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Studieren in Bayern:Uni Eichstätt: Mit dem Professor an der Supermarkt-Kasse

Katholische Universität in Eichstätt, 2016

Die ehemalige fürstbischöfliche Sommerresidenz beherbergt heute unter anderem die Hochschulleitung sowie die Universitätsverwaltung der Uni Eichstätt.

(Foto: Johannes Simon)

Die Bedingungen an der Uni Eichstätt sind familiär, das Betreuungsverhältnis ist eng - längst nicht nur für katholische Theologen.

Von Martin Moser

Wenn die Regionalbahn an der Haltestelle "Eichstätt Bahnhof" bremst, kommen die ersten Zweifel: Hier soll es eine Uni geben? Dann ein großer Schritt auf den Bahnsteig. Gegenüber türmt sich eine Felswand auf, dazu viel Gebüsch und ein Bahnhofshäuschen, von dem der Putz bröckelt. Hunderte Studenten kommen jedes Jahr an dieser Station mitten in der Wildnis an, wenn sie zum Semesterbeginn wieder an ihre Uni nach Eichstätt fahren.

Von der Haltestelle der Regionalbahnen geht es mit einem kleineren Zug noch ein Stück weiter: ein Tal entlang, in dem die Altmühl gemächlich vor sich hin fließt. Die Strecke führt vorbei an der örtlichen Brauerei und der Willibaldsburg, bis schließlich die vielen Kirchtürme und die barocken Häuser der Stadt auftauchen. Hier liegt der Campus der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). 5426 Studierende waren zum vergangenen Wintersemester hier eingeschrieben, die höchste Zahl seit der Gründung im Jahr 1980. Und trotzdem bleibt die KU damit die kleinste Universität in Bayern.

Dabei bietet die KU immerhin 18 Bachelor-und 15 Masterstudiengänge an und ist außerdem die einzige katholische Universität im deutschsprachigen Raum. "Ach, bei Ihnen kann man mehr als Theologie studieren?" So beschreibt Uni-Sprecher Constantin Schulte Strathaus die Standardfrage bei Infoveranstaltungen. Man kann. Das Studienangebot hat einen starken geisteswissenschaftlichen Schwerpunkt. Medizin, Jura oder klassische Ingenieurswissenschaften sucht man dagegen vergeblich.

Regelmäßig gut bewertet werden die Studiengänge der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (WFI) in Ingolstadt, dem zweiten Standort der KU. Das Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung bescheinigt etwa, das Studium an der WFI bereite hervorragend auf eine wirtschaftliche wie wissenschaftliche Karriere vor. Gelobt wird auch der Bachelor-Studiengang Geographie am Standort Eichstätt, weil man sich hier beispielsweise auf die Schwerpunkte "Freizeit, Tourismus und Umwelt", "Physische Geographie" sowie "Allgemeine Geographie" spezialisieren kann. Zudem gebe es viele Exkursionen und eine gute technische Ausstattung.

Eine weitere Besonderheit der Eichstätter Uni ist der Bachelor in Journalistik. Zum einen gibt es das Fach als solches nur an einer Handvoll anderer Universitäten in Deutschland. Zum anderen ist der Studiengang sehr praxisorientiert: Es gibt ein eigenes Fernsehstudio, ein Ausbildungszentrum für crossmedialen Journalismus und ein Hörfunkstudio, aus dem die Studierenden ihr eigenes Radioprogramm senden.

Mit der Bologna-Reform sind auch an der KU viele sehr spezifische Studiengänge entstanden, die aber den klassischen Fächerkanon nicht mehr abdecken. Dem will die Uni nun ihren flexiblen Bachelorstudiengang entgegensetzen, der ähnlich wie die alten Magisterstudiengänge funktioniert: Studierende sind nicht mehr auf ein einzelnes Fach festgelegt, sondern können sich aus fast 30 Studiengängen ein Haupt- sowie ein oder mehrere Nebenfächer auswählen und darin einen Bachelor und später einen Masterabschluss machen.

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