bedeckt München 22°

Coronavirus:So funktioniert Bayerns Jedermann-Test

Kabinettssitzung Bayern

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Ministerpräsident Markus Söder sowie Gesundheitsministerin Melanie Huml (von links).

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Wer soll und darf sich auf das Coronavirus testen lassen? Wer nimmt die Probe und wer bezahlt? Fragen und Antworten auf die neue Corona-Strategie in Bayern.

Als bisher einziges Bundesland hat Bayern angekündigt, allen Bürgern - auch ohne Symptome - bald Tests zu ermöglichen und im Zweifel die Kosten dafür zu tragen. Das Testkonzept laute "schneller, kostenlos und für jedermann", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung.

Was bedeutet das?

Getestet wird nicht nur, wer typische Krankheitssymptome zeigt oder Kontakt zu einem mit dem Coronavirus infizierten Menschen hatte. Sondern jeder kann sich testen lassen - und zwar grundsätzlich bei einem niedergelassenen Arzt, also etwa dem Hausarzt. Die Kosten trägt entweder die Krankenkasse oder der Freistaat. Für den einzelnen ist der Test in jedem Fall kostenlos; das Angebot gilt aber nur für Menschen, die auch in Bayern gemeldet sind.

Wie schnell sollen Ergebnisse vorliegen?

Von Kontaktpersonen oder Menschen mit Symptomen soll laut Söder binnen 24 Stunden ein Abstrich entnommen werden, weitere 24 Stunden später soll das Ergebnis vorliegen. Alle anderen müssen sich etwas länger gedulden: Bei ihnen soll die Probe spätestens nach 48 Stunden gemacht werden, das Ergebnis dann nach einer Woche. Dieses Ziel hat die bayerische Staatsregierung ausgegeben. Das Testangebot für jedermann startet an diesem Mittwoch, wird dann aber erst schrittweise auf- und ausgebaut.

Wem legt Bayerns Regierung besonders die Tests ans Herz?

Bei den Tests für jedermann ist laut der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) nicht geplant, bestimmte Tests schneller auszuwerten - etwa die von Angehörigen von Risikopatienten prioritär zu untersuchen. Huml will abwarten, wie stark das neue Angebot angenommen wird. Gut möglich, dass der Freistaat später nachsteuert. Weiterhin am schnellsten werden die Proben von Covid-19-Verdachtsfällen oder von Kontaktpersonen von Infizierten behandelt. Verstärkt getestet werden soll zudem in Gegenden oder Betrieben, wo sich ein Coronavirus-Ausbruch anbahnt. Auch in allen Krankenhäusern, Altenheimen oder Behinderteneinrichtungen, und zwar beim Personal wie auch bei den Bewohnerinnen und Bewohnern. Zudem will Bayern Reihenuntersuchungen an allen Schulen und Kindertagesstätten anbieten.

Bei welchen Symptomen sollte man sich testen lassen?

Dem Bundesgesundheitsministerium zufolge sollte sich testen lassen, wer Erkältungssymptome oder andere typische Anzeichen für Covid-19 zeigt, Geruchs- und / oder Geschmacksverlust zum Beispiel. Auch bei einem Kontakt zu Menschen, die positiv auf den Erreger getestet wurden, ist ein Test angeraten. Wichtig sei es, in solchen Fällen nicht einfach loszugehen, sondern vorher anzurufen - beim Hausarzt, beim ärztlichen Bereitschaftsdienst (Rufnummer 116 117) oder dem zuständigen Gesundheitsamt.

Wie funktioniert der Test zum Nachweis einer Infektion?

"Den kann man nur aus einem Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum machen", sagte Andreas Bobrowski vom Berufsverband Deutscher Laborärzte der Deutschen Presse-Agentur. Der Test für den Direktnachweis von Sars-CoV-2 erfolgt in einem Labor durch eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Dabei werde das Erbmaterial der Viren so stark vervielfältigt, dass es nachgewiesen werden kann, auch wenn es nur in geringen Mengen vorkommt.

Wer nimmt den PCR-Test vor?

Hausärzte und der kassenärztliche Bereitschaftsdienst beziehungsweise das örtliche Gesundheitsamt.

Was sagt der PCR-Test aus?

Ein negatives Ergebnis bedeutet, dass zum Zeitpunkt des Abstrichs keine Viren in der entsprechenden Menge nachgewiesen wurden. Dennoch ist dadurch nicht ausgeschlossen, dass man sich kurze Zeit vor dem Abstrich noch angesteckt haben könnte - und man kann sich natürlich auch nach dem Test jederzeit infizieren.

Wie lange dauert die Analyse der Proben?

"Die reine Analysezeit im Labor dauert bei den Abstrichen drei bis vier Stunden, beim Bluttest ungefähr eine Stunde", sagt Labormediziner Bobrowski. Je nach Menge an Proben, die im Labor auflaufen, dauere es in der Regel insgesamt 24 Stunden, bis das Ergebnis auch bei dem Patienten vorliegt - "es kann aber bei einem sehr hohen Probenaufkommen auch bis zu 48 Stunden dauern."

Was leisten die Bluttests?

Will man die Reaktion des Körpers auf das Coronavirus testen - etwa, wenn man wissen möchte, ob jemand in der Vergangenheit infiziert war und bereits Antikörper gebildet hat -, muss Blut abgenommen werden. Einer der Tests dabei ist der IgG-Antikörpertest, wobei IgG für Immunglobulin G steht. Das Problem an diesem Test laut Bobrowski: Ein verhältnismäßig hoher Anteil - um die 15 bis 20 Prozent, wahrscheinlich sogar mehr -, bilde laut Studien keine oder nur sehr geringe Mengen dieser IgG-Antikörper, trotz positiven Abstrich-Tests. "Und auch wenn IgG-Antikörper gemessen werden, weiß man noch nicht sicher, ob sie vor einer erneuten Infektion schützen - dafür müssen noch weitere Neutralisationstests durchgeführt werden. Welche genau die schützenden IgG-Antikörper sind, daran wird intensiv geforscht - hier kann man aber noch keine hundertprozentig sicheren Aussagen treffen," sagt Bobrowski.

© SZ/ick/kast/hum

Corona-Krise
:Welche Regeln in Bayern gelten und was sich jetzt ändert

Mehr Gäste bei Hochzeits- und Geburtstagspartys, mehr Besucher in Kliniken und Heimen und wieder halbwegs normales Mannschaftstraining: Ein Überblick über die aktuellen Lockerungen und Einschränkungen.

Von Max Ferstl und Kassian Stroh

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite