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Singer, Ruf und Co.:Mehrere Generationen, vereint in einem Porsche 911

Porsche 911 Alte Porsche 911 mit neuer Technik Bilder

Die Sportwagen im Detail

Alte Porsche 911 mit neuer Technik

Ob Singer, Ruf oder Kaege: Immer mehr Firmen bauen moderne Motoren in alte Porsche-911-Karosserien ein. Die Traumautos in Bildern.

Optisch ein Ur-Elfer, technisch aber modern und im perfekten Neuwagenzustand: Immer mehr Firmen vermischen beim Porsche 911 Neu und Alt.

Der beste Porsche 911 aller Zeiten? Das ist immer der aktuellste. Aber nur dann, wenn es nach den neuesten technischen Standards geht. Doch es gibt viele Porsche-Fans, die nicht nur auf Leistungsdaten und Kurvengeschwindigkeiten, den Fahrkomfort oder den Spritverbrauch achten. Die nicht in erster Linie den schnellsten, stärksten oder am einfachsten zu fahrenden 911 wollen. Sie vergöttern vor allem Aussehen, Motorklang und Fahrverhalten der frühen Versionen, als diese noch weitgehend das verkörperten, was sich Ferry Porsche unter dem idealen Sportwagen vorstellte.

Es gibt aber auch immer mehr von denen, die das Beste aus zwei Welten möchten. Die Ästhetik des Alten, mit Chrom- statt Kunststoff-Stoßstange, mit aufrecht im Wind stehender Frontscheibe statt optimierter Aerodynamik. Aber ein bisschen mehr Leistung darf der Elfer schon haben. Und wenn er nicht ganz so altmodisch zu fahren und auch noch ein bisschen sparsamer, sauberer und zuverlässiger ist, umso besser. Sie wollen eines dieser Autos, das man neudeutsch "Modern Classic" nennt, bei dem Alt und Neu zu einer Symbiose verschmelzen.

Porsche 911 Carrera S Porsche 911 im Präsidenten-Check
Fahrbericht

Porsche 911 im Präsidenten-Check

Für Puristen ist ein Turbo im neuen 911 so, als würden AC/DC Schlager spielen. Also haben wir den Sportwagen von jemandem testen lassen, der sich auskennt: dem Präsidenten eines Porsche-Clubs.   Von Felix Reek

"Matching Numbers" - ein Problem der Historiker

Das ist längst ein Trend, wenn auch einer für Gutbetuchte. In den USA sind solche Autos besonders gefragt, denn zwischen Ost- und Westküste schert man sich wenig um Originalität. Anders als in der hiesigen Oldtimerszene spielt das Diktat der "Matching Numbers", bei dem Antriebsstrang und Karosserien samt ihrer Identifikationsnummern untrennbar zusammengehören, dort nur eine untergeordnete Rolle. Für die US-Autofans kommt es auf Stil und Coolness an, auf das Auftreten, nicht so sehr auf die Regeln. Wenn moderne Technik das Auto aufregender macht, dann wird sie eben eingebaut. Dass die Nummern nicht mehr passen, ist das Problem von Historikern.

Gute Voraussetzungen, um damit sein Geld zu verdienen. Das hatte Rob Dickinson jedoch noch nicht im Sinn, als er kurz nach der Jahrtausendwende seine mittelmäßig erfolgreiche Musikerkarriere beendete, von England nach Nordamerika auswanderte und sich dort seiner anderen Leidenschaft widmete: den Autos von Porsche. Genug Geld, um sich einen betagten 911 kaufen und komplett umbauen zu können, hatte Dickinson in seiner Rocker-Karriere immerhin verdient. Original war an diesem Auto schließlich kaum noch etwas, vor allem war es breiter und viel stärker als damals, als es aus dem Werk rollte. Dickinsons Elfer erregte Aufsehen in Los Angeles, manch einer wollte ihn sogar kaufen, dem Vernehmen nach auch der eine oder andere Hollywood-Star. Dickinson merkte, dass die Nachfrage stieg, und gründete 2009 die Firma "Singer Vehicle Design".

Porsche 911 Porsche de luxe
Reportage
Tuning-Firma Singer

Porsche de luxe

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Porsche 911 als Mehr-Generationen-Mix

Seitdem macht Singer nichts anderes, als alte Porsche-911-Karosserien zu restaurieren, an den entscheidenden Stellen zu liften und mit neuem Innenleben zu füllen. Als Basis dient stets die Außenhaut der zwischen 1988 und 1994 gebauten Generation mit dem Werkscode 964, allerdings unter anderem mit neuen Stoßstangen, Kotflügeln und Hauben so umgestaltet, dass der Porsche nun aussieht wie ein Exemplar einer ganz frühen Elfer-Generation. Diese Hülle verbinden Dickinsons Leute mit modernerer Antriebstechnik. Ins Heck zieht der Sechszylinder-Boxer des Nachfolgemodells 993 ein, "der letzte luftgekühlte", wie Porsche-Kenner wissen. Ob in der normalen 272 PS-Version oder umfangreich bis auf fast 400 PS getunt, Singer überholt die Triebwerke umfangreich, sodass letztlich ein Herz von heute im - zumindest optisch - Körper von gestern schlägt.

Ein Singer-Porsche kostet fast 500 000 US-Dollar - zuzüglich der 964er-Karosserie, die der Kunde mitbringen muss. Kein Wunder, dass aus dem Hobby von einst für Dickinson in nicht einmal sieben Jahren ein sehr einträgliches Geschäft geworden ist.