Ölmühle in Oberbayern:"Wir haben die Mengen gar nicht da, die nachgefragt werden"

Lesezeit: 2 min

Ölmühle in Oberbayern: Toni Lamprecht, 42, betreibt mit seiner Frau Irmi die Ölmühle Garting in Schnaitsee. Die dort produzierten Speiseöle werden online, über den Handel und einen eigenen Laden in München verkauft. Foto: privat

Toni Lamprecht, 42, betreibt mit seiner Frau Irmi die Ölmühle Garting in Schnaitsee. Die dort produzierten Speiseöle werden online, über den Handel und einen eigenen Laden in München verkauft. Foto: privat

Toni Lamprecht stellt in seiner Ölmühle Speiseöle her - und wird wie andere Hersteller wegen des Ukraine-Kriegs von dem Boom schier überrannt.

Interview von Maximilian Gerl

Vor ein paar Jahren stellte Toni Lamprecht den elterlichen Bauernhof in Schnaitsee (Landkreis Traunstein) von Milchwirtschaft auf Ölfrüchte um. Seitdem produziert der heute 42-Jährige in der Ölmühle Garting Speiseöl - und sieht sich wie andere Ölmühlen in Bayern neuerdings einer gewaltigen Nachfrage gegenüber: Weil durch den Ukraine-Krieg hierzulande Öle in den Supermärkten zur Hamster- und Mangelware mutiert sind, kommt er mit dem Produzieren kaum noch hinterher.

SZ: Herr Lamprecht, wie ist die Lage? Rennen die Leute Ihnen die Bude ein?

Toni Lamprecht: Es ist schon eine kuriose Situation. Wir vertreiben 28 Sorten Speiseöl, aber nur bei dreien ist die Nachfrage stark gestiegen: bei Raps- und Sonnenblumenöl und, nicht ganz so sehr, bei Senföl.

Mehr Nachfrage - das klingt nach guten Geschäften.

Ja, das denkt man. Aber man kommt an so viele Grenzen. Wir haben die Mengen gar nicht da, die nachgefragt werden. Wir sind ein kleiner Familienbetrieb mit 15 Leuten und können nicht einfach mehr machen. Unsere Öle entstehen mit einer Ölpresse. Die kann man sich wie einen Fleischwolf vorstellen. Am Tag schaffen wir 500 bis 1000 Liter - wenn es auf einmal 3000 werden sollen, ist das ein Problem. Und dann müssen die Flaschen noch von Hand abgefüllt und verpackt werden.

Wie viel Öl verkaufen Sie normalerweise?

An einem Wochenende haben wir um die 50 Bestellungen, das können auch mehrere Flaschen sein. Am ersten Wochenende, als das alles losging, waren es 550. Die 500 mehr waren ausnahmslos Kanister mit Raps- oder Sonnenblumenöl.

Das hört sich anstrengend an.

Mit Stress komme ich gut zurecht, aber manche im Team können nicht mehr richtig schlafen, weil sie sich Sorgen machen, woher wir das ganze Öl nehmen sollen. Deshalb haben wir neulich unseren Online-Shop für fünf Tage geschlossen. Die Ruhe war wichtiger.

Können Sie überhaupt so viele Ölfrüchte anbauen, wie benötigt werden?

Wir bewirtschaften 20 Hektar, mit Raps, Leindotter, Schwarzkümmel oder Chia. Das Meiste kaufen wir hier in der Region zu, aber Raps ist überall ausverkauft. In Ostdeutschland habe ich jetzt noch ein bisschen was gefunden, aber ob das Sinn der Sache ist? Da bin ich mir selber nicht so ganz sicher. Aber wahrscheinlich ist es vernünftiger, Ware zu haben, als die Notsituation weiter zu vergrößern.

Was wäre denn Sinn der Sache?

Die Leute aufzuklären über gesunde Ernährung und welche Rolle Landwirtschaft dabei spielen kann. Oder über die Unterschiede zwischen industriell und handwerklich hergestelltem Öl. Industriell hergestelltes Öl hat seine Daseinsberechtigung in der Gastronomie. Für den privaten Nutzer aber wäre im Alltag ein vollwertiges Öl wichtig.

Erleben Sie wenigstens Wertschätzung für Ihr Produkt?

Meiner Erfahrung nach steigt diese Wertschätzung für Regionales, für handwerklich Gemachtes schon seit ein paar Jahren. Das darf gerne auch nach dieser Krise so weitergehen. Vor allem aber hoffe ich, dass das alles schnell wieder aufhört. Der Krieg in der Ukraine ist menschlich schrecklich. Und wirtschaftlich profitieren wir gerade auf Kosten anderer. Das passt mir gar nicht.

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