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Corona-Krise in Augsburg:Theatersanierung wird wegen akuter Finanznot immer heikler

Die Sanierung des Augsburger Staatstheaters wird deutlich teuer als ursprünglich gedacht. (Archivbild)

(Foto: Florian Fuchs)

Die Probe- und Büroräume des Staatstheaters werden definitiv teurer als gedacht. Ende Juli steht nun eine schwierige Entscheidung an.

Die Sanierung des Staatstheaters ist ein heikles Thema in Augsburg, und deshalb hat die neue Stadtregierung am Mittwoch im Sitzungssaal des Rathauses eine Präsentation mit vielen Zahlen, Übersichten und Diagrammen aufgefahren. Das Bauteil II, also unter anderem die Probe- und Büroräume, werden teurer als gedacht. 2019 beauftragte der Stadtrat deshalb Verwaltung und Architekten, eine abgespeckte Variante neu zu planen. Nun steht fest: Recht viel billiger wird es nicht. Ende Juli steht in Augsburg deshalb nun eine schwierige Entscheidung an: Wie soll mit der Renovierung weiter verfahren werden, gerade auch wegen der finanziellen Engpässe durch die Corona-Krise?

Auch der neue Finanzreferent Roland Barth war deshalb gekommen, er zeichnete ein düsteres Bild der kommunalen Finanzen: 40 Millionen Euro weniger Gewerbesteuer, 13 Millionen weniger Einkommensteuer, so die Prognosen. Die Stadt müsse deshalb Projekte schieben, kündigte Oberbürgermeisterin Eva Weber an. Gerade Schulsanierungen und die Kultur wolle sie aber weitgehend unangetastet lassen. Das Staatstheater steht ihrer Ansicht nach für "den Stolz der Augsburger". Die Kosten für die Sanierung, diesen Eindruck zu vermitteln war ihr offenbar wichtig, wolle sie also tragen, trotz der Krise. Die Frage über den Juli hinweg wird sein, welche Fraktionen in Augsburg ihr auf diesem Weg folgen wollen.

Der Schock nämlich saß tief im Sommer 2019, als es hieß, dass die ursprünglich veranschlagten 72 Millionen Euro eher 125 Millionen werden, bei abgespecktem Bau immer noch 93 Millionen. Bauteil I, also das sogenannte Große Haus mit der Hauptspielstätte, bleibt wohl im Kostenrahmen von 113,5 Millionen Euro. Architekten und Verwaltung haben nun noch einmal alles genau durchgerechnet. Die Zahlen, sagt Baureferent Gerd Merkle, "sind erschreckend". Selbst die abgespeckte Variante sei nicht unter einem Preis von 115 Millionen Euro zu bauen, ohne nicht hinnehmbare Abstriche bei Akustik, Bühne oder Belüftung zu machen. Und da seien die Baupreissteigerungen der nächsten Jahre gar nicht eingepreist, die je nach Marktlage auf 2,5 bis fünf Prozent pro Jahr taxiert werden. Weber und Merkle verdeutlichten, dass diese Preissteigerungen kommen werden und deshalb am Ende sogar ein Gesamtpreis der Sanierung für Bauteil I und II zwischen 283 und 321 Millionen Euro stehen kann. "Der Juli wird ein Kultur-Juli werden", sagte Weber. Sie meinte damit vor allem die Diskussionen über die Sanierung: Es wird wohl Streit geben mit den Projektkritikern.

© SZ vom 25.06.2020/aner
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