Sanierung Weltwunder mittelalterlicher Baukunst

Solche Legenden entstehen, wenn Menschen etwas Einzigartiges erschaffen. Als die Steinerne Brücke 1146 fertig war, nach angeblich elf Jahren Bauzeit, war sie die einzige Donaubrücke zwischen Ulm und Wien und galt als Weltwunder mittelalterlicher Baukunst. Noch vier Jahrhunderte später schrieb der Dichter Hans Sachs: "Der prueck gleicht kaine in Deutschland." In Auftrag gaben den Bau Regensburger Kaufleute, Bayernherzog Heinrich der Stolze förderte sie. Das Geld für den Bau war da, wegen seiner verkehrsgünstigen Lage am nördlichsten Donaupunkt gehörte Regensburg zu den reichsten Städte Europas - und wurde durch die Brücke immer reicher, weil sie noch mehr Handelsverkehr durch ihre Stadt lenkte. Den Regensburgern gewährte Kaiser Friedrich I. Barbarossa das Privileg, Maut zu erheben und die Brücke zu verwalten.

Sie zog nicht nur Händler an, auch Bettler, Gaukler, Feldherren. Über die Brücke brachen König Konrad III. (1147) und Kaiser Barbarossa (1189) zu ihren Kreuzzügen in den Orient auf. Die Brücke steht für die Größe, die Regensburg hatte. Römerstadt, Bischofsstadt, Kaiserstadt. Regensburg war das Brüssel des Mittelalters, die Gesandten der europäischen Herrscher trafen sich hier, im Immerwährenden Reichstag. Heute treffen sich an der Steinernen Brücke nicht nur die Regensburger, sie übt auch eine Anziehung auf Touristen aus. Am Südende steht die älteste Bratwurstküche der Welt. In der "Wurstkuchl" sollen sich bereits die Erbauer der Brücke für ihre harte Arbeit gestärkt haben.

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Regensburg

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Aus Grünsandstein und Kalkstein schufen sie einen Koloss. 100 000 Tonnen Baumasse, 336 Meter lang, 14 Pfeiler und 16 Bögen, von denen noch 15 sichtbar sind. Die Steinerne Brücke war Vorbild für Brückenbauten in Prag, London, Avignon. Im Dreißigjährigen Krieg wurde einer der Bögen gesprengt, um die Schweden abzuwehren; Ende des Zweiten Weltkrieges jagten deutsche Truppen gleich vier Bögen in die Luft, um den Vormarsch der Amerikaner zu behindern. Bis 1967 wurden sie erneuert, auch zuvor gab es immer wieder Sanierungs- und Ausbesserungsarbeiten, vor allem an der Brückenoberfläche. Doch eine so umfassende Instandsetzung wie in den vergangenen acht Jahren hat die alte Brücke noch nie erlebt.

Sie hat einen neuen Belag bekommen, eine neue Brüstung, Hunderte Steine wurden teils oder komplett ausgetauscht, Tausende Schadstellen mit Steinersatzmasse aufgefüllt. Rund 20 Millionen Euro hat die Sanierung nach Angaben der Stadt gekostet. Sie war dringend notwendig. Feuchtigkeit, Salz und Frost hatten dem Mauerwerk ebenso zugesetzt wie die Autos und Busse, die erst in den vergangenen gut zwei Jahrzehnten von der Brücke verbannt wurden. Auch jetzt, nach der Sanierung, bleibt sie allein den Fußgängern und Radfahrern vorbehalten.

Mit dem offiziellen Ende der Sanierung kehrt auch das Bruckmandl auf die Brücke zurück - jene Sandsteinfigur, die ihren Platz auf dem Brückenscheitel hat und den Brückenbaumeister aus der Teufelslegende symbolisiert. Irgendwer hatte der Figur im Dezember 2012 den rechten Arm abgeschlagen. Bei der Brückeneröffnung am Sonntag wird das reparierte Bruckmandl enthüllt. Es wird wie eh und je die Handkante an die Stirn halten und nach Süden blicken. Um nachzuschauen, ob der Dom immer noch wächst.

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