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Doppelmord in Oberbayern:Überlebendes Opfer von Königsdorf wurde schwer misshandelt

Zwei Tote bei Gewaltverbrechen in Oberbayern

Großeinsatz in Höfen: Polizeiautos stehen am Sonntag vor dem Haus in Oberbayern. Die Suche nach dem oder den Tätern läuft.

(Foto: dpa)
  • Die Mörder von Königsdorf haben ihren Opfern "massive Gewalt" angetan, berichtet die Polizei. Die Täter sind noch auf der Flucht.
  • Die 76-jährige Besitzerin des Hauses, in dem die Tat verübt wurde, ist außer Lebengefahr.
  • Getötet wurden eine 75-jährige Frau und ein 81-jähriger Mann, wohl ein Bekannter der Hausbesitzerin.

Von Claudia Koestler und Johann Osel, Königsdorf

Die Täter, die in Höfen bei Königsdorf im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zwei Menschen getötet und eine Frau schwerst verletzt haben, sind nach wie vor auf der Flucht. Die Suche nach ihnen läuft auf Hochtouren. Am Montag wurden bei einer Pressekonferenz in Weilheim erste Erkenntnisse, auch der Obduktion, bekanntgegeben. Schon erste Details ließen einen Raubmord wahrscheinlicher klingen als ein Familiendrama - und zeichneten zudem eine Tat von großer Brutalität ab. Nun ist klar: Das Verbrechen dürfte bereits einige Tage zurückliegen.

Die Opfer lagen also länger unentdeckt in dem Einfamilienhaus, ehe ein Bekannter der Hauseigentümerin die Polizei alarmierte - weil etwas "nicht stimme". Eine Streife hatte dann am Samstagabend an dem Einfamilienhaus Einbruchsspuren entdeckt. Als sich die Beamten im Haus umsahen, fanden sie die zwei Leichen und die schwer verletzte Frau. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt wegen zweifachen Mordes in Tateinheit mit versuchtem Mord.

Bei den Getöteten handele es sich um eine 76-jährige Frau und einen 81-jährigen Mann, Bekannte des dritten Opfers. Die Frau, die das Verbrechen schwerst verletzt überlebt hat, ist nach Angaben der Polizei die Besitzerin des Hauses. Die 76-jährige Witwe schwebt den Angaben zufolge derzeit nicht mehr in akuter Lebensgefahr. Ihr Zustand schwanke allerdings. Offenbar war sie körperlich misshandelt worden: "Die physischen und psychischen Belastungen, denen sie ausgesetzt war, waren enorm", sagte ein Polizeisprecher. Es werde wohl noch Tage dauern, bis sie vernommen werden könne.

Ihre beiden Bekannten aus Nordrhein-Westfalen und aus dem Raum Frankfurt sollen zu Besuch gewesen sein, schon seit ein paar Tagen offenbar. Den Tatzeitraum konnten die Ermittler inzwischen näher eingrenzen: Den letzten sozialen Kontakt habe die Hausbesitzerin Mitte der vergangenen Woche gehabt. Als sie am Samstagabend gefunden wurden, sollen die zwei Menschen mindestens 24 Stunden tot gewesen sein. Genauere Ergebnisse der Obduktion liegen bis dato nicht vor. Was man weiß: Der Tod kam durch stumpfe Gewalteinwirkung, durch brachiale Schläge auf den Körper. Angaben zur Tatwaffe machte die Polizei nicht.

"Wir haben es mit einer überaus schockierenden und brutalen Tat zu tun, wie es sich so - zumindest in jüngster Zeit - in dieser Region nicht ereignet hat", sagte Robert Kopp, Präsident des zuständigen Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Die Tat stelle sich den Ermittlern momentan als Raubmord dar. Vom Tathergang zunächst ein klassischer Einbruch, hieß es - der anscheinend außer Kontrolle geraten ist. Ob etwas aus dem Haus gestohlen wurde, stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher.

Dass Einbrecher überhaupt in direkten Kontakt mit ihren Opfern kommen, ist eher selten. Innenminister Joachim Herrmann sagte am Montag, dass dieses Verhalten untypisch für Einbrecher sei und dass die Gewalt bei Einbrüchen nicht gestiegen sei. "Einbrecher gehen in der Regel den Weg des geringsten Widerstands ", heißt es auch aus der Präventionsabteilung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Das bedeutet, dass einerseits Alarmvorrichtungen oder gesicherte Türen und Fenster Einbrecher abschrecken; andererseits, dass Täter bei erkennbaren Bewohnern im Haus erst gar nicht einsteigen.

"Länger als drei Minuten hält sich keiner auf an einem Haus. Und wenn jemand zu Hause ist, noch kürzer", so besagen es die Erfahrungen der Ermittler und auch kriminologische Statistiken. Eine Statistik eben, im schrecklichen Einzelfall hinfällig. Präventionsarbeiter der Polizei veranstalten übrigens auch Trainings mit Bürgern, wie man sich verhält, wenn Einbrecher im Haus sind. "Keinesfalls verstecken. Die Polizei rufen und Lärm schlagen. Das setzt die Täter unter Druck." Wie es in Königsdorf abgelaufen ist, wird zu rekonstruieren versucht.

Um die Täter zu finden, wurde am Montag die extra eingerichtete Sonderkommission "Höfen" auf 42 Mitglieder erweitert, am Dienstag sollen weitere zehn Beamte dazukommen. Die Spurensuche in dem Einfamilienhaus geht derweil unvermindert weiter: "Sie müssen Zimmer für Zimmer durchgehen. Bis hier Ergebnisse zu erwarten sind, wird es noch dauern", hieß es. Es handele sich nicht nur um einen "sehr komplexen Sachverhalt, sondern auch einen sehr komplexen Tatort". Drei Geschosse, ein großer Umgriff - entsprechend viele Leute sind nötig, um Spuren zu sichern.

Zusätzlich wurden sogenannte Profiler hinzugerufen, die derzeit am Tatort ermitteln, um ein klares Bild von den Geschehnissen und von dem oder den Tätern zu erlangen. Aus der Bevölkerung seien etliche Hinweise eingegangen, nicht nur von Nachbarn, sondern auch aus dem weiteren Umfeld Königsdorfs. Von denen seien einige "vielversprechend", sagte der Sprecher. Allerdings hätten sich im Verlauf der Befragung "zwei bis drei spezielle Nachfragen" ergeben, die nun geklärt werden müssten. Zum Profil der Täter konnte die Polizei noch keine konkreten Angaben machen; relativ sicher scheint es aber zu sein, dass es mehrere Personen gewesen sein müssen.

© SZ vom 28.02.2017/sim/infu
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