Kratzers Wortschatz:Red ned so gschwoin daher!

Kratzers Wortschatz: Im Luftmuseum in Amberg ist die Ausstellung "Heizlüfter im Wandel der Zeit" noch bis 21. April zu sehen.

Im Luftmuseum in Amberg ist die Ausstellung "Heizlüfter im Wandel der Zeit" noch bis 21. April zu sehen.

(Foto: Luftmuseum)

Wer beim Verb auseinandergehen nur an eine Trennung denkt, liegt falsch. Auch Gschwollschädel und starke Menschen sind davon schicksalshaft betroffen. 

Von Hans Kratzer

Bloserl

Im Luftmuseum in Amberg wird zurzeit die Geschichte der Heizlüfter beleuchtet. Ein Leser hat geschrieben, er habe in dem Bericht über die Ausstellung (SZ v. 10./11. Februar) das bayerische Kosewort für den Heizlüfter vermisst, nämlich Bloserl. Dieser lustige Begriff stammt vom Verb blasen her. Ein Heizlüfter ist ein kleines Gerät, das warme Luft in einen Raum bläst. Ein solches Bloserl hat nichts mit der Blosn zu tun, die zum Beispiel im Namen der ehemaligen Musikkapelle Biermösl Blosn aufscheint.

Eine Blosn entspricht zunächst einmal der schriftdeutschen Blase, die im Körper (Harnblase) und auf der Haut (Wasserblase) in Erscheinung tritt. Das Bairische kennt dazu die Synonyme Bladern und Blodern. Wer mit falschem Schuhwerk geht, der holt sich Wasser- oder gar Blutbladern. Mit der Saublader(n), also mit der Schweinsblase, schmücken sich manche Faschingsnarren. Auch ein lustiger Freundeskreis wird bisweilen als Blosn bezeichnet, und wie schon erwähnt auch Kapellen (Blosmusi), zum Beispiel die Kirta Blosn Neubiberg.

Gschwoikopf

Im Laufe eines Lebens verändert sich die Form des Körpers gerne in die Breite und in die Tiefe. Das Zu- und Abnehmen berührt auch sprachlich einen sensiblen Bereich, weshalb es dazu besonders viele Sprachbilder gibt. Im Bairischen sagt man über einen Menschen, der stark an Gewicht zugenommen hat: "Der/die ist auseinanderganga." Manchmal kommt die Ergänzung "wie ein Hefeteig" dazu. Ist jemand dick geworden, umschreibt man es charmant mit der Feststellung: "Der/die ist aber stark geworden." Wer dick oder stark ist, von dem heißt es, er sei gut beinand. Mit dem Bauch verändert sich auch die Kopfform in Richtung Gschwollschädel (Gschwoischädel), der in der Kurzfassung Gschwoidde (Geschwolltel) heißt. Ein anderes Wort wäre Gschwoikopf, von dem sich das Adjektiv gschwoikopfad ableitet. Dieses Prädikat gilt auch für den, der sich viel einbildet. Zu ihm sagt man: "Red ned so gschwoin daher!"

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