Flugtaxi von Airbus "Jetzt muss er nur noch fliegen"

Auftritt in Ingolstadt (v. li.): Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, Staatsministerin Dorothee Bär, Oberbürgermeister Christian Lösel, Airbus-Manager Wolfgang Schoder und der Bundestagsabgeordnete Reinhard Brandl.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Die Vorstellung des City-Airbus, eines elektrisch betriebenen Flugtaxis, gerät zur großen Show - nur: Wann er zum Einsatz kommt, ist noch unklar.

Von Johann Osel, Ingolstadt

Der Countdown läuft auf der Leinwand, dann drücken "die Prominenten", wie sie eine Moderatorin vorgestellt hat, auf den roten Knopf. Nebel strömt aus Düsen, Dancefloormusik schallt über den Ingolstädter Rathausplatz. Das ganze Buhei will zum Ausdruck bringen: Da ist das Ding! Das Ding, das sie am Montag in Ingolstadt aufgebaut haben und als "Weltpremiere" präsentieren, ist der Prototyp des City-Airbus. Das elektrisch betriebene Flugtaxi ist ein viersitziges Luftfahrzeug mit acht Rotoren, das senkrecht startet und landet und vor allem für Großstädte gedacht ist. Irgendwann. Im Helikopterwerk von Airbus im schwäbischen Donauwörth wurde es gebaut, in Ingolstadt als Modellregion für Luftmobilität soll es getestet werden.

Jetzt aber wird es erst mal der Öffentlichkeit gezeigt, und an Inszenierung hat man nicht gespart. Am Rathausplatz stehen die schaulustigen Bürger, Presse und Fachleute dicht gedrängt, laut Stadtverwaltung sind es gut 2500 Menschen. Viele zücken ihre Smartphones und filmen das Spektakel. Andreas Scheuer filmt zurück, macht ein Video von der Menge. Der Bundesverkehrsminister von der CSU sagt, er sei "megabegeistert" vom Andrang, er habe sich Sorgen gemacht wegen des eisigen Windes an dem Vormittag. "Danke, dass Sie Interesse an Zukunft haben", ruft er. Und, mit Blick auf den City-Flieger: "Schaut ziemlich cool aus, jetzt muss er nur noch fliegen."

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Regelrecht hingefiebert haben die Verantwortlichen auf diesen Termin: In der Ingolstädter Stadtpolitik spricht man mit einer Mischung aus Stolz und Aufgeregtheit von dem Zukunftsprojekt "Urban Air Mobility", seit man auf Initiative der Europäischen Kommission zur Modellregion werden durfte; und das Netzwerk - Dutzende Partner aus Industrie, Forschung und von Regierungsorganisationen - wächst stetig. Zuletzt kam zum Beispiel die Deutsche Bahn dazu, die sich Impulse für die Inspektion ihrer Schienennetze erhofft. Es geht in dem Projekt auch um das Grundsätzliche: Welche Anwendungsgebiete für Luftmobilität sind überhaupt sinnvoll? Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen braucht es? Mehrere Workshops der Partner waren schon angesetzt. Nicht nur Airbus treibt die neue Form des Fliegens um, Unternehmen weltweit arbeiten daran, zum Beispiel auch Daimler, Boeing oder Uber. In Ingolstadt haben sie nun Greifbares vorgelegt. Eine Reichweite von 50 Kilometern und eine Spitzengeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde soll der City-Airbus haben, der zunächst noch mit Piloten fliegen soll.

Das Echo im Publikum pendelt zwischen "Zukunft" und "Blödsinn"

Hört man sich bei den Besuchern um, ist das Echo freilich zwiespältig, anzusiedeln irgendwo zwischen "die Zukunft" und "ein Blödsinn", um beispielhafte Wortmeldungen zu nennen. Ein Ehepaar diskutiert lebhaft, dass das "wieder was für Großkopferte" sei, ein Mann dagegen findet das alles "echt super" und denkt an "Einsätze vom Notarzt oder im Gebirge". Gängigste Reaktion allerdings: Staunen. "Sieht aus wie ein Ufo", meint ein Schüler über das Lufttaxi auf der Bühne. Dass an dessen Rotoren weiß-blaue Rauten kleben, ist wohl kein Zufall. Die Veranstaltung ist auch eine Art Leistungsschau des Freistaats Bayern.

"Mobilität der Zukunft geht uns alle an", sagt Wolfgang Schoder, Deutschlandchef von Airbus Helicopters. Das Bild vom fliegenden Auto, das im Stau einfach einen Propeller ausfahre und abhebe, sei zwar "doch Zukunftsmusik"; durchaus realistisch dagegen seien Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, festgelegte Luftstraßen, auf denen man Flüge buchen könne - zum Beispiel vom Stadtzentrum zum Flughafen. Lufttaxis, meint Schoder, seien "definitiv keine Spielerei und keine Science-Fiction mehr". Die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), freut sich, dass man durch das Projekt "Digitalisierung erlebbar machen" könne; das sei etwas anderes als ein Schlagwort, von dem keiner genau wisse, worum es gehe.

Das darf gut und gern als Anspielung auf die Debatte im vergangenen Jahr gesehen werden. Als Bär damals in einem Fernsehinterview ihren neuen Kabinettsposten mit dem Einsatz von Flugtaxis in Verbindung brachte, erntete sie reichlich Häme. Sie wünscht sich nun "weniger Bedenkenträgertum". Ingolstadts Oberbürgermeister Christian Lösel sagt, man müsse "die Arbeitsplätze von morgen bereits heute denken", die "gesamte Weltwirtschaft schläft nicht". Er gibt seinen Bürgern aber auch mit auf den Weg: "Mit dem Lufttaxi "ersetzen wir nicht den ÖPNV." Mancher Einheimische mag sich da schon Hoffnungen gemacht haben: Dass Ingolstadt eine Audi- und Autostadt ist, merkt man täglich auf den Straßen - ein lokales Frustthema.

Bis zum Samstag hatten Airbus-Ingenieure Bodentests in Donauwörth gemacht, dann das Gerät nach Ingolstadt transportiert. In den kommenden Wochen sind weitere Tests geplant, dabei soll das Lufttaxi bereits senkrecht abheben. Voraussichtlich im April geht es auf ein Testgelände in Manching, südöstlich von Ingolstadt. Dort will man konkret fliegen. Frühestens zum Jahr 2025 könnte es einem Airbus-Sprecher zufolge europäische Vorschriften für den kommerziellen Gebrauch in der Öffentlichkeit geben. Es handelt sich tatsächlich um "die Zukunft".

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