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Augsburg:Stadtbummel mit Unkostenbeitrag

Magdalenenfest in München, 2020

Eine Innenstadt mit Fahrgeschäften gibt es dieser Tage in einigen Orten.

(Foto: Robert Haas)

So ein Volksfest ist in jeder Hinsicht eine klar abgegrenzte Belustigung: zeitlich wie räumlich. Nur eben derzeit nicht. Und plötzlich muss man mit Kind völlig neue Wege einschlagen.

Kolumne von Florian Fuchs

Früher, als Massenaufläufe noch als Volksfeste und nicht als potenzielle Corona-Hotspots bezeichnet wurden, fanden solche Festivitäten zu klar umrissenen Zeiten auf klar umgrenzten Arealen statt. Es galt unter Volksfest- Exegeten bislang als gesichert, dass dies vor allem deshalb sinnvoll war, weil so die Besoffenen besser unter Kontrolle waren und die übrige Bevölkerung nicht weiter belästigt wurde. Inzwischen ist klar, dass Volksfestplätze am Rand der Innenstadt vor allem stressgeplagten Eltern zugute kommen: Wer nicht weiß, wohin mit dem Balg, sucht den Rummelplatz auf. Im Gegenzug ist es auch zu Volksfestzeiten gefahrlos möglich, durch den Rest der Stadt zu flanieren, ohne alle paar Meter an einem Karussell oder Zuckerwattestand Halt zu machen.

Nun ist alles anders, zumindest bis Ende September. Solange dürfen Schausteller mangels Volksfesten etwa in Augsburg ihre Attraktionen in die Innenstadt stellen, was nachhaltige Auswirkungen mit sich bringt für Eltern einer, sagen wir, zweieinhalb Jahre alten Tochter. So ein Stadtbummel zwischen Königsplatz, Moritzplatz und Rathausplatz muss nun minutiös geplant werden. Der Weg zur Maximilianstraße etwa führt eigentlich vom Königsplatz durch die Bürgermeister-Fischer-Straße.

Momentan ist jedoch ein Umweg über die Annastraße und den Fuggerplatz anzuraten. Alles andere würde zu einer nicht hinnehmbaren Verzögerung von 20 Minuten und etwa zehn Euro Unkostenbeitrag für diverse Karussellfahrten im "Zauberschloss" führen. Stattdessen ist nur eine etwa zehn Minuten lange Diskussion in Kauf zu nehmen, warum der Verzehr von Popcorn und Lebkuchenherzen nicht dem kindgerechten Ernährungsplan entspricht.

Augsburger Stadtsommer nennt das Rathaus den durchaus geglückten Versuch, seinen darbenden Schaustellern zu coronabedingt dringend benötigten Einnahmen zu verhelfen. Und dennoch war die Sehnsucht der Eltern nach dem Winter nie größer. Dann ist es wieder möglich, ein paar Kinderschuhe zu kaufen, ohne eine Fahrt im "Orientzauber" zu ermöglichen. Müssen die Kinder ja nicht erfahren, dass das Kettenkarussell am Rathausplatz in der Abendsonne trotz allem wirklich toll aussieht. Und ziemlich viel Spaß macht.

© SZ vom 30.07.2020/vewo

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