Tag der Restaurierung:Tiefe Einblicke

Tag der Restaurierung: Wie Restauratorinnen Kunstwerke mit modernsten Methoden untersuchen und analysieren, kann man am kommenden Sonntag erleben, wenn Museen und Institutionen ihre Türen öffnen.

Wie Restauratorinnen Kunstwerke mit modernsten Methoden untersuchen und analysieren, kann man am kommenden Sonntag erleben, wenn Museen und Institutionen ihre Türen öffnen.

(Foto: Oliver Tjaden / Verband der Restauratoren)

Wenn der Zahn der Zeit an Kunstwerken und Möbeln, Bauwerken, Fahrzeugen, Textilien und Designobjekten genagt hat, wird es Zeit, dass sie in die guten Hände von Restauratorinnen und Konservatoren kommen. Was dann passiert, zeigt der Tag der Restaurierung , der am Sonntag zum sechsten Mal stattfindet.

Von Evelyn Vogel

Der Zahn der Zeit nagt an jedem Kunstwerk. Da muss sich nicht gleich der Holzwurm durch das antike Möbelstück bohren oder die Motten sich in die wertvollen Gobelins einnisten. Staub und - in früheren Zeiten - Ruß vom Ofen und der Kerzenbeleuchtung trüben mit der Zeit die schönsten Farben von Gemälden, wenn sie sich wie eine Firnisschicht über die Leinwand legen. Aber auch zu viel Licht oder zu geringe Luftfeuchtigkeit setzen Holztafeln, Möbelstücken oder auch frühen Kunststoffen gehörig zu. Und schließlich: Wenn Kunst und Antiquitäten nicht im Depot vor sich hindümpeln, sondern ausgestellt oder ausgeliehen werden, kann es zu Beschädigungen kommen.

Wie Restauratorinnen und Restauratoren diesen Werken mit Hilfe modernster technischer Methoden und fachkundiger, oft Jahrhunderte alter Handarbeit zu alter Leuchtkraft und neuer Frische verhelfen, das steht im Mittelpunkt des 6. Europäischen Tags der Restaurierung, der in diesem Jahr am 15. Oktober stattfindet. Das Motto lautet diesmal: "In guten Händen". Dort kann man nicht nur in Vorträgen theoretisches Wissen erhalten, man kann auch den Fachleuten bei der Arbeit zusehen und erfahren, was eine gute Konservierung und Restaurierung ist oder wie man Restauratorin oder Restaurator wird.

Etwas Spezielles bietet das Bauernmuseum Bamberger Land in Frensdorf. Unter dem Titel "Einfach Spitze!" werden Bayreuther Hauben - gestickt, geklöppelt, plissiert - vorgestellt. Und wer mag, kann seine Fingerfertigkeit selbst an Klöppelkissen und Stickrahmen ausprobieren. Die Kunstsammlungen der Veste Coburg stellen ein aktuelles Forschungsprojekt vor, bei dem es um den Einsatz von Salz geht. Das kommt nämlich nicht nur in die Suppe, es wird auch für den Erhalt von historischem Kulturgut genutzt. An originalen Kunstwerken zeigen die Restauratoren dort, wie diese in Museumsvitrinen mit Hilfe gesättigter Salzlösungen geschützt werden.

Wer sich für Oldtimer interessiert, der ist in der historischen Fahrzeugsammlung von Ingolstadt richtig, die zum ersten Mal beim Tag der Restaurierung mitmacht. Nicht nur dürfen Besucherinnen und Besucher in einem echten Oldtimerbus mitfahren, Experten erklären auch, wie diese restauriert wurden. Auch das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg lädt ein, am Tag der Restaurierung hinter die Kulissen seiner Werkstätten für Kunsttechnik und Konservierung zu blicken. Außerdem gibt es eine Führung durch das neue Tiefdepot.

Tag der Restaurierung: Der 6. Europäische Tag der Restaurierung steht unter dem Motto "In guten Händen".

Der 6. Europäische Tag der Restaurierung steht unter dem Motto "In guten Händen".

(Foto: Oliver Tjaden / Verband der Restauratoren)

In München machen gleich mehrere Institutionen mit. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege lädt zu Führungen durch die Restaurierungswerkstätten der Bau- und Kunstdenkmalpflege sowie der Bodendenkmalpflege in der Alten Münze ein. Eigentümer von Denkmälern können sich zudem beraten lassen. Das Bayerische Nationalmuseum bietet ebenso Führungen durch die Werkstätten an wie das Hauptstaatsarchiv und das Sudetendeutsche Museum, das in diesem Jahr erstmals am Tag der Restaurierung teilnimmt.

Das Doerner Institut, das die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen betreut, gewährt Einblicke in seine Ateliers, die wegen der Sanierung der Neuen Pinakothek nun in der Alten Pinakothek und der Pinakothek der Moderne zu finden sind. Die RSP bei Brunnthal bietet neben Führungen und Vorträgen auch ein Kinderprogramm an, bei dem es ums Schreinern und Vergolden geht. Und im Atelier von Ralf Persaú in der Blutenburgstraße dreht sich alles um das Kulturerbe in der Klimakrise - also ein hoch aktuelles Thema.

Europäischer Tag der Restaurierung, 15. Okt., alle teilnehmenden Institutionen in Bayern sind zu finden unter tag-der-restaurierung.de

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