Bayerntrend-Umfrage 38 Prozent: CSU stürzt auf historischen Tiefstand

Ministerpräsident Markus Söder.

(Foto: dpa)
  • Im aktuellen Bayerntrend des Politikmagazins Kontrovers kommt die CSU auf 38 Prozent - das ist der schlechteste Wert seit der ersten Erhebung vor 20 Jahren.
  • Wäre am Sonntag Landtagswahl, kämen die Grünen auf 16 Prozent - sie wären damit zweitstärkste Kraft vor der SPD.
  • Unter den Spitzenkandidaten aller Parteien schneidet Ministerpräsident Markus Söder am schlechtesten ab
Von Lisa Schnell und Wolfgang Wittl

Drei Monate vor der Landtagswahl geht die CSU mit einem historisch schlechten Umfragewert in die Sommerpause. Die Regierungspartei kommt im neuen Bayerntrend auf nur noch 38 Prozent, das sind drei Prozentpunkte weniger als im Mai und ist das schlechteste Ergebnis überhaupt seit der ersten Erhebung vor 20 Jahren. Von der Schwäche der CSU profitieren vor allem Grüne und Freie Wähler, sie legen um jeweils zwei Prozentpunkte auf 16 und neun Prozent zu. Die Grünen wären damit zweitstärkste Kraft, würde am kommenden Sonntag in Bayern gewählt.

Die SPD hat ihre Talfahrt offenbar beendet, sie verbessert sich leicht auf 13 Prozent. Die AfD liegt unverändert bei zwölf Prozent. Die FDP müsste mit fünf Prozent um die Rückkehr in den Landtag bangen, die Linke darf mit vier Prozent auf den erstmaligen Einzug ins Maximilianeum hoffen. Der Bayerntrend wird von den Parteien in Bayern immer mit großer Spannung erwartet. Die repräsentative Umfrage, die vom Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap im Auftrag des BR-Politikmagazins "Kontrovers" erstellt wird, gilt als besonders aussagekräftig.

Die CSU muss mitunter dramatische Einbußen zur Kenntnis nehmen. Nur noch die Hälfte der befragten Bayern zeigt sich mit der Arbeit der Staatsregierung zufrieden, das sind 20 Prozentpunkte weniger als im Mai. Auch die persönlichen Werte von Ministerpräsident Markus Söder sinken erheblich. Nur noch 44 Prozent halten ihn drei Monate nach seiner Amtsübernahme für einen guten Regierungschef, ein Minus von zwölf Prozentpunkten. 38 Prozent hingegen bewerten Söders Arbeit skeptisch, eine Zunahme von 18 Prozentpunkten. Immerhin: Seine Zustimmung in der CSU bleibt stabil.

Unter den Spitzenkandidaten aller Parteien schneidet Söder am schlechtesten ab. In der Schulnotenskala von eins bis sechs erzielt er nur eine 3,4, im Mai war es eine 2,8 gewesen. Natascha Kohnen (SPD), Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Katharina Schulze (jeweils 3,2) sowie Ludwig Hartmann (beide Grüne, 3,3) stehen jedoch nur unwesentlich besser da. Seine im Bayerntrend bislang schlechteste Note erhält CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer (3,9). Ein wesentlicher Grund für die Unzufriedenheit mit der CSU und ihrem Spitzenpersonal ist im unionsinternen Asylstreit zu finden. 78 Prozent der Befragten sind der Meinung, der Konflikt habe der CSU geschadet - selbst 68 Prozent der eigenen Anhänger sind dieser Auffassung. Nur 26 Prozent finden, der Streit habe sich für die CSU gelohnt.

Für Söder kommen die unerfreulichen Werte offenbar nicht unerwartet. "Die Stimmungsdelle war nach den letzten Wochen leider erwartbar. Streit nützt nie", sagte er am Mittwoch der SZ: "Wir haben aber verstanden." Söder hat seinen Ton in der Asylpolitik seit einer Woche deutlich verändert, Worte wie "Asyltourismus" wolle er nun nicht mehr verwenden. Seine Strategie bis zur Wahl am 14. Oktober: "Wir setzen auf Landespolitik pur."

Auch die Grünen zeigen sich von der Umfrage nicht überrascht: Die Menschen in Bayern wünschten sich "Verlässlichkeit und Standhaftigkeit - eine Politik, die Mut gibt, statt Angst zu schüren", sagt ihr Spitzenkandidat Ludwig Hartmann. Die Grünen stünden "für Menschlichkeit und gegen rassistische Hetze" sowie für den "Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen und gegen die Zerstörung unserer Natur". Das mache seine Partei auch attraktiv für wertkonservative Wähler, "die der CSU auf ihrem Marsch nach Rechtsaußen nicht mehr folgen können", sagt Hartmann.

Tatsächlich wünschen sich 42 Prozent der Bayern eine Regierung aus CSU und Grünen, besser schneidet nur ein Bündnis aus CSU und Freien Wählern (43) ab. Eine Zahl, die Hubert Aiwanger hoffen lässt, "dass Bayern ab Herbst bürgernäher regiert werden kann" - am besten mit Aiwangers Freien Wählern. Mit den neun Prozent für seine Partei zeigt sich der FW-Chef "sehr zufrieden, wir legen erfahrungsgemäß in den letzten Wochen immer noch zu". Bitter für die CSU: Nur 31 Prozent wünschen sich eine Alleinregierung der CSU, zwei Drittel sehen das Modell kritisch. Das sind Sympathieverluste von elf Prozentpunkten. Jede abgefragte Koalition - auch mit SPD und FDP - bekommt mehr Zustimmung als eine CSU-Alleinregierung.

Das wichtigste Thema für die Befragten ist der Komplex "Zuwanderung und Integration" (52), aufgeholt hat "Wohnen und Mieten" (17) mit einem Plus von sechs Prozentpunkten. Der Wahlkampfschwerpunkt von SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen liegt damit auf Platz zwei der drängenden Fragen. Die SPD werde "hart arbeiten müssen, um wieder nach oben zu kommen", sagt Generalsekretär Uli Grötsch. Aber seine Partei werde das schaffen, "weil wir den Sommer über massiv auf unsere Themen und auf unsere Spitzenkandidatin setzen".

Auch CSU-Generalsekretär Markus Blume baut auf die nächsten Wochen. Man habe "in der Sachpolitik viel erreicht" und "die Asylwende eingeleitet". Trotz einer "Schmutzkampagne von links" werde die CSU hart weiterarbeiten. Am meisten Hoffnung dürfte diese Zahl liefern: 55 Prozent der Wähler haben sich noch nicht festgelegt.

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