Peugeot 3008 im Test:Der Peugeot 3008 ist ein SUV mit Schlechtwetter-Allergie

Peugeot 3008 im Test

Der Peugeot 3008 war früher ein Minivan und ist heute ein SUV. Mit 120-PS-Diesel kostet er mindestens 28 500 Euro.

(Foto: tibo; Peugeot)

Behäbiges Familienauto? Bloß nicht! Peugeot hat den 3008 in ein kompaktes SUV verwandelt. Wie der Test zeigt, hat es mit Schnee aber seine Probleme.

Von Felix Reek

Die Reifen scheuern sich quälend langsam durch den Schnee. Schrrrp. Schrrrp. Schrrrp. Ein paar Tage zuvor hatten die Kollegen noch gewitzelt: "Das ist genau das richtige Wetter für dieses Auto!" Sie hatten unrecht. Seit einer Woche schneit es in München. Und der Peugeot 3008 steckt fest. In einer unscheinbaren Schneeverwehung des Räumdienstes am Straßenrand, keine 30 Zentimeter hoch.

Das SUV mag zwar martialisch aussehen mit seinem breiten Kühlergrill und dem Unterbodenschutz. Aber es hat keinen Allradantrieb und scheitert im Alltag schon an einem Schneehaufen. Also aussteigen und schieben? Wenige Sekunden nach dem Öffnen der Tür beginnt der Peugeot laut Alarm zu schlagen. Im Display des Tachos blinkt es rot. Ein Notfall? Der Selbstzerstörungmodus? Nein, der 3008 warnt, dass der Motor noch läuft. Zumindest umweltbewusst ist das SUV mit Schlechtwetter-Allergie.

Nach ein paar Minuten ist die unüberwindbare Schneewand nach starker Beanspruchung des Gaspedals doch überwunden. Zeit, sich dem 3008 zu widmen. Es ist offensichtlich, dass der Neue nichts mehr mit dem Alten zu tun haben will. Der Alte, das war die erste, 2009 auf den Markt gekommene Generation des 3008. Eine Kombination aus Minivan und Kompaktklasse, das französische Pendant zum VW Golf Plus. Aber es war eben kein SUV. Ein Marktsegment, das Peugeot jahrelang vernachlässigt hat.

Nach dem 2008 ist der 3008 erst das zweite SUV im Portfolio der Franzosen. Wenn auch ein gelungenes. Im Vergleich zur ersten Generation hat der 3008 nach seiner Blechumwandlung merklich an Profil gewonnen. Die Linien sind scharf gezeichnet, das Dach fällt nach hinten ab, die Scheinwerfer ziehen sich bis über die Kotflügel. Trotzdem gibt es auf allen fünf Plätzen mehr als genug Platz. Der Innenraum ist klar strukturiert, die Materialien sind gut verarbeitet. Das Tacho-Element ist jetzt wie bei Audi digital und konfigurierbar. Im Gegensatz zu den Ingolstädtern ist es aber nicht aufpreispflichtig.

Viel zu tief sitzendes Lenkrad

Nur in den Details schlampt der Peugeot. Da wäre zum Beispiel das oben abgeflachte Miniaturlenkrad. Das soll den jetzt etwa viereinhalb Meter langen Geländestädter durch die Metropolen dieser Welt steuern. Doch es ist viel zu tief positioniert und verdeckt dadurch permanent die Sicht auf den wirklich schönen Digitaltacho. Und um die Funktionen des Tempomatwahlhebels zu erkennen, muss der Fahrer seinen Kopf zwischen die Knie nehmen und links am Lenkrad vorbei spähen. Nicht gerade die beste Position für eine Autofahrt. Dafür lenkt der Peugeot mit dem Volant viel leichtfüßiger als andere Autos mit diesen Proportionen durch Kurven und Innenstädte.

Auf der Autobahn zeigt sich eine weitere Schwäche des 3008: Der Basis-Diesel ist zu schwach. Mit 120 PS und 1,6 Litern Hubraum soll er vor allem sparsam sein. Doch das fällt schwer, wenn das Gaspedal im unteren Drehzahlbereich jedes Mal komplett durchgetreten werden muss, um eine Reaktion des Motors zu provozieren. 4,0 bis 4,3 Liter Diesel gibt der Hersteller als Durchschnittsverbrauch an, im Test sind es 5,9 Liter.

Trotzdem ist die Wiedergeburt des 3008 durchaus gelungen. War der Minivan ein beliebiges Auto ohne jeglichen Wiedererkennungswert, so hinterlässt der Peugeot als SUV wesentlich mehr Eindruck. Zumal der 3008 optional mit vielem ausgestattet werden kann, was es heute an Annehmlichkeiten gibt. Von diversen Sicherheitssystemen bis hin zur 360-Grad-Kamera. Weiterhin schuldig bleibt der Franzose einen Allradantrieb. Den soll es 2018 geben, wenn die Hybrid-Variante auf den Markt kommt. Vielleicht schafft es die ja dann auch, sich durch die ein oder andere Schneeverwehung zu wühlen.

Technische Daten Peugeot 3008 BlueHDi FAP Stop & Start:

R4-Dieselmotor mit 1,6 Litern Hubraum; Leistung 88 kW (120 PS); max. Drehmoment: 300 Nm bei 1750/min; Leergewicht: 1375 kg; Kofferraum: 520 - 1482 l; 0 - 100 km/h: 11,2 s; Vmax: 189 km/h; Testverbrauch: 5,9 l / 100 km (lt. Werk: 4,0 - 4,3; CO₂-Ausstoß: 104 - 111 g/km); Euro 6; Grundpreis: 28 500 Euro

Das Testfahrzeug wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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