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Corona-Pandemie:Bayern hebt ab Donnerstag Impfpriorisierung in Arztpraxen auf

Coronavirus - Impfung in einer Hausarztpraxis

Freie Hand: Die vier hierzulande zugelassenen Corona-Impfstoffe dürfen in Haus- und Facharztpraxen ohne Priorisierung verabreicht werden.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)

Außer dem Ende der Priorisierung bei Hausärzten wird das Kabinett wohl ein Millionen-Förderprogramm für den Tourismus beschließen.

Von Andreas Glas

Die Haus- und Fachärzte in Bayern dürfen von kommendem Donnerstag an alle bislang zugelassenen Impfstoffe spritzen - und zwar unabhängig von der staatlich vorgegebenen Priorisierung. Das hat ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Montag bestätigt. Bislang waren in den Arztpraxen nur die Impfstoffe von Astra Zeneca und Johnson & Johnson ausgenommen von der Priorisierung. Diese sieht vor, dass etwa Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen oder medizinisches Personal zuerst geimpft werden, da diese ein besonderes Risiko haben, sich zu infizieren und schwer oder gar tödlich zu erkranken. Nun dürfen die Ärzte in ihren Praxen also auch die Vakzine von Biontech und Moderna spritzen.

Die Freigabe bedeutet allerdings nicht, dass auch jeder Impfwillige sofort einen Termin beim Hausarzt bekommen wird. In einer Mitteilung weist die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) ausdrücklich darauf hin, dass mit dem Wegfall der Priorisierung für alle zugelassenen Corona-Impfstoffe "keine Erhöhung der verfügbaren Impfdosen verbunden" sei. Zwar rechnet die KVB von Juni an damit, dass die Menge an verfügbaren Impfdosen weiter steigt. Zugleich aber betont die Vereinigung, dass von dieser Woche an vorrangig Dosen für noch ausstehende Zweitimpfungen ausgeliefert würden, "um den Impfschutz zu vervollständigen". Wohl auch aus diesem Grund bittet der KVB-Vorstand die Praxisärzte darum, "weiterhin diejenigen Patienten zu impfen, die den Impfschutz auf Grund der bekannten Risikofaktoren für einen schweren Verlauf am dringendsten benötigen".

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte die Freigabe aller Impfstoffe bereits in der vergangenen Woche angekündigt, um das Impftempo zu erhöhen. Während der Bund dies erst für Juni in Aussicht gestellt hatte, wollte Bayern hierbei schneller vorgehen. Zwar bleiben die Impfzentren im Freistaat auch weiterhin an die Priorisierung gebunden - trotzdem musste sich Söder auch Kritik für die Entscheidung anhören.

Unter anderem hatte die Deutsche Gesellschaft für Immunologie davor gewarnt, dass die rasche Aufhebung der Priorisierung eine Gefahr für viele Menschen aus Risikogruppen sein könnte. "Wenn wir jetzt zu schnell freigeben, schützen wir nicht gut und früh genug die Menschen, die den Schutz am nötigsten haben", sagte der Generalsekretär Carsten Watzl der Augsburger Allgemeinen. Es gebe noch immer viele nichtgeimpfte Menschen in der Prioritätsgruppe drei, darunter viele mit Vorerkrankungen. "Diese Risikogruppen und Menschen im Alter zwischen 60 und 70 Jahren haben schon sehr lange gewartet, bis sie endlich drankommen", sagte Watzl.

Auch bei der Sitzung des Kabinetts wird es an diesem Dienstagvormittag wieder um den weiteren Kurs in der Corona-Pandemie gehen - unter anderem um Hilfen für die Kultur. Darüber hinaus plant das Gesundheitsministerium nun offenbar auch kindergerechte Corona-Tests in Kitas. Außerdem werden sich die Ministerinnen und Minister mit der Situation des Tourismus beschäftigen, der während der Pandemie ebenfalls gelitten hat.

Nach SZ-Informationen soll ein Millionen-Förderprogramm beschlossen werden, um den Tourismus beim Neustart nach dem monatelangen Lockdown finanziell zu unterstützen. Das Programm sieht offenbar eine Förderung für Tourismusanbieter vor, die zum Beispiel in Nachhaltigkeit, in Regionalität oder in Barrierefreiheit investieren. Die Details zu dem Förderprogramm werden Ministerpräsident Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) voraussichtlich in der Pressekonferenz im Anschluss an die Kabinettssitzung vorstellen.

© SZ vom 18.05.2021/van/syn
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