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Mühsamer Start für Elektroroller:Darum sind E-Scooter noch nicht konkurrenzfähig

Elektroroller, E-Roller, Scooter, Elektromobilität

Diese Scooter-Studie soll die Lücke zwischen E-Bike und Elektroauto im Fahrzeugprogramm der Daimler-Marke Smart schließen.

(Foto: dpa-tmn)

Lautlos, sauber und kräftig: An der Ampel hängen Elektroroller manchen Benziner locker ab. Vor allem in Großstädten haben die Zweiräder viel Potenzial. Doch die Kundschaft zögert noch. Zumal es auch technische Probleme gibt.

Kein Lärm, kein Abgase und keine Parkplatzsorgen: Gerade in Städten spricht viel für Elektroroller. Doch die potenziellen Käufer ziehen bisher nicht mit. Manche Roller haben noch technische Schwachstellen. Und wegen der teuren Batterien kosten die E-Modelle in der Anschaffung um die 1000 Euro mehr als vergleichbare Roller mit Verbrennungsmotor. Die Absatzzahlen stagnieren in Deutschland bei wenigen tausend Exemplaren im Jahr.

"Der Markt braucht locker noch drei bis vier Jahre", glaubt der Marketingchef des nach eigenen Angaben größten deutschen Herstellers Emco aus Lingen an der Ems, Kai-Uwe von Hebel. Derzeit sei der E-Roller-Absatz noch "irrelevant", erklärt Hendrik Ramisch, ein auf Elektrofahrzeuge spezialisierter Zweiradhändler aus Düsseldorf. Branchenfachleute schätzen den E-Roller-Verkauf bundesweit auf höchstens 3000 Stück im Jahr - die meisten davon in der Klasse bis 45 km/h Spitzengeschwindigkeit, für die Autofahrer keinen zusätzlichen Führerschein brauchen.

Die E-Scooter kosten noch relativ viel Geld. Für das von der Leistung her kleinste Emco Modell, den Novi mit 1,5 Kilowatt, werden beispielsweise rund 3300 Euro fällig - allein etwa 750 Euro davon kostet der Akku. "Wenn die Leute sehen, der kostet erst mal deutlich mehr, kaufen sie einen Benziner", klagt von Hebel. Dabei liegen die Energiekosten von ein bis zwei Euro pro Akkuladung deutlich unter einer Tankfüllung für benzinbetriebene Roller.

Probefahren ja - kaufen nein

Elektro-Neulinge kämen von ihrer ersten Probefahrt mit einem E-Roller wegen des starken Drehmoments und der Handlichkeit oft "mit einem breiten Grinsen zurück", erzählt von Hebel. Den Kaufvertrag unterschrieben sie trotzdem nur selten. Niedrigere Preise seien erst mit wesentlich größeren Stückzahlen für die Batterien möglich - dazu müsse aber die Nachfrage größer werden, sagt von Hebel. Vorerst will er für Emco keine Verkaufszahlen nennen.

Im Jahr 2010 sei die Stimmung in Sachen Elektrozweiräder noch viel optimistischer gewesen, stellt ADAC-Zweiradfachmann Ruprecht Müller fest. Er testete für den ADAC damals sieben E-Roller - bei manchen Modellen mit harscher Kritik an langen Batterieladezeiten von bis zu zwölf Stunden, unzureichender Reichweite und fehlendem Stauraum. Aber es gab auch Lob für das neue lautlose Fahrgefühl und die Handlichkeit der Roller durch den niedrigen Schwerpunkt. Zwei Roller erhielten immerhin die Note "Gut". Das Modell E-Sprit Silenzio 45 eines österreichischen Kleinherstellers aus der Nähe von Kufstein holte bei dem Test den Sieg. Heute sei der Hersteller insolvent, sagt Müller.

ADAC-Test Elektroroller Grafik

Das Ergebnis des ADAC-Tests 2010 im Detail.

"Nur Probleme mit den E-Rollern"

"Die Roller waren nicht stabil, wir hatten nur Probleme damit", berichtet Händler Ramisch, der das Modell anbot. Er ist vom E-Roller-Konzept eigentlich überzeugt. Doch mit Kleinanbietern und Familienunternehmen, denen oft der lange Atem und die Finanzen für Modifikationen und technische Verbesserungen fehlten, lasse sich der Markt nicht erobern. "Das geht erst los, wenn die Großen kommen", sagt Ramisch.

Damit ist zum Beispiel Smart gemeint. Die Daimler-Marke plant mit dem US-Elektrozweiradspezialisten Vectrix bis 2014 einen Elektroroller für die Stadt. Der E-Scooter schließe die Lücke elektrischer Mobilität zwischen dem Smart E-Bike und dem Pkw Smart Fortwo Electric Drive erklärt das Unternehmen. Studien waren bereits 2010 beim Pariser Autosalon zu sehen - mit einer Dockingstation fürs Smartphone am Lenker, das zur Steuereinheit für den Roller werden könnte.

BMW will im ersten Halbjahr 2014 den Elektro-Großroller C Evolution mit 35 Kilowatt Spitzenleistung auf den Markt bringen. Weitreichende Pläne schmieden auch die "Elektrofahrzeugwerke" EFW Suhl, die das einstige DDR-Knattermoped Schwalbe noch in diesem Jahr als E-Schwalbe liefern wollen - in einer Version mit 6 Kilowatt Leistung, 81 km/h Spitzentempo und 60 Kilometern Reichweite zu einem Preis von vermutlich 5800 Euro.

E-Roller: bisher nur für Zweirad-Fans

Die Akkus der E-Schwalbe sollen wie auch bei einigen Emco-Modellen herausnehmbar sein, um sie in der Wohnung aufzuladen. Das erfordere aber bei knapp 15 Kilogramm Gewicht kräftige Muskeln, sagt der auf E-Mobilität spezialisierte Journalist Reiner Kolberg. Ein E-Roller lohne sich daher in der Regel bisher nur für Zweirad-Fans mit Garage und Stromanschluss.

Einen echten Sprung in der Nachfrage am generell nicht sonderlich rollerfreundlichen deutschen Markt könnte die Politik bewirken, glaubt Kolberg - indem sie etwa die 45-km/h-Grenze für kleine Roller auf fürs "Mitschwimmen" im Verkehr realistischere 55 oder 60 km/h anhebe. Einen Schub brächten seiner Meinung nach auch Fahrverbote für Zweitakter wie in der Provinz Bozen und kräftige Steuererleichterungen für größere Elektrofahrzeuge. Aktuell liegt der Gesamtbestand an Elektro-Großrollern und E-Motorrädern - Kleinroller bis 45 Stundenkilometer sind nicht erfasst - laut dem Kraftfahrzeugbundesamt bei gerade mal 2086 Fahrzeugen.

© süddeutsche.de/dpa/goro

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