Natur Der Ahorn ist gefährdet

Der Ahorn-Stammkrebs tritt in etwa drei Metern Höhe auf. Bisher wurde er nur an der Isar um München gefunden.

(Foto: Nicole Burgdorf/LWF)
  • Zwei Krankheiten machen dem Ahorn zu schaffen: der Ahorn-Stammkrebs aus Nordamerika und die Rußrindenkrankheit.
  • Ersterer wurde bislang nur an der Isar um München gefunden. Ein befallener Baum ist unheilbar krank.
  • Die Rußrindenkrankheit ist vor allem in Franken verbreitet. Sie kann bei Menschen Reizhusten, Fieber, Schüttelfrost und Atemnot auslösen.
Von Christian Sebald

Der Bergahorn, der Spitzahorn und der Feldahorn zählen zu den heimischen Baumarten, die mit dem Klimawandel einigermaßen zurechtkommen. Der Bergahorn, der bis zu 40 Meter hoch und 500 Jahre alt werden kann, ist die mächtigste der drei Arten. Und er ist ein prächtiger Anblick, vor allem im Herbst, wenn sich sein Laub intensiv goldgelb färbt. Das ist es aber nicht alleine, warum der Ahorn so beliebt ist. Möbelschreiner, Treppenbauer und Parketthersteller verwenden gerne Ahornholz, weil es hart und stabil ist. Außerdem gelten Ahornbäume traditionell als wenig anfällig für Schädlinge. Letzteres ändert sich offenbar gerade. Neuerdings setzen dem Ahorn in Bayern zwei Pilze zu: der Ahorn-Stammkrebs aus Nordamerika und die Rußrindenkrankheit. Sie ist schon länger bekannt, nun aber erstmals in Bayern aufgetreten - und zwar in Franken.

Der Ahorn-Stammkrebs dagegen ist bisher nur entlang der Isar südlich und nördlich von München nachgewiesen worden. "Sein Erreger Eutypella parasitica stammt aus Nordamerika", sagt Ludwig Straßer. "Nach Europa ist er durch Importe von Pflanzen oder von Holz gekommen." Straßer ist Forstwissenschaftler. Er arbeitet an der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft und beschäftigt sich mit dem Ahorn-Stammkrebs, seit dieser 2013 erstmals in München aufgetreten ist. Der Ahorn-Stammkrebs infiziert Bäume über Astabbrüche oder andere Wunden und breitet sich ungefähr ein bis zwei Zentimeter im Stammholz aus. Natürlich versucht sich der Baum gegen den Pilz zu wehren - indem er ihn überwuchert.

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Dieser Stammkrebs, der meistens in drei Metern Höhe auftritt, ist bis zu einem halben Meter groß und hat in aller Regel eine elliptische Form. Befallene Bäume sind unheilbar krank. "Sie sollten deshalb schleunigst entfernt werden", sagt Straßer. "Den Stammkrebs sollte man heraussägen und verbrennen lassen." Denn die Fruchtkörper von Eutypella parasitica stellen eine permanente Infektionsgefahr für andere Ahornbäume dar. "Das Ausbreitungsrisiko ist hoch", sagt Straßer. Zwar ist der Ahorn-Stammkrebs bisher tatsächlich erst in der Region München nachgewiesen. Aber Straßer geht davon aus, dass er auch in anderen Regionen Bayerns anzutreffen ist. "Man müsste nur gründlich nachforschen", sagt der Experte. "Dann würde man ihn schon finden."

Ähnlich dürfte es sich mit der Rußrindenkrankheit verhalten. Sie ist im Sommer 2018 erstmals in Unterfranken aufgetreten, nun ist sie auch in Mittel- und Oberfranken nachgewiesen worden. Ihr Erreger ist der Pilz Cryptostroma corticale. Er befällt die Ahornbäume über kleine Wunden an den Stämmen. Seine dunklen Sporen - von ihnen rührt der Name Rußrindenkrankheit - bilden unter der Rinde einen bis zu einem Zentimeter dicken dunklen Belag. Schon bei Ausbruch der Krankheit lassen die Bäume die Blätter fallen, kurz darauf sterben selbst starke Äste ab und es zeigen sich Risse an der Rinde. In einem späteren Stadium platzen von den Stämmen große Rindenstücke ab, der dunkle Sporenbelag liegt offen da. Die Sporen können auch für den Menschen gefährlich werden. Ihr Einatmen kann eine Entzündung der Lungenbläschen auslösen. Die Symptome sind Reizhusten und Fieber aber auch Schüttelfrost und Atemnot.

Schwerpunkt der Rußrindenkrankheit ist nach wie vor Unterfranken. "Vor allem die fränkische Platte um Würzburg, Schweinfurt, Karlstadt und Kitzingen", wie Straßer sagt. Aber auch im oberfränkischen Bamberg und im mittelfränkischen Uffenheim ist Cryptostroma corticale inzwischen aufgetaucht. Das Gesundheitsamt des Landkreises Würzburg rät Spaziergängern bereits, Verdachtsgebiete zu meiden. Bei Symptomen wie Atemnot und Fieber sollten Patienten den Arzt auf eventuelle Waldbesuche hinweisen. Bisher seien aber noch keine Verdachtsfälle aufgetreten. Wie beim Ahorn-Stammkrebs sind befallene Bäume verloren. Sie sollten, so Straßer, unter größten Vorsichtsmaßnahmen gefällt und verbrannt werden.

So sieht ein von der Rußrindenkrankheit befallener Ahorn aus.

(Foto: dpa)