CSU Ein Wahl-Szenario wie aus einem Roland-Emmerich-Film

Bei der Landtagswahl könnte die CSU ein historisch schlechtes Ergebnis einfahren.

(Foto: dpa)

Behalten die Umfragen recht, rast eine Katastrophe auf die CSU zu. Das ist schmerzhaft, weil die AfD wohl profitieren würde.

Kommentar von Sebastian Beck

Auch den treuesten CSU-Anhängern schwant inzwischen, dass vor der Landtagswahl etwas sehr Großes und Dunkles auf die Partei zurast, das an Szenen aus Roland-Emmerich-Filmen erinnert: Die Staatskanzlei wird zwar nicht im Meer versinken, auch die Landung von Außerirdischen im Hofgarten ist unwahrscheinlich. Wenn es aber bei den Umfrage-Ergebnissen bleibt, dann kommt auf die CSU eine historische Wahlniederlage zu. Das wäre verschmerzbar, wenn nicht vor allem die AfD davon profitieren würde. Zu verdanken hat die CSU den Trend größtenteils ihrem Führungsduo Horst Seehofer und Markus Söder. Im Vergleich zu ihnen wirken die glücklosen Stoiber-Nachlassverwalter Erwin Huber (Parteivorsitz) und Günther Beckstein (Ministerpräsident) aus dem Jahr 2008 noch geradezu charismatisch.

Seehofer und Söder ist es gelungen, in kürzester Zeit das Vertrauen der Wähler zu verspielen. Damit haben sie nicht nur sich selbst geschadet, sondern auch der Demokratie. Söder, der ewige Scharfmacher und Polarisierer, suggeriert neuerdings, er habe mit einem gewissen Herrn Seehofer - oder wie der gleich wieder heißt - in Berlin nie etwas zu tun gehabt. Am Mittwoch baute er sich in Kirchdorf vor den Kameras an der Grenze zu Österreich auf und sagte: "Damit setzen wir einfach ein großes Signal." Söder meinte damit die bayerischen Polizisten, die in seinem Auftrag Handlanger der Bundespolizei spielen müssen. Man darf sarkastisch hinzufügen: Das wird die internationale Schleuserszene sicherlich in Angst und Schrecken versetzen.

Es zeigt sich einmal mehr, dass Söder Politik als Show versteht. Die Wähler aber kann man mit einer bayerischen Grenzpolizei und anderen PR-Aktionen nicht für dumm verkaufen. Wenn Söder so weitermacht - und dafür spricht vieles -, dann braucht es keine Amtszeitbegrenzung, wie er sie gönnerhaft vorschlug. Dann wird er in die bayerische Geschichte eingehen als Ministerpräsident, dessen Amtszeit noch kürzer war als die von Beckstein - und der brachte es gerade einmal auf zwölf Monate.

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