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Landespolitik:Das PR-Problem der CSU-Frauen

Hauptalmbegehung

Mit den Fotos von der Heftertalm stahl die damalige Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner im Juli 2013 den Männern die Schau - ausnahmsweise mal.

(Foto: Peter Kneffel / dpa)

Heimatminister Markus Söder hisst Flaggen, gondelt übers Wasser und gibt den Kini. Seine Kabinettskolleginnen dagegen bleiben eher im Hintergrund. Woran liegt das?

Die Sache mit dem Hund zum Beispiel. Da war Wirtschaftsministerin Ilse Aigner kürzlich ein paar Tage am Nordkap und unternahm eine Fahrt mit dem Hundeschlitten. Außerdem hat sie einen knuddeligen Welpen auf den Arm genommen und das Foto bei Facebook veröffentlicht.

Hernach war in der Bild zu lesen, dass dies wohl die Retourkutsche für Finanzminister Markus Söder sei, der eine Woche zuvor ebenfalls ein Hundefoto gepostet hatte. Er posierte mit seinem neuen Dobermann "Bella". Die Nachfolgedebatte habe sich offenbar in den virtuellen Raum verlagert, folgerte Bild, schließlich habe Ministerpräsident Horst Seehofer die Diskussion offiziell für "eingefroren" erklärt.

Aigner nervt das, so richtig, sie kann es nicht verhehlen. Was sie tut oder sagt, wird daraufhin abgeklopft, ob es als neuerliche Steigerung in der Debatte taugt, wer irgendwann Seehofer beerben könnte. "Das ist echt lästig", sagt sie. Zumal bei ihr die Schamgrenze offenbar noch besteht, die Söder längst überwunden hat. Der hisst Frankenfahnen und verleiht Heimatpreise, gibt den Kini und den Burgherren, fährt Gondel und präsentiert geodätische Referenzpunkte.

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Was für Punkte? Egal, wenn es nur ein Foto bringt. Darüber kann man lachen, das tun auch viele, aber es funktioniert. Kein Minister ist in den Medien präsenter, eine Ministerin schon gar nicht. Was auch daran liegen kann, dass Frauen weniger hemmungslos sind in der Selbstvermarktung. Themenorientierter arbeiteten Frauen, sagt Ilse Aigner, ihnen gehe es oft mehr um die Sache als um die eigene Person. "Das ist für die Profilierung kontraproduktiv", räumt sie ein, ändern will sie daran aber nichts. Frauen sollten sich nicht wie Männer verhalten, findet sie.

Die bisher letzte, die das doch gemacht hat, war die frühere Staatskanzleichefin Christine Haderthauer, deren Machtinstinkt und Selbstbewusstsein ausgeprägter waren als bei manchem Mann. Damit ist sie oft angeeckt, aber auch schnell in den Rang einer Kronprinzessin aufgestiegen und hätte wohl, wäre sie nicht über die Modellbau-Affäre gestolpert, Söder den Ministerpräsident-Posten nicht kampflos überlassen.

Wenn sich Frauen durchsetzen, werde das oft negativ bewertet

Ein Vorbild ist sie für die meisten Damen dennoch nicht. Wenn sich eine Frau durchsetzt, werde das oft negativ bewertet, stellt Gesundheitsministerin Melanie Huml fest. Sie erlebte das, als sie in der CSU gegen einen Mann kandidierte. Bei Männern dagegen gelte Durchsetzungsfähigkeit oder gar ein Führungsanspruch als eine positive Eigenschaft. Ganz ohne geht es aber nicht, sagt Umweltministerin Ulrike Scharf, auch Frauen müssten die Bereitschaft haben, ein wenig zu kämpfen. "Ab einer bestimmten Ebene braucht es schon etwas Testosteron", sagt sie.

Es gebe Leute, die ihr raten, sie solle etwas lauter sein, sagt Ilse Aigner, "aber ich mag den Krawall nicht". Dass sie deswegen manchmal als zu unauffällig gescholten wird, weil ein Firmenbesuch halt nur wenig öffentliche Aufmerksamkeit erzeugt, nimmt sie in Kauf. Sie will thematisch arbeiten, am liebsten im Team. "Frauen werden potenziell unterschätzt", sagt Aigner. Dennoch müssten sie authentisch bleiben. "Sonst hat man schon verloren."

Die Kabarettistin Luise Kinseher ging am Nockherberg hart mit den weiblichen Kabinettsmitgliedern ins Gericht, für keines hatte sie ein lobendes Wort. Aigner, die "Kellerprimel", müsse aufpassen, dass sie nicht noch schneller in der Versenkung verschwinde als Europaministerin Beate Merk. Sozialministerin Emilia Müller nannte sie ein blindes Huhn und Umweltministerin Scharf ein Hendl. Landtagspräsidentin Barbara Stamm kritisierte das, sie fand es ungerecht.

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Freilich müssten auch Politikerinnen einstecken können, das hat sie oft genug selbst erlebt. Dennoch würden Frauen und Männer unterschiedlich behandelt. "Frauen werden kritischer wahrgenommen", sagt sie. Warum, dafür hat sie keine Erklärung. Vielleicht, weil es bei Frauen auf so vieles ankomme, sagt sie, auf die Kleidung, auf die Haare.

Bei Männern sei es egal, wenn sie jeden Tag dieselbe Krawatte tragen, bei Frauen ein Aufreger, wenn sie das falsche Kleid anhaben. Marga Beckstein hatte beinahe eine Staatsaffäre ausgelöst, als sie als Frau des Ministerpräsidenten bei der Eröffnung des Oktoberfests kein Dirndl tragen wollte.

"Ich weiß ja, dass ich nicht herzlos bin"

Was Sozialministerin Emilia Müller anzieht, nimmt vermutlich nicht den allergrößten Raum in ihren Überlegungen ein. "Selbstdarstellung ist nicht mein Hauptfach", sagt sie und das hat sich auch schon mehrmals beobachten lassen. Wie bei ihrem Gespräch mit einem Flüchtling bei der Eröffnung des Bamberger Balkanzentrums. "Sie wissen aber, dass Sie zurück müssen", fragte sie und musste sich danach als herzlos schelten lassen. "Das war einfach Fakt", sagt sie, deswegen habe sie die Kritik nicht besonders getroffen. "Ich weiß ja, dass ich nicht herzlos bin."

Wahrscheinlich sei von einer Frau mehr Empathie erwartet worden, vielleicht liegt es auch am Ressort, ein männlicher Politiker werde für die konsequente Haltung in der Flüchtlingsfrage eher gelobt. Dennoch verweist sie einfach auf ihre mehr als zehn Jahre im Kabinett, wenn sie betonen will, dass sie sich als Frau schon durchsetzen können. "Wenn ich was zu sagen habe, dann tue ich das", sagt sie.

Nur das ganze Gerede um des Redens willen, das lassen viele Frauen offenbar lieber weg. Dabei gibt es schon auch Männer in der Politik, die so sind. Die lieber ihre Arbeit machen statt drüber zu reden. Staatskanzleichef Marcel Huber ist so einer. Den finden alle total gut. Und sehr nett. Deswegen wird der auch nie ernsthaft als Ministerpräsident gehandelt.

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