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Neuer Bildband:Cham bleibt Cham

Im Zentrum der Kreisstadt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten wenig geändert, wie ein Bildband zeigt. Nur eines ist den Autorinnen zufolge anders: Es ist jetzt ziemlich cool, dort zu wohnen.

Neulich hat Gabriele Kiesl ein Paket nach Amerika verschickt, und zwar mit einem Bildband über Cham, den die Autorin mit einer Fotografin veröffentlicht hat. Darin finden sich Aufnahmen der oberpfälzischen Stadt "gestern und heute" - und die Adressatin in den Vereinigten Staaten, die aus Cham stammt und schon lange in der Ferne lebt, war fasziniert angesichts all der Kindheitserinnerungen. Aber die Dame, erzählt Kiesl, sei auch erstaunt gewesen. Erstaunt darüber, dass sie sich wohl problemlos zurechtfände in ihrer Heimatstadt, dass sich so viele Straßen, Fassaden und Gebäude wenig verändert haben im Lauf der Jahrzehnte. Das dürfte man als Kernaussage des Bands betrachten können, der im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz erschienen ist: Cham bleibt Cham.

Grundidee ist der Vergleich. Stadtarchivar Timo Bullemer hat historische Postkarten beigesteuert, die in Cham geborene Fotografin Uschi Gillitzer zog im Sommer mit ihrer Kamera los. Die Bürger, hört man, haben ihr unkompliziert geholfen bei der Entdeckungstour, es wurden Fenster geöffnet und Leitern geholt - damit sie im besten Fall exakt diese Perspektiven fand, die mit den alten Abbildungen übereinstimmen: Orte wie das Biertor, die aus dem Antikriegsfilm "Die Brücke" bekannt sind, der 1959 in Cham gedreht wurde; aber auch beiläufige Kulissen, der Blick in Gassen und auf Uferstreifen oder in Innenhöfe. "Genau so etwas brauchen wir, um zu sehen, was sich in den vergangenen Jahrzehnten geändert hat", zitierte die Mittelbayerische Zeitung Bürgermeisterin Karin Bucher beim Vorstellungstermin im Rathaus.

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Was sich aber geändert hat, ist laut dem prächtig bebilderten Band doch überschaubar. Es ist mitunter nur die Nutzung: die Geschäftswelt wandelte sich, aus Schrebergärten am Bahnhof wurden Parkplätze, das einstige Armenhaus beherbergt längst ein Museum. "Die Leute sagen ja immer, es hat sich so viel geändert, es wird so viel abgerissen und dass früher alles besser war", meint Autorin Kiesl. "Aber es ist im Grunde vieles erhalten geblieben, und oft ist es noch schöner geworden." Stichwort Biertor, einst grau, heute farbenfroh. Und man sieht auf einigen Bildern: Cham ist mit der Zeit auch grüner geworden.

Nun hat sich das Oberzentrum 20 Kilometer vor der tschechischen Grenze natürlich de facto enorm entwickelt: Von knapp 6000 Einwohnern vor dem Zweiten Weltkrieg auf heute etwa 17 000, vom "Armenhaus Bayerns" mit hoher Arbeitslosigkeit zum Wirtschaftsstandort mit quasi Vollbeschäftigung. Die wenigen Luftaufnahmen des Bildbandes und Abstecher in die Vororte deuten an, was ein Besuch der Stadt zeigt: In Cham-Ost und Janahof im Süden sitzen Unternehmen und Gewerbe, es gibt Tankstellen, Möbelhäuser, Diskotheken, Gartencenter und Discounter, dazu kommen Verkehrsadern. Die Ansiedlungen außenrum haben dazu beigetragen, dass das Zentrum in Teilen unverändert blieb. Und dazu, dass es dort ziemlich beschaulich ist.

Zu beschaulich? Die Frage, ob der Kern "ausblutet", wird wie andernorts auch in Cham debattiert - mit jedem Leerstand aufs Neue. Alles in allem ist die Schul-, Behörden- und übrigens auch Kasernenstadt aber doch belebt, die Lage ist besser als in vielen Städten ähnlicher Größe. "Natürlich gibt es ein paar schöne, leider leer stehende Gebäude", sagt Kiesl. Bei guten Konzepten könne sich das aber immer schnell ändern. Die Autorin selbst stammt aus Oberbayern, früher habe sie "eher leise" erzählt, dass sie nach Cham gezogen sei. Heute sei die Stadt attraktiv, durchaus auch "hipp", zugleich ursprünglich. "Der Kern schlängelt sich um den Regen, wie immer." Woher auch der Name Cham stammt, er soll auf das keltische "kambos" (krumm) zurückgehen - die Kurve des Flusses.

Gabriele Kiesl/Uschi Gillitzer: Cham und Umgebung. Gestern und heute, Buch- und Kunstverlag Oberpfalz, 19.90 Euro.

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