bedeckt München

Corona-Krise:Die Fitnessstudios zu schließen, ist falsch

Bund will Freizeiteinrichtungen weitgehend schließen

In einem Fitnessstudio zu trainieren, ist in Bayern nicht mehr möglich.

(Foto: dpa)

Trotz perfektionierter Hygienekonzepte müssen die Sportstudios geschlossen bleiben. Ein mickriger Beitrag zur Eindämmung des Virus - für die Gesundheit der Bürger könnte die Entscheidung jedoch negative Folgen haben.

Kommentar von Johann Osel

Auf dem Areal für Hantelstemmen und Gymnastik sind die einzuhaltenden Abstände markiert, jedes zweite Laufband ist gesperrt, der Gerätepark ist ausgedünnt, der Trinkbrunnen außer Betrieb. Digital konnte man zuvor prüfen, ob es bei limitierter Gästezahl überhaupt Zutritt gibt. Szenen vom Oktober, aus einem Münchner Fitnessstudio. Die Besucher absolvieren ihr Training als Einzelkämpfer, tragen Maske beim Stationswechsel, desinfizieren alles nach Gebrauch - falls mal nicht, kommt ein tadelnder Blick der Mitarbeiter. Vorsicht, Umsicht, Achtsamkeit, wie Ministerpräsident Markus Söder stets predigt, sind hier Maßstab. Achten auf den eigenen Körper. Und auf andere.

Die Fitnessstudios haben ihre Hygienekonzepte perfektioniert, bleiben aber trotzdem dicht. Das ist falsch. Man darf sie nicht länger als Vergnügungsstätten sehen - sie sind Gesundheitseinrichtungen. Klar sind Infektionen dort nie völlig auszuschließen. Doch unter strikten Regeln ist das Risiko reduziert. Die positiven Effekte des Sports dürften überwiegen: Eine gute Konstitution und ein fittes Herz-Kreislauf-System sind die beste Prävention gegen Erkrankungen, auch gegen Infekte der Atemwege. Orthopädische ohnehin: Schäden an Rücken und anderen Körperteilen zählen bekanntlich als wuchtige Kostenfaktoren in Gesundheitssystem und Volkswirtschaft.

Leute, die sich um ihren Körper kümmern, sind meist auch bei Corona sensibilisiert. Devise Disziplin. Prollige Pumperbuden, wo Burschen im Rudel posen, mag es geben; aber oft ist das ein Klischee. Es wäre Aufgabe des Staates, Studios streng zu kontrollieren. In der Gastronomie ging das ja auch, wenn Minuten nach der Sperrstunde die Polizei kam. Der Stopp für die Fitness-Branche ist wohl ein mickriger Beitrag zur Eindämmung des Virus - könnte jedoch für die Gesundheit der Bürger negative Folgen haben.

© SZ.de/kast/lot
Coronavirus · Unterricht in einer Schulklasse

Corona-Krise
:Diese Corona-Regeln gelten in Bayern

Die Restaurants zu, die Skilifte geschlossen, Wechselunterricht in Hotspots: Der Freistaat befindet sich im Teil-Lockdown. Ein Überblick über die aktuellen Einschränkungen und die, die noch kommen.

Von Max Ferstl und Kassian Stroh

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite