Fastnacht in Veitshöchheim Der böse Mann am Klavier

Matthias Walz als verrückter König von Franken bei der Prunksitzung des Fastnacht-Verbandes Franken in Veitshöchheim 2017.

(Foto: Philipp Kimmelzwinger)

Bei der "Fastnacht in Franken" ist Matthias Walz in wenigen Jahren zu einem Star aufgestiegen. Die Show beschert dem BR seit Jahren die höchsten Einschaltquoten - doch für Walz ist das Kabarett nur ein Nebenjob.

Von Uwe Ritzer, Veitshöchheim

Was wohl geworden wäre, hätte ihm der Komiker und TV-Moderator Volker Heißmann nicht die Pointe versaut? Bei "Franken sucht den Supernarr" war das, einer fastnachtlichen Castingshow, die der Bayerische Rundfunk schon nach wenigen Folgen wieder eingestampft hat. Matthias Walz trat dort 2011 an - und fiel krachend durch. "Der Volker nahm den Gag meines Liedes aus Versehen vorweg, als er mich anmoderierte", sagt Walz. Die Luft war raus, das Lied fiel bei der Jury durch. "Das war's dann mit der Fernsehkarriere", habe er gedacht, erzählt Walz, und sich erst einmal ein Bierchen an der Bar der Comödie Fürth gegönnt, wo die Castingshow damals produziert wurde.

Sieben Jahre später sind alle weiland für die "Fastnacht in Franken" gecasteten Supernarren längst vergessen. Der mutmaßlich gescheiterte Walz ist hingegen zu einem der Stars bei der Prunksitzung in Veitshöchheim aufgestiegen, die dem BR seit Jahren die höchsten Einschaltquoten aller dritten Programme beschert. Ein schlanker Typ mit Nerd-Brille und aufgetürmter Rockabilly-Frisur aus dem unterfränkischen Karlstadt am Main, der munter Ohrwürmer aus den Klaviertasten haut und mit satirischen Texten unterlegt.

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Da geht es dann schon mal böse zu. "Einmal möchte ich der Söder sein", reimte er 2016, "ein fränkischer Darth Vader. Skrupellos und hundsgemein, ein echter Übeltäter." Es war der giftigste Pfeil auf einen Politiker an dem Abend. Das Saalpublikum war begeistert; Söder, als Edmund Stoiber kostümiert, lächelte professionell.

Für Matthias Walz, 41 Jahre alt, studierter Informatiker und Physiker von Beruf, sowie Vater von zwei Kindern, ist Satire eben "auch eine Frage von Haltung". Fastnachter und kabarettistische Starkbier-Prediger dürften "ruhig mal schärfer hinlangen", findet er. Wenn er nach Auftritten böse Briefe oder Posts im Internet kassiert, stört ihn das in der Regel nicht. Erstens, weil die Schreiber "oft Leute aus politischen Lagern sind, von denen ich keinen Beifall will". Und zweitens, "weil eine klare Haltung niemals allen Menschen gleichermaßen gefallen kann".

Bei den Machern der Veitshöchheimer Sendung und beim Publikum kommt Walz' hintergründig-scharfer Humor an. Nur fünf Minuten dauerte sein erster Veitshöchheim-Auftritt 2014 und da rockte er bereits Saal und Show. Voriges Jahr war es eine knappe Viertelstunde. In der Rolle als singender Verrückter im Bademantel rief er sich da zum König von Franken aus. Und outete CSU-Einpeitscher Andreas Scheuer als Mitinsassen in der Irrenanstalt, weil der über "fußballspielende, ministrierende Senegalesen" schwadroniert hatte. "Sein Witz ist spitz und scharf, er geht voll drauf, aber nie plump", sagt Bernhard Schlereth, der fränkische Fastnachtspräsident. "Er hat gute Textideen, großes dramaturgisches Gefühl und setzt geschickt Überraschungsmomente."

Schlereth ist, wenn man so will, Walz' Entdecker. Er erlebte den missglückten Casting-Auftritt mit und setzte sich hernach zu ihm an die Bar. Das Gespräch dort verlief in etwa so: Schlereth: Hast du ein Problem, wenn wir dich aus der Supernarr-Sendung schneiden? Walz: Nö, war ja sowieso katastrophal. Schlereth: Ich hätte dich nämlich gerne mit der Nummer in der "Närrischen Weinprobe". Das ist jene BR-Sendung, bei der potenzielle Veitshöchheim-Kandidaten sich erst einmal beweisen müssen. "Ich war mir sicher, dass er sich durchsetzen wird", sagt Schlereth.

Dabei ist Matthias Walz von Haus aus kein Fastnachter. Als Kind lernte er Akkordeon, als Gymnasiast sang er im Vokalensemble auch mal einen Solopart, später schaffte er die Aufnahme auf die Bayerische Singakademie - und sagte ab. "Es war irgendwie nicht die richtige Zeit", sagt er. Dann trällerte und musizierte er Schlager der Fünfziger- und Sechzigerjahre in einer Band, die den hübschen Namen "Fräulein Wunder und ihre Liebhaber" trug. Bei deren Auftritten gab er gerne den Conférencier, der dem Publikum beim Eierlikör-Quiz Fragen zu den Fünfzigern stellte. Die Band löste sich auf, aber Walz wollte nicht mehr runter von der Bühne. "Zehn Jahre lang gärte die Idee eines satirischen Solo-Musikprogramms in mir", sagt er. Dann setzte er sie um und fand in der Karlstadter Karnevalsgesellschaft eine perfekte Plattform.

"Irgendwann in Veitshöchheim aufzutreten, war nie ein Ziel von mir", sagt Walz. Es hat sich unter den geschilderten Umständen einfach ergeben. In der Sendung treten Künstler wie Michl Müller, Volker Heißmann oder Martin Rassau auf, die allein von ihrer Kunst leben. Aber auch andere wie Peter Kuhn oder (mit einer Ausnahme) alle Musiker der "Altneihauser Feierwehrkapell'n", die ihren Lebensunterhalt nicht nur auf der Bühne verdienen. Walz arbeitet noch in einer Nürnberger IT-Firma, doch die Anfragen nach Auftritten häufen sich. Im Laufe des Jahres plant er sein erstes abendfüllendes Programm. Der Schritt, demnächst ganz vom Musikkabarett zu leben, wäre nicht mehr groß. Zumal der BR ihn immer öfter auch jenseits von Veitshöchheim in Sendungen einbaut.

Bei seinem Auftritt an diesem Freitag wird Matthias Walz das von der CSU zum Paradies erklärte Bayern hinterfragen. Dass nicht nur Horst Seehofer und Barbara Stamm, sondern auch andere bayerische Spitzenpolitiker statt in den Mainfrankensälen bei den Groko-Verhandlungen in Berlin sitzen werden, sieht Walz gelassen. "Natürlich ist es schöner, wenn die Adressaten im Saal sitzen", sagt er. "Aber mein Programm funktioniert auch ohne sie."

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