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Internet im Auto:Rechtliche Probleme sind völlig ungelöst

"Wenn nicht einmal mehr die Schlaglöcher beseitigt werden, fehlt mir der Glaube, dass massiv in die Infrastruktur investiert wird", sagt Thomas Form, der bei VW den Forschungsbereich Elektronik und Fahrzeug leitet. Form bezweifelt auch, dass die neue Mobilfunktechnik LTE tatsächlich so geringe Reaktionszeiten hat, wie man sie für sehr zeitkritische Aufgaben braucht, beispielsweise, um vor einem herannahenden Radler zu warnen. Und das LTE-Netz wird zwar gerade aufgebaut, ob die Technik dann aber auch so lange in Betrieb bleibt, wie Autos halten, ist ungewiss.

Selbst im Bereich der Sensoren ist die Entwicklung nicht abgeschlossen: "Die heutigen Sensoren haben Stärken und Schwächen", sagt Form, "ein Radar zum Beispiel sieht nur eine Punktewolke." Erst wenn man es mit anderen Sensoren koppelt und aus diesen Informationen ein Umfeldmodell errechnet, können halbwegs sinnvolle Aussagen getroffen werden. Insgesamt hält VW-Mann Form die Technik für "noch nicht stabil genug und nicht bezahlbar."

Außerdem, fügt er hinzu, seien die rechtlichen Probleme in keiner Weise gelöst. Wer etwa zahlt, wenn ein System zur Kollisionsvermeidung das Auto automatisch abbremst und ein anderer Wagen hinten auffährt? Oder wenn womöglich der Radfahrer, den das System durch die Vollbremsung vor Schaden bewahrte, gar nichts gemerkt hat und einfach weitergefahren ist? Beispiele für solche offenen Fragen gibt es zuhauf.

Dass die vielbeschworene Car-to-Car- und Car-to-Infrastructure-Communication noch am Anfang steht, wird auch klar, wenn man sich ansieht, was der Bitkom, der Verband der deutschen Informationstechnik-Unternehmen, bemängelt. Statt lauter "Splitterlösungen" einzuführen müsse eine "Bundesinitiative zur Einführung intelligenter Verkehrssysteme in Ländern, Verkehrsverbünden und -regionen" gestartet werden, fordert der Verband.

Und noch sei die Frage unbeantwortet, wer für den dauerhaften Betrieb einer solchen Plattform zuständig sein soll, die alle Telematik-Informationen bündelt und zur Verfügung stellt. "Die bestehenden Verwaltungen", glaubt man beim Bitkom jedenfalls, "erscheinen hierfür zu starr." Zu überlegen sei daher der "Aufbau einer neutral verantwortlichen technisch-wissenschaftlichen Institution".

Diese müsste dann auch dafür Sorge tragen - ein weiteres ungelöstes Problemfeld -, dass historische Daten, Echtzeitdaten und Prognosedaten aus dem In- und Ausland zur Verfügung stehen und zwar auch für Bus und Bahn.

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