Zehn-Punkte-Papier:Grüne: Mehr Wohnungen und weniger Flächenverbrauch passen zusammen

Lesezeit: 2 min

Flächenverbrauch

Eine Straße führt zu einer Großbaustelle mit vielen Kränen. Noch mehr Grau für weniger Grün?

(Foto: dpa)

Mit einem Zehn-Punkte-Plan wollen die Landtags-Grünen den Flächenfraß eindämmen: Innenentwicklung, Nachverdichtung und flächensparendes Bauen sollen Vorrang bekommen.

Von Christian Sebald

Bayern zählt bundesweit zu den Spitzenreitern beim Flächenfraß. 2020 sind pro Tag 11,6 Hektar Äcker, Wiesen und Wälder in Flächen für Wohnungen, Gewerbe, Straßen und andere Verkehrswege umgewandelt worden. Das entspricht einer Fläche von 16 Fußballfeldern jeden Tag. Gleichzeitig herrscht beinahe überall Wohnungsnot - und zwar obwohl fast die Hälfte des neuen Baulands für neue Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser ausgewiesen wird. Die Landtags-Grünen wollen jetzt mit einem Zehn-Punkte-Plan die Ziele Flächensparen und mehr Wohnungsbau zusammenbringen. "Wir müssen den Flächenfraß auf fünf Hektar am Tag begrenzen", sagt Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann. "Mit einer Politik, die denkt bevor der Bagger kommt, bringen wir den verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Boden und eine gesunde Entwicklung unserer Dörfer und Städte zusammen."

Die wichtigsten Stichworte des Zehn-Punkte-Plans lauten Vorrang der Innenentwicklung anstelle der Einrichtung immer neuer Baugebiete an den Orts- und Stadträndern, eine maßvolle Nachverdichtung etwa durch den Ausbau ungenutzter Dachgeschosse und vor allem flächensparendes Bauen. "Wir brauchen ein vielfältiges Wohnungsangebot für ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und Lebensphasen", sagt der wohnungspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Jürgen Mistol.

"Vielfältigere Ansprüche an Wohnen, Leben und Arbeiten"

Die meisten neuen Wohngebäude seien klassische Ein- und Zwei-Familien-Häuser. Die Zahl der öffentlich geförderten Mietwohnungen, bei denen besonders großer Bedarf bestehe, stagniere dagegen auf niedrigem Niveau. "Mit ihrem pauschalen Ruf nach Bauen, Bauen, Bauen ignoriert CSU-Bauministerin Kerstin Schreyer die regionalen Unterschiede auf dem Wohnungsmarkt und die verschiedenen Bedürfnisse der Bevölkerung." Die Baupolitik müsse weg von "rasterartig angelegten und monotonen Neubausiedlungen auf der grünen Wiese kommen" und endlich anerkennen, "dass es heute deutlich vielfältigere Ansprüche an Wohnen, Leben und Arbeiten gibt als früher".

Die Grünen-Fraktion stützt ihre Forderungen auf das Gutachten "Flächensparen und Wohnraumversorgung" von Professor Manfred Miosga, der an der Universität Bayreuth Stadt- und Regionalentwicklung lehrt und außerdem Präsident der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum ist. Der Experte kommt darin ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Staatsregierung ihre Wohnungsbaupolitik dringend umsteuern muss, wenn sie das selbst gesteckte Ziel erreichen will, den Flächenbedarf auf fünf Hektar am Tag zu begrenzen.

Wie die Grünen fordert Miosga die Mobilisierung von innerörtlichen Bauflächen und eine maßvolle Nachverdichtung bestehender Siedlungen. Außerdem müsse die Staatsregierung spezielle Förderprogramme für preisgünstige Wohnungen etablieren und sehr viel verbindlicher Vorgaben für das Flächensparen erlassen. "Wir wollen, dass die bayerischen Kulturlandschaften ihr Gesicht behalten", sagte Grünen-Fraktionschef Hartmann bei der Präsentation von Miosgas Studie. "Deshalb wollen wir im Wohnungsbau langfristig zu einem Innen statt Außen kommen."

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