Duell um Seehofer-Nachfolge:Endlich ein offener Wettstreit in der CSU

Spiegelung - CSU

Bäume spiegeln sich vor einem Aussteller der CSU im Fenster des Bayerischen Landtages in München

(Foto: picture alliance / dpa)

Alles ist besser als die derzeitigen Scharmützel: Indem Innenminister Joachim Herrmann gegen Finanzminister Markus Söder antritt, hat die Partei jetzt sogar die Chance zur Befriedung.

Kommentar von Wolfgang Wittl

Widersprüchlichkeit hat die CSU schon immer ausgezeichnet, sie war seit jeher Teil ihres Erfolgsgeheimnisses. Kaum eine andere Partei vermag gleichzeitig so energisch für und gegen ein und dieselbe Sache zu sein - und damit auch noch gut durchkommen. Dieses Motto spiegelt sich trefflich in einem Bonmot, das CSU-Politiker gerne zitieren: Die Opposition, die brauche es gar nicht; die Aufgabe erledige man selbst gleich mit. Doch selten hat sich die CSU in ihrer Doppelbödigkeit so übertroffen wie jetzt.

Ein geheimes Treffen von Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann erschüttert die Landtagsfraktion, und dort vor allem jene, die auf Finanzminister Markus Söder setzen. Alle, die nun Skandal rufen, sollten daran denken, wie sie neulich gejubelt haben, als Seehofer in der Staatskanzlei zu einem anderem Geheimtreffen bat: mit Söder.

Natürlich hat es Wirkung, wenn mit Seehofer und Herrmann auch die Söder-Skeptiker Ilse Aigner, Alexander Dobrindt und Manfred Weber am Tisch Platz nehmen. Herrmann muss büßen, dass das Treffen bekannt geworden ist. Dabei weiß in der CSU jeder, dass Söder nicht nur Unterstützer hat, sondern auch Gegner. Und die sollen sich nicht beraten?

Eine Abstimmung kann die Partei befrieden, anders als Scharmützel

Auch Markus Söder trifft sich mit seinen Getreuen. Auch er entwickelt Strategien, wie er Rivalen ausbooten kann. Alles andere zu glauben, wäre naiv. Dass darüber nichts nach außen dringt, bedeutet nur, dass Söders Leute Geheimnisse für sich behalten können.

Von einem Komplott Seehofers und Herrmanns ist in der CSU nun die Rede, manch einer raunt gar von Verrat. Da wüsste man gerne: Verrat woran? Verrat an wem? Abgeordnete werfen Herrmann vor, er hätte der Fraktion sagen müssen, dass er Ministerpräsident werden wolle. Nur: Nicht einmal Söder hat das getan - übrigens mit dem gleichen Argument wie Herrmann. Auch er wartet, bis Horst Seehofer sich zu seiner Zukunft äußert. Einzig mit Bierzelt-Witzchen und seinem unverhohlenen Ehrgeiz hat Söder seine Ambitionen bislang erkennen lassen. Offiziell gibt es dazu keinen Satz von ihm.

Die CSU sucht ihren Favoriten für das wichtigste Amt im Land. Noch mehr sucht sie ihre Geschlossenheit. Die Partei ist in zwei Lager zerfallen - nicht inhaltlich, sondern wegen einer Person: auf der einen Seite entschlossene Söder-Fans, auf der anderen entschiedene Söder-Gegner. Was spricht da gegen einen offenen Wettstreit zwischen den beiden stärksten Ministern? Er wird die CSU mehr befrieden als weitere verdeckte Scharmützel. Denn die Verlierer einer Wahl werden sich fügen müssen.

Wer sich nun aber über ein Geheimtreffen beschwert, sollte sich an die ruppigen vergangenen Wochen erinnern. Auch Söders Anhänger werden dann zu dem Schluss kommen, dass sie in der Stilfrage sicher schlecht abschneiden. Wenn der Mitbewerber Herrmann jetzt zum Halunken abgestempelt werden soll, dann zeugt das entweder von schlechten Nerven oder von mangelndem Demokratieverständnis.

© SZ vom 01.12.2017/mmo
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