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Murnau:Familienvater baut Blitzer-Attrappe

Radarfallen sind der Autofahrer natürliche Feinde, entsprechend grob werden sie oft behandelt. In Murnau war es nun einmal andersherum.

Die Geräte zählen offenbar nicht zu den beliebtesten. Da ist es noch vergleichsweise harmlos, wenn ihnen über Nacht eine Fichte vor die Aussicht gepflanzt wird wie im vergangenen Jahr in Bitburg, oder wenn jemand eine Sexpuppe vor der Linse platziert wie 2017 im Saarland. Es wurden auch schon Objektive mit Farbe zugesprüht, oder die Kästen wurden gleich ganz demontiert und irgendwo versenkt wie heuer schon in Leipzig und in Wilhelmshaven. Und an der A 93 nahe Rosenheim hat die Polizei im Mai einen Mann ertappt, der mit dem Akkubohrer ein Loch ins Gehäuse getrieben hat, um Benzin einzufüllen und alles in Brand zu setzen. Im Vergleich dazu war der Familienvater aus dem oberbayerischen Murnau eigentlich nur konstruktiv. Dass er keinerlei Blitzer beschädigt, sondern selber eine Blitzer-Attrappe gebaut hat, ist aber auch wieder nicht recht.

Der Mann sieht es laut dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt praktisch als Notwehr an, dass er aus einem alten Schwedenofen einen hüfthohen grauen Kasten zusammengespenglert hat, komplett mit Pultdach und zwei Fenstern für Messtechnik, Kamera und Blitz. War aber nie Messtechnik, Kamera und Blitz drin, sondern eben nur der Schwedenofen, und auch der ganz ohne Feuerholz. Also hat das Ding auch nie geblitzt, obwohl es aus Sicht des Mannes schon öfter mal blitzen sollte dort an der Straße, wo die Autos so schnell unterwegs seien, dass er Angst um seine eigenen Kinder und um die der Nachbarn haben müsse. Die Katze der Familie hatte es offenbar schon erwischt.

Langsamer geworden und dann sogar ganz stehen geblieben, ist dann aber erst einmal ein Streifenwagen der Murnauer Polizei, deren Leiter vom Delikt der Amtsanmaßung sprach. Der Blitzerbastler hat sich dann bald im Rathaus, bei der Polizei und in der Lokalredaktion gestellt, und obwohl es ja niemals geblitzt hat, ließ es die Staatsanwaltschaft dann ein bisschen krachen mit ihrer Geldauflage von 300 Euro zugunsten der Weilheimer Verkehrswacht für die Einstellung des Strafverfahrens. Weil es billiger wohl nicht werden würde, hat der Bastler bezahlt, und jetzt haben seine Nachbarn gesammelt und ihm 260 Euro sowie viel Zuspruch gespendet. Die Stadt will an der Stelle nun einen elektronischen Zeigefinger aufstellen, der die Geschwindigkeit anzeigt. Blitzen wird der aber auch nicht.

Verkehr in Bayern Mann will Blitzer anzünden, um Bußgeld zu vermeiden

A93 bei Rosenheim

Mann will Blitzer anzünden, um Bußgeld zu vermeiden

Weil er mit mehr als 140 Kilometer pro Stunde zu schnell geblitzt wurde, versuchte ein 54-Jähriger, die Radarfalle in Brand zu setzen.