GM-Designer Elwood Engel Der Flossenglätter

Vor 25 Jahren starb der Autodesigner Elwood Engel. Er schuf Ikonen wie den Lincoln Continental oder das Chrysler Turbine Car - und Flossen mochte er gar nicht leiden.

Ende der 50er Jahre trug man in Detroit den Chrom mit der sprichwörtlichen Kelle auf. Dicke Schlitten mit mächtigen Heckflossen und allerlei Raketen-Zierrat wurden zum Symbol einer automobilen Überfluss-Gesellschaft.

Meister der ruhigen Form

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In den 60er Jahren folgte der radikale Schnitt: Amerikas Straßenkreuzer wurden zwar nur selten kleiner, aber fast durchgehend nüchterner, gerader, kantiger. Eines der schönsten Beispiele dafür stellt der 61er Lincoln Continental dar: Das Flaggschiff aus Fords Luxus-Sparte ist bis heute eine Ikone des Automobilbaus und stammt aus der Feder des Designers Elwood Engel.

Engel, der im Zweiten Weltkrieg als Kartograph bei der US-Armee eingesetzt war, lernte sein künstlerisches Handwerk an der Designschule von General Motors. Er gestaltete zu Beginn seiner Karriere aber keine Autos, sondern landwirtschaftliche Maschinen. Auch Haushaltsgeräte wie Wecker, Küchenutensilien oder sogar Frauenschuhe ersann Engel am Zeichenbrett.

Dank seiner Freundschaft mit dem Industriedesigner George Walker schaffte Engel den Sprung in die Auto-Liga - als Walker einen Auftrag des Ford-Konzerns an Land zog und schließlich zum Vizepräsidenten für Design ernannt wurde. Engel entwickelte den 61er Lincoln Continental aus dem eckigen 58er Ford Thunderbird, den er ebenfalls entworfen hatte. Das Auto wurde so erfolgreich, dass der Ford-Konzern die Marke Lincoln nicht wie ursprünglich geplant nach 1960 einstellte.

Die ruhigen, eleganten Formen und die "Selbstmördertüren" waren die Markenzeichen des 5,4 Meter langen Luxus-Lincolns, der 1963 auch durch ein tragisches Ereignis weltbekannt wurde: US-Präsident John F. Kennedy wurde während seiner Wahlkampftour durch Dallas im offenen Wagen erschossen. Erst nach dem Attentat ließ man das Auto mit einer gepanzerten Haube nachrüsten, heute steht Kennedys Lincoln im Henry Ford-Museum in Detroit.

1961 wechselte Elwood Engel von Ford zu Chrysler und wurde dort Chefstylist. Engel ersetzte Virgil Exner, dessen extrovertierte Flossen-Monster das Design des Autoriesen in der "Forward Look"-Ära jahrelang geprägt hatten. Der 57er Chrysler 300 C zum Beispiel ging auf Exners Konto. Elwood Engel musste in den 60ern nun den Gegenkurs umsetzen.

Ab 1962 war die "Forward Look"-Ära beendet, Chrysler hatte eine klare, nüchterne Designsprache beschlossen. Unter Engels Ägide entstanden in den 60er Jahren Schlachtschiffe wie der Plymouth Fury, kantige Kompaktwagen wie der Dodge Dart oder wuchtige Coupés wie der Dodge Polara 500.

Blech und Chrom von einst

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