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Corona-Krise:Tennisvereine sagen "Klagewelle" voraus

Haar, Sport- und Freizeitpark in Eglfing, Tennishallen,

Seit Freitag verboten: Die bayerischen Tennisspieler müssen sich derzeit ein Outdoor-Alternativprogramm suchen.

(Foto: Angelika Bardehle)

Im Sommer erlebten die Klubs einen Aufschwung, nun sind alle ihre Hallen wieder gesperrt und Existenzen bedroht. Sie drohen mit juristischen Schritten, die Aktiven fühlen sich vor den Kopf gestoßen.

Von Johannes Bauer

Es sind schon neidische Blicke, mit denen die bayerische Tennisszene gerade nach London blickt, wo Alexander Zverev ums Weiterkommen bei den ATP Finals kämpft. Denn der deutsche Ausnahmespieler darf damit exakt das tun, was Amateursportlern aktuell verwehrt bleibt: Tennis spielen. In einer Halle. "Das ist für uns natürlich fast eine Katastrophe", sagt Helmut Treutler, erster Vorsitzender der Tennisfreunde Dachau, über den Beschluss der Staatsregierung vom vergangenen Donnerstag. Der besagt, dass nur Schüler und Profisportler weiterhin Indoor-Sport betreiben dürfen, allen anderen ist das seit Freitag vergangener Woche verboten.

Tennistrainer Stefan Poguntke, der unter anderem in Dachau aktiv ist, dachte zunächst an einen schlechten Scherz, als er morgens beim Bäcker stand und die Meldung hörte. "Unverschämt" nennt er die Art und Weise, spät am Abend des einen Tages ein Verbot für Hallensport zu beschließen, das direkt am nächsten Morgen in Kraft tritt.

Der Entscheidung vorausgegangen war die Klage eines Fitnessstudiobetreibers, dem der Verwaltungsgerichtshof Recht gegeben hatte: Fitnessstudios müssten wieder öffnen dürfen, die bisherigen Schließungen seien als Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz zu verstehen. Zwar betonte Staatssekretär Klaus Holetschek, man hätte das Indoor-Sportverbot ohnehin bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz vorgeschlagen. Da diese am Montag allerdings weitestgehend ohne Beschlüsse endete, stellt sich schon die Frage: Wären die Tennishallen ohne das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs und die Reaktion der Staatsregierung heute noch offen?

"Da bin ich mir - wenn es das geben würde - zu 1000 Prozent sicher", antwortet Peter Aurnhammer, der Vizepräsident des Bayerischen Tennisverbands (BTV). Für die hiesige Tennisszene kommt das Hallensportverbot zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn in dieser Saison hatten wieder mehr Leute zum Schläger gegriffen, um das gelbe Filz über das Netz zu jagen. Der BTV spricht auf seiner Webseite von einem regelrechten "run". Der Dachauer Vereinspräsident Helmut Treutler kann das bestätigen: die Anlage sei "deutlich besser" ausgelastet gewesen als in den Vorjahren. BTV-Vize Aurnhammer präzisiert, dass die Zuwächse vor allem auf Leute mit einer gewissen Affinität zum Sport zurückzuführen seien, also zum Beispiel Eltern, deren Kinder bereits Tennis gespielt hätten. Aber gerade in der Zeit, als die Ausübung der meisten Mannschaftssportarten noch verboten war, habe sich der eine oder die andere gedacht: Tennis wäre eine Option.

Dabei musste sich auch der weiße Sport schon vor den Hallenschließungen einschränken. Doppel waren nur möglich, wenn alle Personen aus demselben Hauhalt kamen. Und sonst war nur noch Einzeltraining erlaubt - außer der Trainer sah lediglich von außen zu und gab Anweisungen. Dass das sonst sehr beliebte Mannschaftstraining dadurch ausfallen musste, kam bei einigen Mitgliedern der Vereine nicht gut an: "Man stößt teilweise auf Unverständnis", erklärt Trainer Poguntke. Trotzdem wären am Ende alle froh gewesen, sich überhaupt sportlich betätigen zu können.

Viele Vereine haben in Lüftungsanlagen investiert, jetzt fehlen ihnen die Einnahmen

Den Schwung aus der Freiluftsaison wollten die bayerischen Tennisvereine eigentlich mit in die Halle nehmen, was voraussichtlich gut geklappt hätte, wie Vereinspräsident Treutler berichtet: "Wir hätten letzten Samstag und Sonntag von sieben bis 24 Uhr sämtliche drei Plätze vermietet gehabt." Da war das Hallen-Sportverbot allerdings schon in Kraft getreten. Dabei hatten die Dachauer Tennisfreunde gerade kräftig ins Gelingen der diesjährigen Hallensaison investiert: 13 000 Euro kostete die neue Belüftungsanlage. "Nicht gerade ein Pappenstiel" für seinen Verein, sagt Treutler.

So wie den Dachauern geht es vielen bayerischen Vereinen, die einerseits in Belüftungsanlagen investiert haben und jetzt durch die fehlenden Einnahmen an Hallenmiete jeden Tag bares Geld verlieren. Sollte die Politik das Verbot nicht in absehbarer Zeit selbst zurücknehmen, werden die Vereine daher vielleicht nachhelfen.

Zu diesem Schluss kommt Treutler nach Absprache mit Kollegen. Er sieht sogar eine "Klagewelle", die auf die Staatsregierung zukommen könnte. BTV-Vizepräsident Aurnhammer berichtet von einer Präsidiumskonferenz ähnliches, trotzdem hoffe man noch auf eine Einsicht der Staatsregierung und die Rücknahme des Verbots bis spätestens zum 1. Dezember. Aber: "Wenn dem nicht so sein sollte, dann werden wir ganz klar entsprechend juristisch auch aktiv werden."

© SZ vom 19.11.2020/van
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