Elektroautos:Diese Firma will Tesla überholen

Lesezeit: 4 min

Atieva

Bislang muss noch ein umgebauter Mercedes-Kleinbus (links) herhalten, wenn Atievas Konstrukteure bei Beschleunigungsrennen ihr Können zeigen wollen.

(Foto: OH)

Atieva arbeitet in Kalifornien heimlich an einem verdammt schnellen Elektroauto. Bald will das Unternehmen besser sein als die deutschen Autobauer - und als sein Nachbar.

Reportage von Max Hägler, San Francisco

Man möge den Gurt recht festziehen. Mehr sagt der ernst dreinblickende, karohemdtragende Vollbart-Träger nicht, der am Steuer des Mercedes Vito sitzt. Dann gibt er unvermittelt Vollgas. Testfahrt auf einer öffentlichen Straße in einem Gewerbegebiet südlich von San Francisco - mit einem internationalen Team, das mit chinesischem Geld und deutschen Teilen vor allem Tesla Konkurrenz machen will bei teuren Elektroautos.

Nach hinten drückt es einen, die Luft bleibt weg. Jetzt darf niemand aus einem Hof rollen. Drei Sekunden braucht das Gefährt, um auf 100 Kilometer pro Stunde zu kommen. Lässt angeblich einen 12-Zylinder-Ferrari alt aussehen. Ist glaubhaft. Ein paar Sekunden nur, dann hat man diese Straße durchschossen, unter Missachtung sämtlicher Verkehrslimits. Bremsen. Durchatmen. U-Turn. Und zurück geht es in Katapultgeschwindigkeit zu dem unscheinbaren zweistöckigen Bürohaus in Menlo Park, Kalifornien, wo eine kleine Firma namens Atieva dieses Teil zusammenbaut, dessen Anschein trügt.

Der wohl schnellste Van des Westens

Es ist letztlich auch nur noch zur Hälfte ein Mercedes: So ziemlich alles haben sie herausgeschraubt - und durch einen Elektroantrieb samt Batterien ersetzt. Der neue Name: Edna. Ein Kleinbus sei halt ein ganz guter Testträger, solange das eigene Chassis noch nicht fertig sei, sagt der Vollbart-Mann. "Dank uns sind Sie jetzt mit dem wohl schnellsten Van im Westen gefahren."

Anstandshalber, immerhin, ist der Stern abgeklebt. Aber natürlich hat das Symbolkraft: Man nehme das Verbrenner-Auto eines deutschen Herstellers, der - wie alle deutschen Hersteller - gerade noch wenig anzubieten hat in Sachen Elektromobilität, baue es um und fahre damit in die Zukunft. Oder starte zumindest einmal energisch. Denn noch ist unklar, wie weit die Kraft reichen wird.

Hier in der Bay Area, wo sich Städtchen und Gewerbegebiete nahtlos aneinanderreihen, basteln ein Dutzend Firmen an Elektroautos; die großen, weltbeherrschenden IT-Konzerne Apple und Google, die etablierten Autohersteller wie Mercedes oder Ford; natürlich Tesla. Und seit einigen Monaten tuschelt die Szene über dieses Atieva.

Sie wollen die deutschen Hersteller überholen

Kaum ein Firmenfremder hat bislang Einblick bekommen in das "Project Cosmos", wie sie es nennen. Jetzt lassen sie, beinahe zum ersten Mal, einen Besucher hinein - und erklären, woher sie diese unverschämte Gewissheit nehmen, der beste Elektro-Autohersteller werden zu können. Wen sie dabei überholen wollen, zeigt sich am Parkplatz: Ganz vorne am Eingang sind Stellplätze reserviert, der Reihe nach: "Parking only" für Audi A6, A7, A8 und andere deutsche Hersteller. Hier soll sich in der ersten Jahreshälfte 2018 die Atieva-Limousine einreihen.

Aber gibt es das nicht schon, mit Tesla: einen Premium-Elektrowagen? "Tesla ist fantastisch", sagt Cheftechniker Peter Rawlinson. Er muss es wissen, war dort lange Zeit ein verantwortlicher Ingenieur. "Aber wir entwickeln einen Wagen, der noch viel stärker auf die neuen Möglichkeiten eingeht, etwa das Fehlen eines Motors vorn, und wir machen das vom weißen Blatt aus, wir sind kein normaler Autohersteller."

Schneller und cooler will man sein.

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