (Wählergemeinschaft des Ortsteils Würding), 28 Jahre alt, kam auf 54,8 Prozent. Er siegte damit gegen den bisherigen zweiten Bürgermeister der Gemeinde, Günter Köck (CSU).

Oberbayern

In Garmisch-Partenkirchen, das trotz seiner 28 000 Einwohner aus Gründen der Tourismuswerbung gerne Marktgemeinde bleibt, war schon eine Stunde nach Schließung der Wahllokale alles klar: Die Zeit von SPD-Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer ist nach nur einer Wahlperiode vorüber. Abgelöst wird sie von der Partenkirchner Rechtsanwältin Elisabeth Koch, die bisher die CSU-Fraktion im Gemeinderat anführte. Koch kam auf 69 Prozent der Stimmen, Meierhofer nur auf 31.

Die Traunsteiner haben Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) nach nur einer Amtszeit abgewählt. Neuer OB von Traunstein wird der 38-jährige Christian Hümmer, der CSU-Fraktionssprecher im Stadtrat war und neben seiner Partei von einer unabhängigen Gruppierung nominiert worden war. Hümmer entschied die Stichwahl mit 60 zu 40 Prozent für sich.

Markus Loth bleibt Bürgermeister in Weilheim. Trotz schwieriger Debatten über den Verlauf einer möglichen Umgehungsstraße gewann der Amtsinhaber von den "Bürgern für Weilheim" die Stichwahl mit 61,4 Prozent, seine Gegenkandidatin Angelika Flock (CSU) brachte es auf 38,6 Prozent. Auch in Mühldorf hat eine SPD-Bürgermeisterin nach nur einer Wahlperiode in der Stichwahl ihr Amt verloren. Marianne Zollner erhielt von den Mühldorfer Wählern am Sonntag nur noch 49,25 Prozent der Stimmen. Entsprechend knapp mit 50,75 Prozent oder in absoluten Zahlen mit genau 150 Stimmen Vorsprung gewann ihr Gegenkandidat Michael Hetzl, der von den Freien Wählern und einer unabhängigen Wählergruppe nominiert worden war. In Penzberg ging eine jahrzehntelange Ära der Sozialdemokraten zu Ende: Erstmals seit Kriegsende wird ein Bürgermeister der CSU in das Rathaus der früheren Bergarbeiterstadt einziehen. Der CSU-Kandidat Stefan Korpan setzte sich mit 66 Prozent gegen die Amtsinhaberin Elke Zehetner von der SPD durch.

Die Stadt Rosenheim bleibt auch nach der 18 Jahre andauernden Ära von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer in CSU-Hand. Zum Nachfolger wählten die Rosenheimer den 47-jährigen Andreas März. Der Spross des Rosenheimer Unternehmer-Clans erhielt in der Stichwahl 61,5 Prozent der Stimmen und hielt damit den grünen Kandidaten Franz Opperer auf Distanz. Rein rechnerisch haben sich beide Bewerber die Stimmenanteile der übrigen Kandidaten aus der ersten Wahlrunde in etwa geteilt.

Die christsoziale Palastrevolution in Bad Reichenhall ist geglückt: Der junge Jurist Christoph Lung, der zuvor Amtsinhaber Herbert Lackner die OB-Kandidatur für die CSU entwunden hatte, setzte sich in der Stichwahl am Sonntag gegen die unabhängige Kandidatin Monika Tauber-Spring mit 53,8 Prozent der Stimmen durch. Lackner hatte nach seiner CSU-internen Niederlage mit einer eigenen Liste kandidiert, es damit aber nicht in die Stichwahl geschafft.

Schwaben

In Lindau wird Claudia Alfons neue Oberbürgermeisterin. Die 37-Jährige, die als unabhängige Bewerberin angetreten war, folgt Gerhard Ecker (SPD) nach, der nicht mehr kandidierte. Alfons, von Beruf Richterin, ist Quereinsteigerin. Im ersten Wahlgang war sie noch knapp mit 16 Stimmen Rückstand auf Mathias Hotz Zweite geworden, nun hat die Bewerberin der "Lindau Initiative", der "Bürger Union" und der FDP ihren Kontrahenten, der unter anderem von der CSU unterstützt wurde, geschlagen. Mit 52,7 Prozent der Stimmen zieht sie ins Rathaus ein, wo sie einen der schönsten Arbeitsplätze in ganz Deutschland vorfinden wird: direkt am Bodensee, mit Balkon und Blick auf Park und Wasser.

© SZ vom 30.03.2020/infu
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema