Ermittlungen Prügelattacke von Amberg: Angriffe auf Passanten waren willkürlich

In dieser Unterführung nahe dem Amberger Bahnhof soll eine Gruppe junger Flüchtlinge im Dezember wahllos Menschen angegriffen haben.

(Foto: dpa)
  • Drei Monate nach den Prügelattacken von jungen Flüchtlingen auf Passanten in Amberg sind die Ermittlungen gegen die vier Männer aus Afghanistan und Iran abgeschlossen.
  • Die Angriffe waren nach Erkenntnissen der Ermittler weder verabredet noch in der Form geplant gewesen.
  • Die Staatsanwaltschaft hatte vergangene Woche Anklage erhoben.
  • Der Vorfall hatte bundesweit eine Debatte über Kriminalität von Migranten und nicht vollzogene Abschiebungen ausgelöst.
Von Johann Osel

Die Prügelattacken von jungen Flüchtlingen auf Passanten in Amberg waren nach Erkenntnissen der Ermittler weder verabredet noch in der Form geplant gewesen. Das teilten Staatsanwaltschaft und Polizei bei einer Pressekonferenz am Montag mit. Die vier jungen Männer aus Afghanistan und Iran - im Alter von 17 bis 19 Jahren - sollen Ende Dezember in der oberpfälzischen Stadt willkürlich Personen angegriffen haben. Der Vorfall hatte bundesweit eine Debatte über Kriminalität von Migranten und nicht vollzogene Abschiebungen ausgelöst.

Den Männern werden nun gut zwei Dutzend Einzelstraftaten vorgeworfen, bei denen 21 Menschen körperlich und psychisch zu Schaden kamen - darunter auch Polizisten beim Versuch, die Aggressoren zu stoppen. 15 konkret körperlich Verletzte erlitten leichte bis mittelschwere Blessuren, überwiegend Hämatome; am gravierendsten war ein Verdacht auf Gehirnerschütterung. Bereits vergangene Woche erhob die Staatsanwaltschaft beim Jugendschöffengericht Anklage vor allem wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung, hinzu kommen Delikte wie Beleidigung und Nötigung. Über die Zulassung ist noch nicht entschieden.

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Über Monate wurde die Tat rekonstruiert, die Ermittlungen sind abgeschlossen. Hilfreich waren offenbar Videoaufnahmen vom Bahnhof, wo der Abend seinen Anfang hatte, außerdem Zeugen und Handyfilme. Demnach haben die Beschuldigten aus einer größeren Gruppe heraus agiert, die sich aus Einrichtungen für minderjährige Flüchtlinge kannten; Amberg soll den Männern aus der Region als Treff gedient haben, wegen der Anbindung. Die Täter seien alkoholisiert gewesen, drei hätten unter Drogen gestanden - dann sei die Lage "eskaliert", ein Auslöser für die Attacken kann nicht ausgemacht werden; "ein klassisches Motiv fehlt", sagte der Amberger Kripo-Chef Gerhard Huf. Die Beschuldigten schweigen. Sie waren schon davor polizeibekannt.

Am Montag wurde ein getrennter Tatverlauf bestätigt, wie ihn die SZ zuvor aus Ermittlerkreisen erfahren hat. So handelte es sich nicht um eine durchgehende, amoklaufartige Prügelei, sondern die Männer sind zu zwei Zeitpunkten auf Bürger losgegangen: zuerst am Bahnhof, woraufhin sie flohen, und nach einer Pause von mehr als einer Stunde erneut. Phase eins bestand aus Ohrfeigen und Pöbeln, später wurde das Vorgehen "enthemmter", so die Kriminalpolizei. Direkt nach der Tat war der Polizei mitunter vorgeworfen worden, nicht eingegriffen zu haben. Tatsächlich scheint das bis zum Aufspüren der Gruppe schlicht nicht möglich gewesen zu sein.

Die lokale Nachricht war Ende Dezember zum Streit mit verhärteten Fronten geworden, die 44 000-Einwohner-Stadt geriet deutschlandweit in den Fokus. AfD-Landtagsabgeordnete rund um Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner fuhren nach Amberg, um nach den "Hetzjagden", wie sie es nannte, die Lage zu prüfen. Damals tobte die Debatte um die "Hetzjagden" von Chemnitz, als es nach einem Tötungsdelikt durch Flüchtlinge zu Ausschreitungen von Neonazis gekommen war. Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU) sah sich im Internet rüden Attacken ausgesetzt. Er hatte Härte der Justiz gefordert, jedoch gewarnt: "In der Gänze haben diese Idioten aber auch den friedlichen und engagierten Asylbewerbern einen Bärendienst erwiesen." Man müsse sich bei der Bewertung der Taten auch von der Herkunft der Beschuldigten lösen, so die Staatsanwaltschaft. Auch unter deutschen Jugendlichen gebe es eskalierende Gewalt in Gruppen - dennoch habe in dem Fall "die Intensität" der Taten überrascht.

Damals hatten der Bundes- und der Landesinnenminister, Horst Seehofer und Joachim Herrmann (beide CSU), Konsequenzen für den Aufenthalt der Täter gefordert. Gleichwohl musste das bayerische Ministerium einräumen, dass Abschiebungen damals rechtlich unmöglich waren; etwa wegen Minderjährigkeit und fehlender Passpapiere. Die Asylanträge aller Beschuldigten sind inzwischen abgelehnt. Die Staatsanwaltschaft ist gegen eine Abschiebung, um das Verfahren ordnungsgemäß durchzuziehen. Nach einem Urteil müssten die Asyl-Behörden entscheiden. Eine Entscheidung über das Hauptverfahren wird bereits demnächst erwartet.