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Katholische Kirche:Bischof Zdarsa geht ohne Schmerz

Der katholische Bischof Konrad Zdarsa predigt im Weihnachtsgottesdienst am 25 12 2018 im Augsburger

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa gilt als konservativ. Zuletzt distanzierte er sich vom synodalen Weg der Bischofskonferenz.

(Foto: Annette Zoepf/imago)

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa verabschiedet sich in den Ruhestand. Darüber scheinen weder er noch die Gläubigen sehr betrübt zu sein.

Vielleicht war die Fronleichnamsprozession kürzlich noch einmal Sinnbild für die Amtszeit von Bischof Konrad Zdarsa in Augsburg. Die Innenstadt hatte sich herausgeputzt, die Prozession sollte an der Maximilianstraße entlang zum Herkulesbrunnen führen. Doch dann regnete es während des Gottesdienstes, kein großes Donnerwetter, eher ein Nieseln. Die Prozession wurde umgeplant. Sie fand nicht draußen statt, bei den Leuten, sie blieb drinnen, im Dom.

Der Bischof bleibt auch lieber drinnen, er steht nicht gerne in der Öffentlichkeit, kapselt sich ab. Das sind die Sätze, die zum Abschied zu hören sind im Bistum. Anlässlich seines 75. Geburtstags hatte Zdarsa dem Papst seinen Rücktritt angeboten, wie üblich. Am Donnerstag wurde er angenommen. Am Sonntag feiert Zdarsa noch einen Gottesdienst, dann wird er in seine Heimat zurückkehren, nach Dresden, in den Ruhestand. Der Bischof macht keinen traurigen Eindruck darüber, Augsburg den Rücken zu kehren. Das hat er gemeinsam mit zahlreichen Gläubigen in Schwaben: Zwar hat sich Zdarsa klar abgegrenzt vom Pomp und den Eskapaden seines Vorgängers Walter Mixa, das halten ihm alle zugute. Im Bistum war es deutlich ruhiger die vergangenen Jahre, richtig vorangebracht hat er es allerdings auch nicht.

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Die Überraschung war groß im Jahr 2010, als Papst Benedikt XVI. Zdarsa nachdem Amtsverzicht Mixas wegen Prügelvorwürfen nach Augsburg berief. Im Ordinariat sollen sie erst einmal gegoogelt haben, wer das überhaupt ist. Zdarsa, fanden sie heraus, war in der DDR aufgewachsen, durfte dort das Abitur nicht machen und absolvierte stattdessen eine Lehre zum Drechsler. Später holte er die Hochschulreife nach. Er ist der Cousin von Thomas Goppel, damals CSU-Landtagsabgeordneter und Sprecher der Christsozialen Katholiken.

Vor allem aber stand er als Bischof dem kleinsten deutschen Bistum in Görlitz vor, damals knapp 30 000 Katholiken, 23 Pfarreien, 37 aktive Priester. Da fragte sich mancher, ob er mit den knapp 1,3 Millionen Gläubigen in Augsburg zurechtkommen würde. Zumal Kirchenmitarbeiter in Görlitz damals über Zdarsa urteilten, dass er theologisch sehr konservativ sei, manchmal überfordert und nicht einmal die wenigen Mitarbeiter dort alle kenne.

Die Warnungen, so sagen es heute einige Beobachter, waren berechtigt. "Am Anfang hat er einen freundlichen Umgang mit den Leuten gepflegt", sagt Herbert Tyroller von der Basisbewegung "Wir sind Kirche", am Ende habe er sich dann immer mehr abgekapselt. "Lasst uns beginnen, neu einander zu begegnen", sagte er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt vor neun Jahren in Augsburg. Ein Hirtenbrief damals erregte allerdings Anstoß: "Dabei möchte ich nicht unterschlagen", schrieb er, "dass die Rede nach Art des Guten Hirten auch das richtungsweisende, notfalls gebietende Wort kennt." Da war dann klar, dass er Reformbestrebungen innerhalb der Kirche eher nichts abgewinnen kann.

Als der damals noch kirchliche Weltbild-Verlag nicht mehr zu retten war, äußerte er sich zunächst wochenlang nicht. Die Gewerkschaft war nicht gut auf ihn zu sprechen, bis er sich dafür einsetzte, die Insolvenz auf einen geordneten Weg zu bringen. Die Strukturreform in seinem Bistum packte er an, wegen Priestermangels wollte er größere Pfarrverbände gründen. Damit machte er sich keine Freunde. Vor allem auch deshalb nicht, weil er gemeinsam mit der Strukturreform verlautbaren ließ, dass Wort-Gottes-Feiern, also priesterlose Feiern, am Sonntag verboten sind.

Stattdessen sollten die Gläubigen halt kilometerweit zur Heiligen Messe fahren, wenn im Dorf ein Geistlicher fehlt. Bei einer großen Demonstration dagegen, erinnert sich Herbert Tyroller, hat der Bischof damals kurzerhand den Dom abgesperrt, damit niemand mehr reinkommt von den Protestlern. "Wegen Reinigungsarbeiten", sagt Tyroller und lacht.

Zdarsa steht nicht gerne im Mittelpunkt, ist im kleinen Kreis aber durchaus zugewandt, humorvoll. Fühlt er sich sicher, öffnet er sich, so beschreiben es Leute, die mit ihm gearbeitet haben. Mit den Medien allerdings hat Konrad Zdarsa nie gerne gesprochen, auch jetzt zum Abschied zeigt er keine Lust. Wenn es denn unbedingt sein musste, hat er sich vor allem an die kirchlichen Medien gehalten. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die FAZ ihn noch im vergangenen Jahr "Zsarda" genannt hat: Man kennt ihn einfach kaum. Wegbegleiter erinnern an seine Vergangenheit in der kirchenfeindlichen DDR, wenn sie seine Zurückhaltung im Umgang mit den Medien erklären wollen und seine Abneigung, sich zu gesellschaftspolitischen Debatten zu äußern.

Vielleicht aber, sagen selbst die, die seinen Kurs nicht wertschätzen, sei das auch eine Stärke des Bischofs gewesen. Dass er das Bistum beruhigt hat, dass er es die meiste Zeit aus großen Diskussionen herausgehalten hat. Vielleicht hat es das gebraucht nach dem umstrittenen Mixa. Er habe das Bistum befriedet, im Vergleich und in klarer Abgrenzung zu seinem Vorgänger, dem er auch kürzlich noch einmal über den Mund gefahren ist. Mixa wollte bei einer Wahlkampfveranstaltung der AfD auftreten, Zdarsa rüffelte ihn, Mixa zog zurück. Aber nun sei auch die Zeit gekommen für einen jüngeren Bischof, der neue Aspekte einbringe und sich offener zeige, wieder auf die Leute zugehe. "Mehr Dialogbereitschaft", das fordern viele.

Der Katholischen Nachrichtenagentur hat der Bischof kurz vor seinem Abschied noch einmal Rede und Antwort gestanden. Was er dabei sagte, hat zum Abschluss dann doch noch einmal hohe Wellen geschlagen, nicht im positiven Sinn: Zdarsa distanzierte sich vehement vom synodalen Weg, den die Deutsche Bischofskonferenz vor Kurzem zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals beschlossen hatte, und stellte klar, dass er sich bei der Abstimmung enthalten hat. "Ich möchte mich von den Äußerungen mancher Mitbrüder nicht vereinnahmen lassen, weil ich zu manchen Dingen eine dezidiert andere Meinung habe", betonte Zdarsa. "Dieses undisziplinierte Daherreden ist eines der größten Probleme."

Der nächste Bischof könnte vergleichsweise jung sein

Das ist eben nicht die Dialogbereitschaft, die seine Kritiker vom künftigen Bischof einfordern. Es gibt Spekulationen über den einen oder anderen Kandidaten, der Passauer Bischof Stefan Oster zum Beispiel ist so einer, einst in Augsburg zum Priester geweiht - aber auch nicht als Reformer bekannt. Eine bistumsinterne Lösung könnte der Augsburger Domdekan Bertram Meier sein, der in Rom gut vernetzt ist. Der bisherige Münchner Generalvikar Peter Beer wird ebenfalls als Kandidat gehandelt, sein Abschied als Generalvikar ist bereits beschlossen.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind allerdings alle Namen Spekulationen, in Rom wird vor der Sommerpause sicher nichts entschieden. Die Ernennung des neuen Bischofs bis Weihnachten wäre rasch, Ostern ist als Zeitrahmen realistischer. Nun ist der Bischofsstuhl vakant, bis das Domkapitel einen Diözesanadministrator wählt, führt Weihbischof Anton Losinger die Geschäfte. Einig sind sich Beobachter, dass der Papst einen vergleichsweise jungen Bischof nach Augsburg schicken wird, wie bei den Bischofsernennungen in jüngster Zeit, in Würzburg etwa, Hildesheim oder Fulda. Es sollte einer sein, der auf die Menschen zugeht und mit den Menschen kann, sagen nicht nur Kritiker wie Herbert Tyroller.

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