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Digitalisierungs-Studie:Manchen Branchen droht bis 2030 ein großer Stellenabbau

Beraten und verkauft - Die richtige Anlagetaktik für Senioren

Bankfachleute werden künftig weniger gebraucht, Tausende Stellen werden in den kommenden Jahren wegfallen.

(Foto: Mascha Brichta/dpa)
  • Welche Auswirkungen die Digitalisierung auf den Freistaat haben könnte, zeigt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo.
  • In manchen Berufsgruppen - wie bei den Maurern und Betonbauern - soll demnach bis 2030 fast ein Viertel der Stellen wegfallen.
  • Anderswo sollen dagegen neue Stellen entstehen: Teils ist von Zuwächsen um die 15 bis 40 Prozent die Rede.

Manchmal, sagt Professor Oliver Falck, breche beim Stichwort Digitalisierung eine "gewisse Panik" aus. Und tatsächlich, auf den ersten Blick scheint es, als stünden Bayern schwere Zeiten bevor. "Schrumpfende Berufe" listet seine neue Studie auf. Zum Beispiel Warenprüfer, deren Stellen sollen in den kommenden Jahren um 2000 weniger werden. Oder Maurer und Betonbauer, minus 8000 Stellen. Bank- und Versicherungskaufleute, minus 12 000 Stellen. "Es verschiebt sich viel", sagt Falck. Aber: "Die Arbeit geht uns nicht aus, sie verteilt sich anders."

Die Digitalisierung verändert die Wirtschaft. Algorithmen übernehmen. Welche Auswirkungen das auf den Freistaat haben könnte, zeigt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo. In manchen Berufsgruppen - wie bei den Maurern und Betonbauern - sollen demnach bis 2030 fast ein Viertel der Stellen wegfallen. Bei den Bankern wäre das im Vergleich zu 2016 ein Schwund von 13 Prozent, bei den Warenprüfern zehn. Anderswo sollen dagegen neue Stellen entstehen. Teils ist von Zuwächsen um die 15, 35, gar 40 Prozent die Rede. Das ist der zweite Blick, der positive; dass Strukturwandel, so heftig sie für Einzelne ausfallen, nicht automatisch zu etwas Schlechtem, sondern erst mal zu etwas Anderem führen.

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Um die Beschäftigungsstruktur der Zukunft zu "projizieren", wie es im Fachjargon heißt, haben die Forscher um Professor Falck ins Jahr 1999 zurückgeblickt. Und festgestellt: Neu ist die Digitalisierung nicht, ihre Auswirkungen sind längst zu sehen. So waren 1999 Bankfachleute recht häufig anzutreffen. Fast drei Prozent aller Beschäftigten im Freistaat zählten zu dieser Berufsgruppe. Inzwischen hat sich der Anteil auf 1,9 Prozent reduziert. Elektroingenieure standen damals auf Platz 15 der häufigsten Berufe, heute finden sie sich auf Platz 61 wieder. Stenografen, Stenotypisten und Maschinenschreiber rutschten von Rang 19 auf 125. Andere Berufe erfuhren hingegen eine Aufwertung. Sozialarbeiter etwa kletterten von Platz 35 auf 20, Unternehmensberater von 50 auf 15.

Aus der Entwicklung in der Vergangenheit leiten die Forscher eine Fortschreibung ab. Ausgeklammert wird die Frage, ob die Stellen der Zukunft tatsächlich besetzt werden können, Stichwort Fachkräftemangel. Es geht allein um die theoretische Gewichtung von Berufen, um die Verschiebungen zwischen ihnen. Dabei gilt: Je weniger automatisiert werden kann, desto mehr wird der Mensch gebraucht. Das dürfte Sozial-, Gesundheits- und Pflegeberufen entgegenkommen, aber auch Managern. Profitieren sollen außerdem Metallverarbeiter, Mechaniker oder ITler. Zu den Verlierern zählt die Studie neben Bankern das Gewerk der Maurer, obwohl gerade sie derzeit händeringend gesucht werden. Die Autoren begründen dies unter anderem damit, dass auf der Baustelle viele Prozesse zu digitalisieren seien; auch werde künftig mehr mit Fertigteilen gebaut. Bei manchen Berufen wie Schlosser und Elektriker ergibt sich keine eindeutige Tendenz.

Bis 2030, so das Fazit, entstünden in Bayern mehr Jobs als verloren gingen. Die Autoren rechnen mit einem Plus bei der Gesamtbeschäftigung zwischen 1,6 und 13,5 Prozent. Das wären bis zu Hunderttausende Stellen, ein Großteil davon in Oberbayern. Viele Berufsbilder, schreiben die Forscher, hätten sich den neuen Herausforderungen schon angepasst - etwa in der Metallverarbeitung: Wo "präzise handwerkliche Fähigkeiten wichtig waren", seien Programmierkenntnisse unerlässlich geworden, um CNC-Fräsen zu bedienen.

Damit der Strukturwandel gelingt, empfiehlt die Studie unter anderem, digitale Kompetenzen in der Schule zu vermitteln. Dem schließt sich die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern an, in deren Auftrag die Prognose erstellt wurde. "Wir müssen unsere Berufe in der dualen Ausbildung regelmäßig anpassen und noch stärker auf Digitalisierung trimmen", sagt Hauptgeschäftsführer Peter Driessen. Entscheidend sei, eine Kultur der ständigen Weiterbildung zu schaffen. "Niemand muss vor der Digitalisierung Angst haben."

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