CSU Guttenberg watscht Söder mit der Bratpfanne ab

Karl-Theodor zu Guttenberg bei einem Auftritt für die CSU - auf dem Gillamoos Volksfest im vergangenen Jahr.

(Foto: Getty Images)

Die ehemalige CSU-Lichtgestalt attackiert den bayerischen Ministerpräsidenten in einem Interview und stellt dessen Eignung als Parteichef infrage.

Von Sebastian Beck und Lisa Schnell

Am Montag sah es in der Sitzung des CSU-Vorstands noch so aus, als ob die Partei eine Woche vor Weihnachten in die Glühweinseligkeit wegdämmern würde. Einstimmig hatte der Vorstand Markus Söder als Kandidaten für den Parteivorsitz nominiert. Der scheidende Chef Horst Seehofer versprach, er werde auf dem Parteitag am 19. Januar keine "besserwisserische Einlassung" geben. Söder kündigte an, die CSU werde künftig auch bei "intellektuellen Debatten eine stärkere Prägekraft" entwickeln. Am Dienstag und Mittwoch dann platzierte Karl-Theodor zu Guttenberg in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Kleinen Zeitung in Österreich Interviews, die schwer an Bud-Spencer-Filme erinnern, bei denen der Filmheld mit der Bratpfanne Watschn austeilte.

Guttenbergs Äußerungen über Söder sind so voller Gehässigkeit, um nicht zu sagen Verachtung, als stammten sie von SPD und Grünen - und nicht von der CSU-Lichtgestalt Guttenberg, der gelegentlich einfliegt, um der Partei mit einer Rede über ganz große Dinge etwas Weltläufigkeit zu verleihen. Der Grundtenor der Interviews lautet, dass Söder als Parteivorsitzender in jeder Hinsicht völlig ungeeignet sei. Aus Sicht des Transatlantikers Guttenberg ist er eine provinzielle Figur, dem es an vielem mangelt. Das liest sich dann so: "Es reicht nicht aus, etwa beim Thema Migration mit einer plumpen Rhetorik zu arbeiten, ein neuer Vorsitzender muss auch die nationale und internationale Dimension des Themas verkörpern." In diesem Stil geht es weiter.

Empathie sei in den vergangenen 20 Jahren nicht gerade das herausragendste Wesensmerkmal Söders gewesen. Ihm mangele es an Kompetenz in der Außen- und Sicherheitspolitik, in den großen europäischen Hauptstädten habe Söder sich "nicht gerade große Präsenz erarbeitet". Wenn sich das nicht ändere, drohe der Partei die Regionalisierung. Ein fairer Wettbewerb um die Parteispitze, ätzt Guttenberg, "das würde auch der CSU guttun". Dafür aber scheint es in der CSU längst zu spät zu sein, zumal sich der Vorstand am Montag hinter Söder stellte. Eigene Ambitionen auf ein Comeback schloss Guttenberg abermals aus, wenngleich man nach seinen raren Auftritten der Meinung sein könnte, dass er sich selbst vielleicht nicht für eine Lichtgestalt, so jedoch zumindest für eine ganz große Leuchte hält. Also für einen, der alles könnte, wenn er bloß wollte - auch Jahre nach der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit.

Mit seiner Kritik trifft Guttenberg aber durchaus den wunden Punkt der Partei. Eine halbwegs offene und ehrliche Aufarbeitung des Desasters bei der Landtagswahl hat es in der CSU bis heute nicht gegeben. Dass Ministerpräsident Söder nach einem historisch schlechten Ergebnis künftig auch noch die Partei führen soll, kann man als ironische Pointe sehen. Eine langfristige Strategie geschweige denn eine Vision für Bayern sind in der Koalitionsregierung mit den Freien Wählern nur schwer zu erkennen. Auch bundes- und europapolitisch ist Söder bisher nicht aufgefallen.

Guttenberg formulierte es für die Kleine Zeitung gönnerhaft so: "Das intellektuelle und internationale Format eines Franz Josef Strauß oder eines Theo Waigel erreicht Markus Söder noch nicht." Für Guttenberg dürften die Zeiten als smarter Oberchecker der CSU mit Residenz in Florida jetzt erst einmal vorbei sein. Auch wenn ihm einige in der Partei vielleicht inhaltlich recht geben, die drastische Form der Attacke wird eher Söder nutzen. Seinen potenziellen Rivalen hatte Söder bisher gerne mit Ironie bedacht: "Ich habe meinen Doktor gemacht. Und behalten."

Söder schweigt bisher zur Bratpfannen-Attacke, deshalb gibt Hans-Peter Friedrich, CSU-Bezirkschef in Guttenbergs oberfränkischer Heimat, den offiziellen Ton vor: "Ich freue mich immer, wenn der KT sich zur CSU bekennt, aber die CSU lässt sich nicht auseinanderdividieren, und schon gar nicht jetzt vor Weihnachten." Und weiter teilt Friedrich mit: "Schon jetzt zu Beginn seiner Amtszeit als MP hat Söder ein politisches Format, das manchen seiner MP-Kollegen weit überstrahlt." Wen er damit meint, das verrät Friedrich aber nicht.

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