Naturschutz:Klage gegen Schifffahrt in der Weltenburger Enge

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Naturschutz: Der Donaudurchbruch ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel für die touristische Schifffahrt. Davon sind nicht alle begeistert.

Der Donaudurchbruch ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel für die touristische Schifffahrt. Davon sind nicht alle begeistert.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Umweltverbände wollen Bayerns einziges Nationales Naturmonument vor dem immer stärkeren Ansturm von Touristen und Ausflüglern schützen.

Von Christian Sebald

Der Donaudurchbruch zwischen Kloster Weltenburg und der niederbayerischen Stadt Kelheim zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen in Bayern. Zigtausende Touristen und Tagesgäste sind dort im Sommerhalbjahr unterwegs - vor allem auf großen und kleinen Fahrgastschiffen auf dem Fluss, der sich hier durch imposante Felsformationen zwängt. Den Umweltschützern und den Fischern wird der Ansturm jetzt zu viel. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV), der Bund Naturschutz (BN) und der Landesfischereiverband (LFV) haben Klage gegen die Schifffahrt in der Weltenburger Enge eingereicht. Aus ihrer Sicht wird sie zunehmend zur Gefahr für die Natur dort. "Der Naturschutz muss in der Weltenburger Enge absolute Priorität haben", sagt LBV-Chef Norbert Schäffer.

Denn die Weltenburger Enge ist ja nicht nur ein Touristenmagnet. Sondern einer der hochkarätigsten Naturschätze Bayerns. Schon König Ludwig I. erkannte den besonderen Wert der Region und stellte die urtümlichen Buchen-Mischwälder dort mit den vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten unter seinen Schutz. Aber auch die Donau hier ist völlig naturbelassen. In ihr kommen deshalb eine ganze Reihe besonderer Fischarten vor. Der Huchen zum Beispiel, der hier Donaulachs heißt und dessen Exemplare über einen Meter lang und mehr als 25 Kilo schwer werden können.

Die Weltenburger Enge ist außerdem eines der herausragendsten Geotope des Freistaats und nach europäischem Recht geschützt. Und sie ist das einzige Nationale Naturmonument in Bayern und nach den beiden Nationalparks Bayerischer Wald und Berchtesgaden die dritte Region im Freistaat, die der Europarat mit seinem Europadiplom ausgezeichnet hat.

Die Forderungen sind weniger Schiffe und ein schärferes Tempolimit

Der Europarat ist ein Zusammenschluss von 26 Staaten mit Sitz in Straßburg. Er ist vor allem der Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet, widmet sich aber auch dem Naturschutz. Wie die Naturschutzverbände sieht der Europarat den überbordenden Tourismus und die Schifffahrt in der Weltenburger Enge mit großer Skepsis. Für Letztere fordert er deshalb eine ganze Reihe von Beschränkungen, vor allem eine Verringerung der Fahrten der großen und kleinen Fahrgastschiffe und schärfere Tempolimits. Außerdem verlangt er, dass die großen Passagierschiffe nur bei bestimmten Mindestwasserständen fahren dürfen. Und zwar nur in einem bestimmten Korridor im Fluss, damit die Fischwelt, die Muscheln, Schnecken und anderen Kleintiere an seinem Grund möglichst wenig beeinträchtigt werden. Sollten die Vorgaben nicht erfüllt werden, droht die Aberkennung des Europadiploms.

LBV, BN und LFV teilen die Forderungen des Europarats seit Langem. Sie werfen dem Landratsamt Kelheim vor, den Naturschutz in der Weltenburger Enge massiv zu vernachlässigen. Die Kreisbehörde ist für die Schifffahrt in der Weltenburger Enge zuständig. In ihrer Klage zielen die Naturschutzverbände auf den neuen Genehmigungsbescheid der Kreisbehörde für die Passagierschifffahrt auf der Donau von diesem August ab. "Die dort erlaubten Geschwindigkeiten und die Anzahl der Fahrten belasten den Fluss und die Uferbereiche ganz erheblich", sagt LBV-Chef Schäffer. Als Beispiel nennt er, dass pro Sommerhalbjahr bis zu 2950 Passagierschifffahrten zwischen Kelheim und Kloster Weltenburg möglich sein sollen. "Das verträgt sich nicht mit einem Naturschutzgebiet von solcher Güte."

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