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Kombis im Fahrbericht:Verbrauchswerte noch jenseits der Prospektangaben

Gewohnt wirklichkeitsfern sind dagegen die Verbrauchswerte. Noch wurden weder der BMW noch der Mercedes nach dem neuen, anspruchsvollen WLTP-Zyklus gemessen. Das "Worldwide Harmonized Light Duty Test Procedure" gehört ab September ebenfalls zum Prüfstandard. Dann dürften die Verbrauchswerte näher an der Realität von ziemlich genau acht Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer liegen, die beide Modelle verbraucht haben. Angesichts der Leistung von 195 kW (265 PS) im BMW 530d und fast genauso so viel im Mercedes ist das immer noch ein guter Wert. Zumal die Favoriten für den Vorstands-Fuhrpark auch auf schnellen Autobahnpassagen relativ sparsam bleiben. Das haben sie Ottomotoren voraus, die bei hohem Tempo mit zusätzlichem Kraftstoff innermotorisch kühlen müssen. Wieder so eine Form von Bauteilschutz, der in den Normwerten nicht auftaucht.

Vielfahrer kennen das Problem, deshalb schwören viele weiterhin auf den Diesel. Sowohl der Mercedes als auch der BMW sind typische Reisewagen: langer Radstand, ruhiger Geradeauslauf und ein Fahrwerk, das Stöße gut wegsteckt. Wobei das T-Modell noch eine Spur weicher abgestimmt ist als der Touring. Trotzdem ist der 530d mit seinem Langstreckenkomfort der beste Mercedes, den BMW je gebaut hat: ein kultivierter Gleiter mit leisem, gut gekapseltem Motor, der sich selbst beim Kaltstart das Taxi-Nageln verkneift. BMW hat nicht nur die Qualitätsanmutung im Interieur deutlich verbessert, sondern wirkt im ganzen Gestus viel reifer und ausgeglichener. Selbst im Sportmodus wird der Gentleman nicht zum Wadlbeißer, der abrupt mehrere Gänge herunterschaltet. Der Wagen bleibt die Ruhe selbst, wirkt aber nicht ganz so abgekoppelt von der Außenwelt wie die E-Klasse.

Fahrassistenten mit Kinderkrankheiten

Beide Autos zeigen, wohin die Reise geht: zur Freude am Gefahrenwerden. Mit der richtigen Ausstattung vermitteln die beiden Testkandidaten schon heute einen Vorgeschmack von der Zukunft. Für schlanke 2856 Euro gibt es die E-Klasse mit dem Fahrassistenz-Paket Plus, das verschiedene Sicherheits- und Assistenzsysteme bündelt. Am interessantesten ist die Kombination des Aktiven Abstandstempomaten (ACC oder bei Mercedes: Distronic) mit dem aktiven Lenk-Assistenten. Eine Hand reicht aus, um immer wieder kurz ans Lenkrad zu fassen und bis 210 km/h vorausfahrenden Fahrzeugen automatisch zu folgen. In allzu großer Sicherheit darf sich der Fahrer aber nicht wiegen: Der Mercedes pendelt beim automatischen Spurwechsel bedenklich und fährt in engen Kurven unvermittelt geradeaus. Manchmal werden die gelben Markierungen in einer Baustelle erkannt - manchmal aber auch nicht. Alternativ fährt der Assistent dann stur den weißen Markierungslinien hinterher. Genau wie bei Teslas Autopiloten muss man die Grenzen der Technik also genau im Auge behalten, um entspannt unterwegs zu sein.

Der BMW 5er kann das alles auch, fährt aber nur wenige Sekunden ohne die Hände am Lenkrad. Dafür beschleunigt er schneller auf der Datenautobahn, außerdem ist die Spracheingabe momentan führend in der Branche. Der Mercedes braucht viel länger, um die Navigationsdaten zu laden. Ein Dialog mit dem manchmal schwerhörigen und begriffsstutzigen System ist so unkomfortabel wie eh und je. Auch beim Head-up-Display ist der 5er einen großen Schritt weiter. Es kann nicht nur die Radio-Senderliste im direkten Blickfeld zeigen, sondern auch vorausschauend die kommenden Geschwindigkeitsbegrenzungen. Dieses Umfeldverständnis ist gerade auf langen Strecken eine willkommene Erleichterung. Solche Technik-Schmankerl haben freilich ihren Preis. Die exklusivste Ausstattung ist allerdings serienmäßig: der saubere Motor. Dafür hat der BMW 5er tatsächlich eine blaue Plakette und ganz schnell ganz viele Nachahmer verdient.

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