CSU Selbst im tiefschwarzen Stammland dringt die CSU nicht mehr durch

CSU-Chef Horst Seehofer will kurz vor der Bundestagswahl noch Botschaften setzen.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)
  • Die jüngste Umfrage sagt der CSU für die Bundestagswahl ein Ergebnis von 47 Prozent voraus. Das beruhigt aber vorerst nicht.
  • Zu präsent ist der Partei noch die Landtagswahl 2008. Damals stand die Partei Umfragen zufolge vor der absoluten Mehrheit, brach dann aber dramatisch ein.
  • Kurz vor der Wahl ist Parteichef Horst Seehofer in Sorge, dass Wähler am rechten Rand zur AfD abwandern könnten.
Von Wolfgang Wittl

Die Einladung hat etwas Heimeliges: "Auf eine Tasse Kaffee mit dem CSU-Vorsitzenden", unter diesem Motto bittet die CSU am Donnerstag kurzfristig zu einem Pressegespräch mit Horst Seehofer. Doch so gemütlich der Termin klingt - von behaglicher Kaffeehaus-Atmosphäre ist derzeit wenig zu spüren.

Die AfD macht der CSU zu schaffen, seit Wochen legt sie in Bayern zu. In drei Tagen wird der Bundestag gewählt, Seehofer möchte noch einmal Botschaften setzen. Kurz vor dem Kaffeetrinken hat er sich auf Facebook bereits den Fragen von Bürgern gestellt, auch das ein auf die Schnelle anberaumter Auftritt. Dreimal hat er eine Garantie ausgesprochen, dass er eine Obergrenze von 200 000 Flüchtlingen im Jahr durchsetzen wird.

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Die neueste Umfrage prognostiziert der CSU ein vermeintlich gutes Ergebnis. Beruhigende 47 Prozent bescheinigt ihr am Donnerstag das Institut GMS im Auftrag von "17:30 SAT.1 Bayern". Er sei "hocherfreut", sagt Seehofer, interne Umfragen sähen noch besser aus. Die AfD käme auf neun Prozent. Damit wäre sie zwar drittstärkste Kraft in Bayern, läge aber immer noch im einstelligen Bereich.

Mit diesem Ergebnis wäre in der CSU wohl jeder einverstanden, doch auf Umfragen will sich in der Partei keiner mehr verlassen. "Die Wahl ist völlig offen", sagt der Parteichef. Kurz vor der Landtagswahl 2008 stand die CSU laut Vorhersagen vor der absoluten Mehrheit, es folgte ein dramatischer Einbruch, die Alleinregierung war dahin. Seitdem achtet die ohnehin stimmungsgeprägte CSU noch mehr auf Stimmungen. Nur: Die Berichte von der Wahlkampffront könnten besser sein.

Martin Kaltenhauser-Barth ist einer derjenigen, der für die CSU von Haustür zu Haustür zieht. 150 Besuche hat er absolviert, er sagt: "Seit zwei, drei Wochen merkt man, dass die Bürger beim Thema Flüchtlinge sehr verunsichert sind." Mit Bürger meint er klassisches CSU-Klientel.

Kaltenhauser-Barth, 56, Wirtschaftsingenieur, ist das, was man in Bayern ein gestandenes Mannsbild nennt. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist er Mitglied in der CSU, er wohnt in Rott, Oberbayern, wo Franz Josef Strauß seine letzte Ruhestätte hat. Doch selbst hier, im tiefschwarzen Stammland, "dringt man bei vielen nicht mehr argumentativ durch".

Seehofer ist überzeugt, die Obergrenze durchzusetzen

Zwei Dinge bekommt Kaltenhauser-Barth an den Haustüren immer wieder zu hören: Erstens, der unkontrollierte Zuzug von Flüchtlingen, "das hätte besser organisiert werden müssen". Zweitens, sexuelle Übergriffe von Asylbewerbern, "das treibt die Leute um". Ein klares Wort von Kanzlerin Angela Merkel hätte geholfen, findet Kaltenhauser-Barth, "dann wäre die politische Diskussion jetzt eine andere". Wie viele in der CSU fürchtet er, dass die AfD am Wahltag deutlich besser abschneidet als in Umfragen.

Klare Worte von der Kanzlerin? "Mir reicht das, was ich an Signalen habe", sagt Seehofer. Zuletzt hat Merkel in einem Interview auf die Frage nach einer Obergrenze gesagt, sie und Seehofer hätten noch immer eine Lösung gefunden. Der CSU-Chef interpretiert das als stille Zustimmung, er zeigt sich überzeugt, dass er die Obergrenze durchsetzen wird. Das ist ein zentraler Punkt für die letzten Wahlkampftage in Bayern.

Denn auch das sagt die Umfrage: 61 Prozent der Wähler sind der Ansicht, in der Flüchtlingspolitik habe die CSU zugunsten der CDU auf wichtige Forderungen verzichtet. Dieser Meinung stimmten 91 Prozent der AfD-Wähler und 52 Prozent der CSU-Wähler zu. Trotzdem wünschen sich 88 Prozent der CSU-Anhänger Merkel als Bundeskanzlerin. An diesem Freitag kommt die Kanzlerin zur Abschlusskundgebung nach München.

Eines ist Seehofer am Donnerstag besonders wichtig: Schon jetzt verteidigt er die Wahlkampfführung seiner Partei - und damit seine eigene. "Wie immer es ausgeht: Ich werde am Sonntag sagen können, es war von der Organisation, Umsetzung, Finanzen und vom Zusammenhalt eine hervorragende Geschichte." Generalsekretär Andreas Scheuer spricht vom Endspurt, jetzt beginne das "Finale dahoam". Doch das ging im Fußball bekanntlich nicht gut aus für die Bayern.

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