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Bayreuther Festspiele:Lohengrin-Sänger sagt Auftritt ab - wegen Überlastung

Opernpremiere La Juive

Er hätte ein neuer Typ Lohengrin werden sollen: Roberto Alagna.

(Foto: Florian Peljak)

Etwa dreieinhalb Wochen vor Eröffnung stehen die Wagner-Festspiele ohne Lohengrin da. Die Absage des Tenors Roberto Alagna zeigt, wie gering die Strahlkraft Bayreuths inzwischen geworden ist.

Als im letzten Jahr alles glatt lief, da war das Erstaunen groß, in der Öffentlichkeit, aber auch bei den Bayreuther Festspielen selbst: keine kurzfristigen Absagen, keines der üblichen Zerwürfnisse kurz vor Festspielbeginn. Nun scheint man zur Regel zurückgekehrt zu sein: Dreieinhalb Wochen vor der Eröffnung mit dem "Lohengrin" am 25. Juli hat der Tenor Roberto Alagna die Titelpartie abgesagt. Wegen Überlastung, begründete seine Agentur, habe er sie nicht hinreichend studieren können.

Dass die Sache schiefgehen könnte, hatte sich abgezeichnet. Alagna, in Frankreich aufgewachsener Sohn italienischer Einwanderer, gilt als Mann für das schwerere französische wie italienische Fach. Eine umfangreiche deutsche Partie hat er nie gesungen. Er habe sich gefragt, warum Bayreuth ausgerechnet ihn engagieren wolle, hat er Ende Mai dem Magazin Oper! gesagt, schließlich sei er kein Wagner-Tenor. Er habe gezögert, die Partie anzunehmen, das Problem sei der deutsche Text. Doch Christian Thielemann, der Dirigent der Eröffnungspremiere, hat ihn in mehrfachen Anläufen überzeugt. "Ich glaube, dass sie wohl wirklich einen anderen Typ Lohengrin haben wollten", sagte er dem Magazin.

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Gut möglich, dass Festspielleiterin Katharina Wagner und ihr Musikdirektor Thielemann mit der Besetzung Wagner in Bayreuth einmal anders beleuchten wollte. Schließlich wurde in jüngerer Zeit oft darauf hingewiesen, wie viel Wagner französischen Vorbildern verdankt. Vielleicht sollte es aber auch einfach der große Coup werden, dass ein prominenter Tenor ausgerechnet am Erzort des Wagner-Gesangs mit Wagner debütiert.

Nun sind beide Seiten beschädigt: der Tenor, dessen kurzfristige Absage höchst unprofessionell ist. Sänger studieren ihre Partien normalerweise über Monate und Jahre, bevor sie sie an einem Ort wie Bayreuth singen. Aber auch die Festspiele, bei denen sich in der Reihe der Absagen durchaus ein gewisses Muster abzeichnet. Im Regie- wie im Sängerbereich scheint die Leitung häufig den ganz großen Coup landen zu wollen, der sich in der konkreten Praxis dann kurz vor Toresschluss doch nicht umsetzen lässt.

Eine Besetzung wie die Alagnas sollte wohl auch an Zeiten anschließen, als Festspielleiter Wolfgang Wagner etwa Plácido Domingo für die Titelpartie im "Parsifal" nach Bayreuth locken konnte. Domingo, der in diesem Jahr übrigens als Dirigent der "Walküre" nach Bayreuth zurückkehrt, kämpfte als Sänger zwar ebenfalls mit der deutschen Diktion, sang aber mit umso berückenderem Ton.

Doch viele Sänger unterziehen sich nicht mehr den entsprechenden Mühen, nur um in Bayreuth aufzutreten. Der Mythos Bayreuth hat an Strahlkraft eingebüßt. Auch mit Anna Netrebko war man lange für die Partie der Elsa im diesjährigen "Lohengrin" im Gespräch. Im Gegensatz zu Alagna war Netrebko klug genug, zunächst andernorts einen Probelauf zu wagen. Sie sang die Elsa unter Thielemann in Dresden - und verzweifelte ebenfalls an der Sprache. Mehrere Teleprompter wurden ins Bühnenbild integriert, damit sie den Text ablesen konnte. Danach unterschrieb sie den Vertrag in Bayreuth gar nicht erst. Für Alagna dagegen müssen die Festspiele nun fieberhaft einen Ersatz suchen. Aber zumindest das ist ja inzwischen Routine.

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