Mitten in Augsburg:Augsburg belohnt Grundschüler, die nicht von den Eltern kutschiert werden

Mitten in Augsburg: Schulkinder auf ihrem morgendlichen Weg zum Unterricht. Wer ihn regelmäßig zu Fuß zurücklegt, bekommt von der Stadt Augsburg eine Belohnung.

Schulkinder auf ihrem morgendlichen Weg zum Unterricht. Wer ihn regelmäßig zu Fuß zurücklegt, bekommt von der Stadt Augsburg eine Belohnung.

(Foto: Peter Kneffel/picture alliance/dpa)

Kinder, die den Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen, bekommen für jeden Tag einen Stempel. Und dürfen am Ende auf einen Preis hoffen.

Von Florian Fuchs

Die Bild hat ein Fest daraus gemacht, im Spätsommer vergangenen Jahres. Die Ferien waren gerade vorüber, die Schule startete - und schon stehen alle im "Elterntaxi-Stau". Und zwar nicht irgendwelche Fahrzeuge, sondern "Elektro-Riesen, Sportwagen, Geländewagen". Sind in dem Fall ja auch nicht irgendwelche Eltern gewesen, die ihre Kinder zur Schule fahren, sondern Eltern aus dem Taunus. Und es war auch nicht irgendeine Schule, vor der es sich morgens zum Schulstart plötzlich wieder 400 Meter lang staute, vor der es hupte, vor der Motoren heulten, sondern eine Privatschule. Reiche Geldsäcke kutschieren ihre Wohlstandsgören in die Eliteschule, sollte das heißen. Bus und Bahn dagegen seien leer.

Man muss sich für derlei Beobachtungen nicht vor eine Privatschule stellen, man entdeckt ganz leicht auch Autos mit kleiner Knautschzone im morgendlichen Schulverkehr. Und man muss gewiss nicht nach Hessen schauen, das Phänomen ist in Bayern in etwa genauso alt. Selbst in Augsburg sind die sogenannten Elterntaxis ja berüchtigt. Dabei ist die Schwabenmetropole laut Eigenbeschreibung so einkommens- und auch sonst finanziell schwach, dass man manchmal glauben müsste, SUVs kennen die Leute hier nur vom Hörensagen. Ist natürlich nicht so, weshalb die Stadt nun aktiv dagegen vorgeht, dass so viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, anstatt sie zu Fuß laufen zu lassen. Und das in der Großstadt, wo die Wege lange nicht so weit sind wie auf dem Land.

"Lass das Elterntaxi stehen" heißt die Kampagne an Augsburger Grundschulen, die Kinder animieren soll, den Schulweg zu Fuß zurückzulegen. Für jeden Tag, an dem ein Kind den Schulweg ohne Auto schafft, darf es sich in eine Bonuskarte einen Stempel eintragen lassen. Am Ende des Schuljahres sind alle voll gestempelten Karten Teil einer Verlosung. Die Preise: Eintrittskarten fürs Schwimmbad, für Museen und wohl auch für Spiele des FC Augsburg. Die Schule, die die meisten voll gestempelten Karten sammelt, erhält einen Sonderpreis.

"Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bringen, gefährden andere Schulkinder, wenn das Verkehrsaufkommen unübersichtlich wird", sagt Bildungsreferentin Martina Wild. Mit Schulstart seien die Kinder alt genug, den Weg zur Schule und zurück alleine zu gehen. Damit möglichst viele Eltern diese Ansicht teilen, könnten allerdings Stempelkarten für Erwachsene nötig werden.

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