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Landkreis Aichach-Friedberg:Kollegen solidarisieren sich mit versetztem Amtsarzt Pürner

Leiter des Gesundheitsamtes Pürner

Der Amtsarzt Friedrich Pürner wurde nach seiner Kritik versetzt.

(Foto: dpa)

Pürner kritisierte die Corona-Politik der Staatsregierung und wurde daraufhin versetzt. Bislang 200 Mediziner bezeichnen das in einem offenen Brief als inakzeptabel und fordern, dass er wieder an alter Stelle eingesetzt wird.

Nach der Versetzung des schwäbischen Amtsarztes Friedrich Pürner an das Gesundheits-Landesamt haben sich zahlreiche Kollegen mit Pürner solidarisiert. In einem offenen Brief fordern die Mediziner, dass der Beamte künftig wieder als Leiter des Gesundheitsamtes im Landkreis Aichach-Friedberg eingesetzt wird. Bis Dienstag war das auf der Internetseite impf-info.de veröffentlichte Schreiben dort von mehr als 200 Ärzten aus ganz Deutschland unterzeichnet worden.

Pürner hatte sich kritisch mit der Corona-Politik der bayerischen Staatsregierung auseinandergesetzt und war infolgedessen von Aichach an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen versetzt worden. Er hatte unter anderem die bayerische Corona-Teststrategie als verfehlt kritisiert - genauso wie die seiner Ansicht nach sinnlose Maskenpflicht in Schulen und Kindergärten sowie die Schließung von Klassen oder ganzen Schulen wegen positiver Testergebnisse.

Der Amtsarzt betrachtet die Maßnahme gegen ihn als Strafversetzung. In dem Schreiben seiner Kollegen heißt es, dass die Versetzung ein "inakzeptabler autoritärer Versuch" sei, "legitime und in der aktuellen Situation besonders notwendige ärztlich-wissenschaftliche Diskussionen zu unterdrücken". Dass Pürner binnen einer Woche seinen Tätigkeitsort wechseln müsse, lege den Verdacht nahe, dass ein Exempel mit abschreckender Wirkung statuiert werden solle. "Dieses Vorgehen ist eines freiheitlich-demokratischen Staates in jeder Hinsicht unwürdig!"

© SZ.de/dpa/mmo
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