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Schongau/Passau:Kettenreaktion im Klinikum

Zwei Krankenhäuser in Bayern zählen Dutzende infizierte Pflegekräfte. Mit Unterstützung der Behörden wird nun versucht, die Versorgung der Patienten sicherzustellen

Von Dietrich Mittler, Schongau/Passau

Im oberbayerischen Klinikum Schongau ist die Zahl der infizierten Pflegekräfte mittlerweile auf nahezu 40 gestiegen - noch aber liegen nicht alle Testergebnisse vor. Das entspreche fast einer "Kettenreaktion", kommentierte eine Sprecherin der Krankenhaus-GmbH des Kreises Weilheim-Schongau am Dienstag das Infektionsgeschehen. Waren die Klinik-Verantwortlichen zunächst davon ausgegangen, dass keine Patienten von Pflegekräften angesteckt wurden, so können sie das mittlerweile nicht mehr ausschließen. Demnach haben sich bislang 17 Patienten, die ursprünglich aufgrund anderer Krankheiten behandelt wurden, im Krankenhaus Schongau mit dem Erreger Sars- CoV-2 infiziert. Unter Umständen könnten aber auch noch Besucher als Überträger in Frage kommen, heißt es in einem Bulletin der Krankenhaus-GmbH.

Die endgültige Klärung des Infektionsverlaufs stehe noch aus. Nun gehe es erst einmal darum, gangbare Wege für die Patientenversorgung zu finden. Eine Schließung des Klinikums komme jedenfalls nicht in Betracht. Mittlerweile sei aber eine Lösung gefunden worden - ausgearbeitet vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und dem Gesundheitsamt in Weilheim. Diese Lösung sei mit den Regeln des Robert Koch-Instituts vereinbar - so paradox sie auch klingt: Demnach werden alle 600 Beschäftigten des Klinikums Schongau, also auch jene der Sparten Verwaltung oder Hauswirtschaft, für 14 Tage in häusliche Quarantäne geschickt. "Zugleich wurden alle Beschäftigten durch das LGL und das Gesundheitsamt als systemrelevant für die Versorgung eingestuft und können daher unter den bereits getroffenen Schutzmaßnahmen weiterarbeiten", heißt es im Bulletin.

Im Klartext: Bislang negativ getestete Pflegekräfte dürfen auch zuhause ihren Familienmitgliedern nicht mehr nahekommen, wohl aber können sie laut Sprecherin weiterhin im Krankenhaus arbeiten, "unter den bereits getroffenen Schutzmaßnahmen". Hierzu zählten das Tragen von FFP2-Masken sowie eine Versorgung aller Patienten in Einzelzimmern, hieß es. Auch werde der Aufnahme- und Besucherstopp weiterhin aufrechterhalten.

Die verbliebenen Pflegekräfte werden nun täglich vor Arbeitsantritt auf das Coronavirus getestet. "Wir haben am Montag 5000 Schnelltests bekommen, da haben wir in 15 Minuten ein Ergebnis", sagte die GmbH-Sprecherin. Noch sind diese Test allerdings in der Erprobungsphase. Parallel dazu laufen indes die standardmäßigen PCR-Corona-Tests, deren Auswertung allerdings länger dauert. Aus bisheriger Perspektive werde das Krankenhaus Schongau voraussichtlich am 7. November stufenweise zum Regelbetrieb zurückkehren.

Auch im Klinikum Passau haben sich Pflegekräfte mit Sars-CoV-2 infiziert. Wie das Haus mitteilte, wurden 16 Beschäftigte positiv auf das Virus getestet, 23 befänden sich in Quarantäne. Stand Montag, 14 Uhr. "Diese Zahl macht uns große Sorge, denn nur mit gesunden Mitarbeitern können wir in den kommenden Wochen und Monaten den Krankenhausbetrieb am Laufen halten", hieß es seitens des Managements. Die Zahl der Covid-19-Patienten, die in Bayern derzeit klinisch behandelt werden müssen, ist innerhalb eines Tages um 140 neue Fälle gestiegen. Waren es nach Angaben der Bayerischen Krankenhausgesellschaft am Montag noch 786 Menschen, die aufgrund der Lungenkrankheit in einer Klinik versorgt werden mussten, so liegt die Marke seit Dienstag bei 926 Patienten mit Covid-19. Insgesamt 114 von ihnen mussten am Dienstag auf der Intensivstation beatmet werden - ein Zuwachs seit Montag um neun Fälle. 14 Patienten liegen auf Intensivstation, kommen aber ohne künstliche Beatmung aus.

© SZ vom 28.10.2020
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