Selbstfahrendes Auto Warum Teslas Autopilot beim tödlichen Unfall irrte

  • In Florida starb der Fahrer eines Tesla Model S, bei dem der Autopilot eingeschaltet war, bei einem Verkehrsunfall.
  • Der Hersteller verwendet für das System unterschiedliche Technologien, die sich gegenseitig absichern sollen.
  • Dass es in dem Fall nicht reagierte, könnte mit einigen unglücklichen Umständen und einer fatalen Verwechslung zu tun haben.
Von Thomas Harloff

Ein Lastwagen biegt links ab. Dabei übersieht der Trucker ein entgegenkommendes Auto. Dessen Fahrer kann nicht mehr ausweichen oder bremsen, das Auto gerät unter die Ladefläche des Anhängers. Unfälle, die so ablaufen wie der eines Tesla-Model-S-Fahrers am 7. Mai in Florida, passieren häufig. Und sie enden oft mit schweren oder tödlichen Verletzungen für den Autofahrer. So auch der geschilderte.

Dass es dieser Crash in die internationalen und nicht nur in die lokalen Nachrichten geschafft hat, liegt an seinen besonderen Umständen. Denn während des Unfalls war die Autopilot-Funktion des Teslas aktiviert. Die wurde vordergründig entwickelt, um das Autofahren entspannter zu gestalten. Aber eben auch, um genau solche Unfälle zu verhindern. Am 7. Mai, auf einem Highway in Florida, versagte sie jedoch.

So passierte der tödliche Crash des Tesla Model S.

(Foto: SZ Infografik)

Der Begriff Autopilot ist zu hoch gegriffen

Grundsätzlich ist jeder Tesla mit der Hardware dieses an einen Notbremsassistenten gekoppelten Systems ausgerüstet, so auch in Deutschland zugelassene Exemplare. Es wird, wie bei Tesla üblich, simpel per Software-Eingriff freigeschaltet und kostet hierzulande 3300 Euro Aufpreis. Der Begriff Autopilot ist allerdings zu hoch gegriffen. Der Tesla fährt keineswegs so hochautomatisiert, wie ein Flugzeug mit Autopilot, der seinerseits stets überwacht werden muss, fliegen kann. Er kann weder alleine abbiegen noch den typischen Stadtverkehr meistern, aber er hält auf Schnellstraßen die Spur, indem er eigenständig lenkt, und passt die Geschwindigkeit an den Verkehr und an das Tempolimit an. Er bremst und beschleunigt also autonom. Ebenso kann der Tesla fast autark die Spur wechseln: Dafür tippt der Fahrer kurz den Blinkerhebel an, bevor das Auto die Umgebung überprüft und im Falle, dass kein anderer Verkehrsteilnehmer im Weg ist, die Lenkarbeit übernimmt. Außerdem kann die Limousine selbständig einparken.

Damit das möglichst sicher funktioniert, nutzt Tesla für den Autopiloten eine ganze Reihe von Technologien. Kameras arbeiten mit Radar und Ultraschall-Sensoren zusammen, die ihre Informationen stets miteinander und den Daten anderer Autos abgleichen. Die Idee hinter der Redundanz: Sind die Bedingungen für einen Teil der Technologien ungünstig, etwa wenn eine Kamera bei schlechtem Wetter wenig wahrnehmen kann, dienen die anderen Teile als Rückfalloption. Ein doppelter Boden, der bei diesem Unfall tragischerweise nicht gewirkt hat.

Jedes der verwendeten Systeme hat Schwächen

In einem Blogeintrag weist Tesla darauf hin, dass der Sattelzug weiß und der Himmel hell erleuchtet gewesen sei. Bei einem solchen Szenario können Kameras an ihre Grenzen stoßen. Ihnen bietet sich ein kontrastarmes Bild, zudem können sie geblendet werden. Selbst wenn Stereokameras eingebaut sind, also zwei Bilder abgeglichen werden, geht man in der Branche nur von einer 95-prozentigen Sicherheit aus. Ultraschallsensoren, wie sie zum Beispiel bei den weitverbreiteten piepsenden Einparkhilfen eingesetzt werden, helfen in einer solchen Situation kaum, da sie zu ungenau arbeiten und nur wenige Meter überwachen können. Der Tesla-Fahrer soll nach Aussage des beteiligten Lastwagenfahrers jedoch schnell unterwegs gewesen sein.

Bliebe die Radartechnik. Deren Sensoren sind dazu in der Lage, sehr genau Entfernungen und Geschwindigkeiten anderer Fahrzeuge oder Objekte zu erkennen. Um auch bei hohen Geschwindigkeiten funktionieren zu können, blicken sie bis zu 250 Meter weit nach vorne - eigentlich weit genug, um eine Notbremsung oder ein Ausweichmanöver einzuleiten. Radarsensoren gelten als sehr zuverlässig. Sie haben allerdings den Nachteil, dass sie im Gegensatz zur Kamera Hindernisse nicht klassifizieren können. Sie erkennen nicht, ob beispielsweise ein Kind oder eine Mülltonne am Straßenrand steht. Wie Tesla-Chef Elon Musk in seinem Blog schreibt, könnte das Radar des Unfallautos den Lastwagen mit einer Schilderbrücke verwechselt und deshalb nicht gebremst haben. Ob das plausibel ist, untersucht nun die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA.

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