Verwaltungsgerichtshof Bund Naturschutz klagt gegen Abriss des stillgelegten Atomkraftwerks Isar 1

Der geplante Abriss des Kernkraftwerks Isar 1 (rechts im Bild) wird nun vor Gericht verhandelt.

(Foto: Armin Weigel/dpa)
  • Vor knapp zwei Jahren wurde der Abriss des stillgelegten Atomkraftwerks Isar 1 genehmigt.
  • Der Bund Naturschutz klagt dagegen, weil noch Unmengen von abgebrannten Brennelementen im Abklingbecken des AKW lagern.
  • Das sieht BN-Chef Mergner als unkalkulierbares Sicherheitsrisiko.
Von Christian Sebald

Es ist fast zwei Jahre her, dass die damalige Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) den Abriss des stillgelegten Atomkraftwerks Isar 1 genehmigte. Von Dienstag an findet vor dem Verwaltungsgerichtshof München die Verhandlung über die Klage des Bund Naturschutz (BN) gegen den Bescheid statt. Im Zentrum steht, dass Abrissarbeiten stattfinden dürfen, während noch Unmengen von abgebrannten Brennelementen im Abklingbecken des AKW lagern. Für BN-Chef Richard Mergner nimmt der Freistaat damit unkalkulierbare Sicherheitsrisiken in Kauf. Das Umweltministerium bestreitet dies. "Beim Abbau der Anlage hat die Sicherheit oberste Priorität", sagt ein Sprecher. Solange abgebrannte Brennelemente in dem Abklingbecken seien, "dürfen nur Maßnahmen durchgeführt werden, die keine Auswirkung auf deren sichere Lagerung haben".

Das Abklingbecken von Isar 1 gilt seit langem als eine der größten Schwachstellen der Anlage. Denn es liegt außerhalb des Sicherheitsbehälters, ist also vergleichsweise schlecht geschützt - vor dem Absturz eines Flugzeugs zum Beispiel. Lange Zeit lagerten in dem Becken 1700 abgebrannte, hochstrahlende Brennelemente mit einem Gesamtgewicht von ungefähr 300 Tonnen. Für Experten wie Wolfgang Renneberg, den ehemaligen Chef der Abteilung Reaktorsicherheit, Strahlenschutz und Entsorgung am Bundesumweltministerium (BMU), und den Physiker Wolfgang Neumann, der etlichen Atom-Gremien des BMU angehörte, war dies stets einer der Gründe, warum sie Isar 1 nicht für sicher genug hielten - und zwar schon bevor das AKW im Zuge der Energiewende Ende Juni 2011 als eine der ersten Atomanlagen in Deutschland stillgelegt wurde.

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Siebeneinhalb Jahre nach der Stilllegung des AKW liegen deshalb immer noch abgebrannte Brennelemente in dem Abklingbecken, weil lange Zeit keine Castoren zur Verfügung standen, in die das hoch radioaktive Material umgeladen und in das Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände gebracht werden konnte. Der Engpass war so groß, dass der Isar-1-Betreiber Preußen-Elektra, in die der Energieriese Eon seine Atomsparte ausgegliedert hat, ursprünglich damit rechnete, dass die Brennstäbe erst bis 2020 aus dem Abklingbecken entfernt und umgelagert werden können.

Inzwischen ist der Engpass beseitigt. Im August 2017 erteilte das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit die letzten Genehmigungen für die Nutzung der neuen Castoren. "Seit der Erteilung dieser Genehmigung werden die Brennelemente kontinuierlich aus dem Lagerbecken entladen und in das Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände gebracht", sagt ein Ministeriumssprecher. "Voraussichtlich Ende 2019 wird Isar 1 frei sein von Brennelementen." Laut Bundesregierung lagerten Mitte November noch 1031 der ursprünglich etwa 1700 Brennelemente im Abklingbecken.

Die Brennelemente und das Abklingbecken sind nur ein Aspekt in der Klage, hält der BN doch auch die Mengen an Radioaktivität für zu hoch, die während des Abrisses in die Umwelt gelangen dürfen. Außerdem geht es dem BN um das Abbruchmaterial. Nach Angaben von Preußen-Elektra summiert sich die Gesamtmenge auf 224 000 Tonnen. 200 000 Tonnen seien radioaktiv unbedenkliche Überreste der Gebäude. Gut 20 000 Tonnen Material sind kontaminiert, könnten aber gereinigt werden, sagt Preußen-Elektra. 3400 Tonnen radioaktiv belastetes Material sollen einmal in das Endlager in Schacht Konrad gebracht werden. Die 300 Tonnen abgebrannte Brennelemente sind in diesen Mengen nicht enthalten. Der BN freilich misstraut dieser Rechnung.

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