Sexistische Kampagne:Am Arsch der Welt

Kirche im Bayerischen Wald

"Der schönste Arsch der Welt" soll in Cham zu finden sein.

(Foto: dpa)

Mit einer Werbekampagne wollte sich der Landkreis Cham seine Abgelegenheit zu Nutze machen. Für den Werbefilm erntet er jedoch einen Shitstorm.

Von Andreas Glas, Cham

Dass Cham am Arsch der Welt liegt, ist ein Irrtum, weil die Welt selbst hinter dem Bayerischen Wald weitergeht. Der Ruf haftet dem Landkreis trotzdem an. Statt drüber zu jammern, haben sich die Chamer diesen Ruf nun zu eigen gemacht, um zu demonstrieren, dass auch der Hintern des Freistaats seinen Reiz hat. Das ist erst mal ziemlich clever. "Der schönste Arsch der Welt", heißt die Imagekampagne, die der Landkreis am Donnerstag samt kurzem Werbefilm präsentiert hat.

Nicht so clever ist, dass eine lüsterne Männerstimme ausgerechnet dann vom "schönsten Arsch der Welt" spricht, wenn die Kamera effektvoll auf den spärlich bedeckten Hintern einer Beachvolleyballspielerin zoomt. Nun mögen manche behaupten, dass nicht die Macher des Werbefilms sexistisch seien, sondern diejenigen, die sich über den Film aufregen, weil sie beim Anblick eines Hinterns sofort an Sex denken statt an Ironie. Nur ändert das nichts dran, dass sich der Landkreis Cham jetzt einen Shitstorm eingefangen hat. Denn natürlich hätte den Werbern, aber auch dem Landkreis, bewusst sein müssen, dass der Imagefilm gegen die guten Sitten der Werbebranche verstößt.

In ähnlichen Fällen hat der Deutsche Werberat schon x-mal Rügen ausgesprochen. Das ist landläufig bekannt, nur in Cham scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben, dass ironischer Sexismus halt auch Sexismus ist. Trotzdem sollte man nachsichtig sein mit den Chamern. Manchmal dauert es ein bisschen, bis die Dinge auch am Arsch der Welt angekommen sind.

© SZ vom 21.07.2018
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